O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Am Erfolg erstickt

DELUXE
(Kathrin Spaniol, Morgan Nardi, Marcus Grolle)

Besuch am
16. Mai 2018
(Urauf­führung)

 

Spaniol, Nardi und Grolle im Kunstraum Düsseldorf

Success is beautiful! Und weil der Erfolg­reiche sich gern abgrenzt, versucht er sich im Engli­schen. Das gilt nicht nur für Wirtschafts­ka­pitäne, sondern auch für Sekre­tä­rinnen, die sich heute Back Office Manager nennen. Und gilt leider auch für fanta­sielose Tänzer, die sich an den mainstream hängen und es Perfor­mance nennen, wenn sie Genre-Grenzen sprengen. Schlimmer noch werden Akteure auf der Bühne zu „Performern“. Damit ist der studierte Tänzer genauso gemeint wie der Statist. Verfla­chung und Erfolg scheinen immer näher zusam­men­zu­wachsen. Dass diese Nivel­lierung – eben auch in der Sprache – zu einem Orien­tie­rungs­problem wird, geht scheinbar im Glamour unter.

Kathrin Spaniol, Morgan Nardi und Marcus Grolle haben sich des Themas angenommen. Mit Deluxe stellen die drei Choreo­grafen ihre Ideen zum Thema Erfolg vor. Sie haben zwei, ja, was, Performer jeweils mit ihren Inspi­ra­tionen vollge­pumpt und daraus einen gemein­samen Abend entstehen lassen. Für ihre Perfor­mance haben sie nicht etwa einen art room, sondern den Kunstraum im Düssel­dorfer Stadtteil Bilk ausge­wählt. Und das ist geschickt. Der Galerie-Raum bietet nicht nur Platz, sondern auch eine ausrei­chend hallige Akustik. Die Wände geweißt, ein paar Säulen, viel Fläche. Im Mittelbau sind die Stühle aufge­stellt, davor am rechten Rand eine DJ-Station, links neben den Stühlen, annähernd unsichtbar, die Technik. Überflüssig beginnt die Handlung hinter den Stuhl­reihen. Die Verun­si­cherung des Publikums sorgt für geschärfte Aufmerk­samkeit, aber auch für Ärgernis. Hier hält sich der Ärger in Grenzen. Einen Gewinn bringt der Ortswechsel nicht. Eher zusätz­lichen Aufwand für den Beleuchter. Tobias Heide hat sich für die Aufführung viel Licht bei vergleichs­weise wenig Aufwand einfallen lassen. Mit ein paar einzelnen Schein­werfern und Licht­leisten bringt er eine spannende Wechsel­wirkung zustande. Sergio Abajur eröffnet den Kostümreigen mit einem Anzug­träger und zwei Paradies­vögeln, die mit Boas und knapper Bekleidung auf den Abend einstimmen. Damit schafft er eine Stimmung, die vielver­spre­chend ist, aber nicht über den Abend trägt. Ansonsten gibt es heutige Alltags­kleidung, wenn Abajur nicht gleich ganz darauf verzichtet.

POINTS OF HONOR

Musik
Perfor­mance
Choreo­grafie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Die drei Choreo­grafen haben sich darauf verständigt, sich nicht auf eine Einheit einzu­lassen. Und so sind Stilbrüche program­miert. Hier geht es nicht um die eine Facette des Erfolgs, vielmehr wechseln die Ansichten von Szene zu Szene. Das Publikum muss sich zwischen bildhafter Erzählung, Abstraktion und Satire bewegen. Das ist, wenn man von einigen Längen absieht, aufregend und ermutigt zum Nachdenken. Wer aller­dings Tanz erwartet, wird eher enttäuscht. Es ist eben eine Perfor­mance, die Tanz nur am Rande erwähnt. Und die ist stark vom Physical Theatre geprägt, schließt also gekonnt Bewegung, Sprache, Pantomime und Spiel ein. Es geht um Selbst­op­ti­mierung, Selbst­dar­stellung, oberfläch­liche Freund­lichkeit bis hin zur Selbst­aus­beutung und deren Folgen. Immer wieder wechseln die Seiten, werden auch die gezeigt, die am Erfolg der anderen nur als Publikum teilhaben dürfen.

Foto © Das mecha­nische Auge

Dazu treten zwischen­zeitlich zehn Performer, schließlich auch die Choreo­grafen mit auf die Bühne. Im Mittel­punkt bleiben aber Saskia Rudat und Constantin Hochkeppel. Die agieren mit größt­mög­licher Inten­sität, nähern sich immer wieder einander an, ohne wirklich zuein­an­der­zu­finden. Erfolg macht einsam. Wo Hochkeppel mit einem mitunter tuntig angehauchten Auftritt auf Stilettos für Spaß sorgt, beein­druckt Rudat durch Ernst­haf­tigkeit. Fragt man bei dieser Produktion nach der besten Leistung der Choreo­grafen, dann war das sicher die Auswahl der beiden Akteure. Und das bei einer durchweg starken Insze­nierung, die die Spannung über 70 Minuten weitgehend auf hohem Niveau hält. Ob die letzten zehn Minuten noch notwendig sind, kann man diskutieren.

Für die musika­lische Unter­malung sorgt Kurt Dahlke unter dem Spitz­namen Pyrolator. Seine Spezia­lität sind Instru­mente, bei denen die Steuerung der Musik durch die Bewegung oder Druck­ver­än­derung der Hände erfolgt. Das ist technisch inter­essant, setzt sicher eine hohe Profes­sio­na­lität auch im Umgang mit Computern voraus, erbringt aber im Ergebnis nicht viel mehr als eine saubere Unter­malung des Bühnen­ge­schehens. Und selbst da hätte man sich mehr und ein klareres Statement gewünscht.

Aber auch das recht­fertigt kaum den eher spärlichen Applaus im bis auf den letzten Stuhl besetzten Saal. Vielleicht zu verwirrend die gezeigten Wider­sprüche, mögli­cher­weise lähmt die hohe Inten­sität die sofortige Begeis­terung. So geht ein nachdenklich stimmender, aber höchst ungewöhn­licher Abend zu Ende, der absolut sehenswert ist.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: