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Foto © O-Ton

Mariengruß zum Einstand

CUM MARIA PER SAECULA
(Diverse Komponisten)

Besuch am
4. Mai 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Düssel­dorfer Marienchor in St. Mariä Empfängnis, Düsseldorf

Studiert hat er in Essen, Köln und New York. Seither ist er als Bass-Bariton auf Opern­bühnen unterwegs, entwi­ckelt eigene Programme für Lieder­abende und hat sich längst als Solist in der Kirchen­musik einen Namen gemacht. Als sei das nicht genug, arbeitet er als Stimm­bildner für Chöre und als Lehrer. Seit einem Jahr ist Rolf A. Scheider zudem Leiter des Düssel­dorfer Marien­chors. Als solcher gibt er heute Abend sein erstes Konzert. Und da soll es schon etwas Beson­deres sein.

Wenn der Düssel­dorfer Marienchor in St. Mariä Empfängnis auftritt, einer römisch-katho­li­schen Kirche aus dem Jahr 1896 an der Oststraße in der Düssel­dorfer Stadt­mitte, bietet sich ein Programm an, das sich mit Maria beschäftigt. Unter dem Titel Cum Maria per Saecula – Mit Maria durch die Jahrhun­derte – hat der Chor Musik zur Marien­ver­ehrung zusam­men­ge­stellt. Auf die Frage, wie viele Ave Maria es gibt, werden sehr viele Menschen wohl sinngemäß antworten: Na, eins, das von Franz Schubert, das „die Callas“ so toll gesungen hat. Ein paar ganz Bewan­derte werden vermutlich noch darauf tippen, dass es so was bestimmt auch von Johann Sebastian Bach gibt. Liegt man ja nie falsch. Der Chor wird heute Abend 20 Versionen vorstellen, die von Schubert und Bach hat er weggelassen.

Alexander Pankov – Foto © O‑Ton

Den Anfang macht die Choral­schola, eine sechs­köpfige Gruppe, die sich auf grego­ria­nische Gesänge spezia­li­siert hat. Erst dann tritt Scheider ans Pult, um den 24-köpfigen Chor durch Stücke aus dem 15. bis 19. Jahrhundert zu geleiten. Freu dich, du Himmels­kö­nigin stammt von Konstanz, Jacques Arcadekt hat im 16. Jahrhundert ein Ave Maria vertont, Friedrich von Spee verfasste O Königin, mildreiche Frau 1621 zu Köln und aus dem 19. Jahrhundert gibt es ein Sancta Maria von Johannes Schweitzer. Begleitet wird der Chor nicht etwa von der Orgel oder einem Kammer­or­chester, sondern von einem Bajan. Das Bajan ist eine Spielart des Akkor­deons, die Alexander Pankov perfekt beherrscht, mit dem Scheider bereits seit langer Zeit immer wieder zusam­men­ar­beitet. Pankov, der in Nowosi­birsk und Köln studierte, liebt sein Instrument vor allem wegen seiner Klang­vielfalt, die nach Meinung vieler ein ganzes Orchester ersetzen kann. Damit eignet es sich hervor­ragend sowohl als Begleit- als auch als Solo-Instrument. Das stellt der Musiker mit einer Pastorale von Arcangelo Corelli unter Beweis. Nach einem weiteren grego­ria­ni­schen Gesang der Choral­schola unter Leitung des Chorvor­standes Franz-Josef Behrens kommt endlich auch der zweite Gast des Chores zu seinem Auftritt.

Die Sopra­nistin Julia Borchert kennt Scheider aus dem gemein­samen Gesangs­studium an der Folkwang-Univer­sität Essen. Und so kommt es zur vergleichs­weise luxuriösen Besetzung, wenn Borchert jetzt in Bajan-Begleitung das Ave Maria von Giulio Caccini aus dem 16. Jahrhundert vorträgt. So schön die Idee ist, das Publikum, das die Kirche zwar nicht überlaufen hat, aber sie sehr gut besucht, zu bitten, erst nach diesem ersten Block zu applau­dieren, so unglücklich ist der Effekt, der sich daraus ergibt. Entsteht doch nun der Eindruck, als spendeten die Besucher nur den Solisten den Beifall. Insofern ist verständlich, dass das Publikum sich in den beiden nächsten Blöcken nicht mehr sklavisch an die Bitte hält.

Rolf A. Scheider – Foto © O‑Ton

Im zweiten Block hat zunächst der Chor das Wort, wenn er mit Charles Gounods Sub tuum praesidium und Ave Maria sowie dem Ave Maria von Ignaz Reimann einen Ausflug ins 19. Jahrhundert unter­nimmt. Auch wenn Scheider noch ein wenig die Souve­rä­nität im Dirigat abgeht, wird doch deutlich, dass die Chemie zwischen dem Chor und seinem neuen Leiter stimmt. Mit seinem Solo-Vortrag von Astor Piazzollas Widmung an die Freunde setzt Pankov einen weiteren Glanz­punkt des Abends. Borchert beschließt den zweiten Abschnitt mit Pietro Mascagnis Ave Maria.

Für den dritten Teil hat der Chor sich noch einige Überra­schungen aufge­hoben. Gut, die Volks­weise Wenn ich ein Glöcklein wär‘ nimmt man so mit. Aber ein Ave Maria im typischen Klang von Carl Orff zu hören ist schon eher ungewöhnlich. Ebenfalls einen typischen Klang meint man bei Edgar Elgars Ave Maria zu vernehmen, was in dem Fall eher kein Kompliment, aber nicht in der einwand­freien Leistung des Chors begründet ist. In Chorkreisen erfreut sich die nächste Version durchaus allge­meiner Beliebtheit, auch wenn der Name des Kompo­nisten immer noch Erstaunen auslöst. Es handelt sich um den Schrift­steller Karl May, der auch als Chorleiter und Komponist arbeitete. Borchert gelingt es mit Unter­stützung von Pankov, dem Ave Maria von Giuseppe Verdi die Italianità zu entlocken, die es braucht. Und der Bajan-Spieler kann anschließend mit der Instru­mental-Version von Astor Piazzolla Begeis­terung entfachen. Gaetano Donizetti schließlich bringt Sopran, Bajan und Chor zusammen und sorgt so für einen wunder­baren Schluss.

Nach einer Zugabe ist klar, dass Scheider die Feuer­taufe glänzend bestanden hat. Das bescheinigt ihm auch der langan­hal­tende Applaus, zu dem sich viele Besucher erheben. Nun warten die beiden Aufgaben auf ihn, mit denen nahezu jeder Chorleiter zu kämpfen hat. Er muss den Chor auf größere Aufgaben vorbe­reiten – und ihn verjüngen. Mit dem heutigen Programm hat er schon mal Einfalls­reichtum bewiesen. Eine gute Voraussetzung.

Michael S. Zerban

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