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DELUXE
(Kathrin Spaniol, Morgan Nardi, Marcus Grolle)
Besuch am
16. Mai 2018
(Uraufführung)
Success is beautiful! Und weil der Erfolgreiche sich gern abgrenzt, versucht er sich im Englischen. Das gilt nicht nur für Wirtschaftskapitäne, sondern auch für Sekretärinnen, die sich heute Back Office Manager nennen. Und gilt leider auch für fantasielose Tänzer, die sich an den mainstream hängen und es Performance nennen, wenn sie Genre-Grenzen sprengen. Schlimmer noch werden Akteure auf der Bühne zu „Performern“. Damit ist der studierte Tänzer genauso gemeint wie der Statist. Verflachung und Erfolg scheinen immer näher zusammenzuwachsen. Dass diese Nivellierung – eben auch in der Sprache – zu einem Orientierungsproblem wird, geht scheinbar im Glamour unter.
Kathrin Spaniol, Morgan Nardi und Marcus Grolle haben sich des Themas angenommen. Mit Deluxe stellen die drei Choreografen ihre Ideen zum Thema Erfolg vor. Sie haben zwei, ja, was, Performer jeweils mit ihren Inspirationen vollgepumpt und daraus einen gemeinsamen Abend entstehen lassen. Für ihre Performance haben sie nicht etwa einen art room, sondern den Kunstraum im Düsseldorfer Stadtteil Bilk ausgewählt. Und das ist geschickt. Der Galerie-Raum bietet nicht nur Platz, sondern auch eine ausreichend hallige Akustik. Die Wände geweißt, ein paar Säulen, viel Fläche. Im Mittelbau sind die Stühle aufgestellt, davor am rechten Rand eine DJ-Station, links neben den Stühlen, annähernd unsichtbar, die Technik. Überflüssig beginnt die Handlung hinter den Stuhlreihen. Die Verunsicherung des Publikums sorgt für geschärfte Aufmerksamkeit, aber auch für Ärgernis. Hier hält sich der Ärger in Grenzen. Einen Gewinn bringt der Ortswechsel nicht. Eher zusätzlichen Aufwand für den Beleuchter. Tobias Heide hat sich für die Aufführung viel Licht bei vergleichsweise wenig Aufwand einfallen lassen. Mit ein paar einzelnen Scheinwerfern und Lichtleisten bringt er eine spannende Wechselwirkung zustande. Sergio Abajur eröffnet den Kostümreigen mit einem Anzugträger und zwei Paradiesvögeln, die mit Boas und knapper Bekleidung auf den Abend einstimmen. Damit schafft er eine Stimmung, die vielversprechend ist, aber nicht über den Abend trägt. Ansonsten gibt es heutige Alltagskleidung, wenn Abajur nicht gleich ganz darauf verzichtet.
| Musik | ![]() |
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| Choreografie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Die drei Choreografen haben sich darauf verständigt, sich nicht auf eine Einheit einzulassen. Und so sind Stilbrüche programmiert. Hier geht es nicht um die eine Facette des Erfolgs, vielmehr wechseln die Ansichten von Szene zu Szene. Das Publikum muss sich zwischen bildhafter Erzählung, Abstraktion und Satire bewegen. Das ist, wenn man von einigen Längen absieht, aufregend und ermutigt zum Nachdenken. Wer allerdings Tanz erwartet, wird eher enttäuscht. Es ist eben eine Performance, die Tanz nur am Rande erwähnt. Und die ist stark vom Physical Theatre geprägt, schließt also gekonnt Bewegung, Sprache, Pantomime und Spiel ein. Es geht um Selbstoptimierung, Selbstdarstellung, oberflächliche Freundlichkeit bis hin zur Selbstausbeutung und deren Folgen. Immer wieder wechseln die Seiten, werden auch die gezeigt, die am Erfolg der anderen nur als Publikum teilhaben dürfen.

Dazu treten zwischenzeitlich zehn Performer, schließlich auch die Choreografen mit auf die Bühne. Im Mittelpunkt bleiben aber Saskia Rudat und Constantin Hochkeppel. Die agieren mit größtmöglicher Intensität, nähern sich immer wieder einander an, ohne wirklich zueinanderzufinden. Erfolg macht einsam. Wo Hochkeppel mit einem mitunter tuntig angehauchten Auftritt auf Stilettos für Spaß sorgt, beeindruckt Rudat durch Ernsthaftigkeit. Fragt man bei dieser Produktion nach der besten Leistung der Choreografen, dann war das sicher die Auswahl der beiden Akteure. Und das bei einer durchweg starken Inszenierung, die die Spannung über 70 Minuten weitgehend auf hohem Niveau hält. Ob die letzten zehn Minuten noch notwendig sind, kann man diskutieren.
Für die musikalische Untermalung sorgt Kurt Dahlke unter dem Spitznamen Pyrolator. Seine Spezialität sind Instrumente, bei denen die Steuerung der Musik durch die Bewegung oder Druckveränderung der Hände erfolgt. Das ist technisch interessant, setzt sicher eine hohe Professionalität auch im Umgang mit Computern voraus, erbringt aber im Ergebnis nicht viel mehr als eine saubere Untermalung des Bühnengeschehens. Und selbst da hätte man sich mehr und ein klareres Statement gewünscht.
Aber auch das rechtfertigt kaum den eher spärlichen Applaus im bis auf den letzten Stuhl besetzten Saal. Vielleicht zu verwirrend die gezeigten Widersprüche, möglicherweise lähmt die hohe Intensität die sofortige Begeisterung. So geht ein nachdenklich stimmender, aber höchst ungewöhnlicher Abend zu Ende, der absolut sehenswert ist.
Michael S. Zerban