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Foto © Joschua Voßhenrich

Musikalische Liebesgeschichte

CLARA UND ROBERT SCHUMANN
(Diverse Komponisten)

Besuch am
4. Juni 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Schumannfest, Palais Wittgen­stein, Düsseldorf

Die junge Pianistin schaut zu dem jungen Cellisten auf. Was im Einzelfall in der Wirklichkeit noch so zutreffen mag, wirkt auf der Fotografie von Wei Hung, die der Ankün­digung des Konzerts auf der Netzseite des Schumann­festes hinterlegt ist, ziemlich daneben. Da wollen sie alle so „woke“ sein, und in der Bildsprache reicht es dann nicht einmal zur Gleich­be­rech­tigung. Die Künstler werden an diesem Abend beweisen, dass sie mehr als nur auf Augenhöhe spielen.

Am 24. Mai hat das Schumannfest der Tonhalle in Düsseldorf begonnen, bis zum 23. Juni gibt es noch ausrei­chend Gelegenheit, unter­schied­lichste Konzerte an verschie­denen Spiel­stätten in der Stadt zu besuchen. Das „kammer­mu­si­ka­lische Zentrum“ des Festivals ist der Kammer­mu­siksaal im Palais Wittgen­stein, der für solche Auffüh­rungen eine hervor­ra­gende Akustik bietet. Am 9. Juni beispiels­weise gibt es in dem Kultur­zentrum in der Carlstadt den Roman­ti­schen Tag. Dann werden sieben Ensembles, die sich aus den Musikern der Düssel­dorfer Sympho­niker zusam­men­setzen, ab morgens um elf bis in den Abend unter­schied­liche Programme präsen­tieren. Heute Abend steht das Programm Liebes­ge­schichte von Anna Khomichko und Roger Morelló Ros auf dem Zettel, das nun Clara und Robert Schumann heißt.

Khomichko begann mit dem Klavier­spiel im Alter von vier Jahren. Sie stammt aus einer belarus­sisch-ukrai­ni­schen Familie und wuchs im Norden Russlands auf. Nach ihrem Studium in Moskau verschlug es sie nach Weimar. In Köln erwarb sie ihren Master. Sie ist Preis­trä­gerin bei 15 inter­na­tio­nalen Wettbe­werben und Gewin­nerin zahlreicher Stipendien. Ebenfalls in Köln schloss der Cellist Roger Morelló Ros sein Studium mit dem Konzert­examen ab. Er ist im katala­ni­schen Reus geboren, und seine – auch musika­lische – Liebe zur Heimat ist bis heute ungebrochen. Während Khomichko in Blogs versucht, die Jugend für die klassische Musik zu begeistern, leistet Morelló viel Aufklä­rungs- und Erinne­rungs­arbeit, was Kompo­nisten für das Cello, aber auch berühmte Cellisten angeht.

Foto © Joschua Voßhenrich

Um die 200 Menschen versammeln sich im Kammer­mu­siksaal des Palais Wittgen­stein. Eine überdurch­schnitt­liche Auslastung. Die bei anderen Veran­stal­tungen eher schmucklose Bühne ist mit zwei manns­hohen, farben­frohen Blumen­ge­stellen dekoriert. Maja Plüddemann, Leiterin des Schumann­festes, begrüßt das Publikum mit einem Werbe­block. Kurz darauf betreten die Künstler die Bühne. Khomichko im bonbon­ro­sa­far­benen, extra­vagant geschnit­tenen Kleid, Morelló im dunkel­grünen Sakko zu ansonsten schwarzer Kleidung. Die Pianistin ist bekannt dafür, dass sie die zu spielenden Werke gern – in vorzüg­lichem Deutsch – anmode­riert. Auch der Cellist hat Spaß an der deutschen Sprache, fasst sich aber kürzer. Beiden gelingt es, noch bevor der erste Ton erklungen ist, die Sympathie des Publikums auf sich zu vereinen. Eine junge Musiker­ge­neration, die gewillt ist, Tradi­tionen zu überwinden, um ihres­gleichen zu gewinnen, ohne die älteren Besucher zu vergraulen.

66 Kompo­si­tionen von Clara Schumann sind bekannt. Als lebens­tüchtige und pragma­tische Mutter von acht Kindern wurde ihr schnell klar, dass mit dem Kompo­nieren weniger Geld und Ruhm zu verdienen war als mit Konzert­auf­tritten. Eine Erkenntnis, die für die Kompo­nisten beiderlei Geschlechts abgesehen von vergleichs­weise wenigen Ausnahmen bis heute gilt. Von ihr spielt das Duo die Drei Romanzen opus 22, in der ursprüng­lichen Fassung für Klavier und Geige kompo­niert und dem Geiger Joseph Joachim gewidmet, mit dem Schumann sie später auch gemeinsam einige Male aufführte. Inzwi­schen sind die Romanzen auch für Bratsche und Cello adaptiert, wobei der Klavierpart unver­ändert bleibt und die Streich­in­stru­mente adaptiert werden. Das klingt, wie Morelló zeigt, für das Cello ganz wunderbar. Schon bei den ersten drei Stücken des Abends fällt auf, wie sehr die beiden Musiker zu einer Einheit verschmelzen.

Mit dem nächsten Stück wird es noch deutlicher. Elisenda Fabregas ist Kompo­nistin und Pianistin. Für ihren Landsmann Morelló und seine Klavier­part­nerin Khomichko hat sie Uphill (from Clara to Robert) geschrieben. Das Werk klingt so, als habe Fabrega die Romantik in die heutige Zeit verlegt, und fügt sich damit wunderbar in das Gesamt­pro­gramm ein. Mit den Drei Fanta­sie­stücken opus 73 von Robert Schumann schließt sich der Kreis um Robert und Clara. Einmal mehr darf man hier den feder­leichten Anschlag und die perlenden Läufe Khomichkos genießen. Oft gehört, gewinnen die beiden der Musik noch einmal einen ganz neuen Reiz ab.

Foto © Joschua Voßhenrich

Der dritte im Bunde, der erst später zum Ehepaar Schumann stößt, ist Johannes Brahms. Nur wenige Meter vom heutigen Konzertsaal, das Gebäude war zu der Zeit das Wohnhaus von Freiherr Phillip von Lezaack und seiner Ehefrau Constanze, wurde der junge Brahms beim Düssel­dorfer General­mu­sik­di­rektor Schumann vorstellig, lernte so Clara kennen, der Rest ist Geschichte, deren letzte Geheim­nisse unent­deckt bleiben werden. Von Brahms bringt das Duo die Sonate Nr. 2 F‑Dur für Violon­cello und Klavier opus 99 zu Gehör. Wie entfesselt klingt das, kommt es doch dem Tempe­rament des Cellisten entgegen. Robert Hausmann, einer der berühm­testen Cellisten seiner Zeit, liebte den kräftigen Strich – und das ist in der Sonate, die Brahms ihm gewidmet hat, auch zu hören. Beide Musiker sind souverän genug, es nicht beim bloßen Nachspiel der Partitur zu belassen, sondern eigene Akzente zu setzen.

Morelló lebt die Musik förmlich aus, der Körper ist ständig in Bewegung, die Emotion ihm ins Gesicht geschrieben, während Khomichko die Stimmung mit Eleganz und Effet unter­streicht. Überzeugend schmiegen die beiden die Klänge ihrer Instru­mente inein­ander, lassen den kraft­vollen Auftakt dialo­gisch im zweiten Satz weiter­laufen, um im dritten Satz gar eine nahezu unheim­liche Stimmung herauf­zu­be­schwören. Da ist der Finalsatz geradezu Erholung und verdienter Ausklang. Eine mitrei­ßende Inter­pre­tation, die die Meister­schaft der beiden Musiker noch einmal hervorkehrt.

Das Publikum ist begeistert, ja, hinge­rissen. Geschickt wählt Morelló für die Zugabe Stilbruch und Zeiten­sprung, wenn die beiden das Werk Milontan des berühm­testen aller Tango-Cellisten, José Bragato, zum Besten geben. Da dürfen die beiden nicht nur ihre Vielsei­tigkeit im Reper­toire zeigen, sondern auch noch eine ganz andere Klangwelt hinzu­fügen. Um das Publikum schließlich nach knapp zwei Stunden schwel­ge­risch mit dem Liebes­traum von Franz Liszt zu entlassen. Noch am Kassen­au­to­maten des Parkhauses schwärmen die Besucher lautstark von diesem ganz beson­deren Abend.

Damit hat das Schumannfest eine Visiten­karte abgegeben, mit der es Lust macht, sich das übrige Angebot einmal näher anzuschauen. Am 13. Juni führen die beiden das Konzert noch einmal im Beethoven-Haus in Bonn auf. Dann hat Khomichko bereits die Aufnahmen für ihr neues Album abgeschlossen. Mit Sicherheit auch ein großes Erlebnis wird der Auftritt von Roger Morelló Ros gemeinsam mit der Pianistin Vittoria Quartararo beim Klavier­fes­tival Ruhr am 25. Juni in der Philhar­monie Duisburg werden.

Michael S. Zerban

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