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DON GIOVANNI
(Wolfgang Amadeus Mozart)
Besuch am
21. Dezember 2018
(Premiere am 22. Juni 2012)
Die Deutsche Oper am Rhein pflegt ein beachtliches Repertoire an Opern. Doch was für jeden guten Haushalt gilt, sollte sich auch der Opernbetrieb zu Herzen nehmen. Ausmisten ist sinnvoll. Seit 2012 ist Karoline Grubers Inszenierung von Don Giovanni am Rhein zu sehen. Es mag vielleicht auch an der Wiedereinstudierung von Esther Marthel liegen, oder daran, dass alle Beteiligten schon gedanklich in den Weihnachtsferien sind, aber insgesamt kommt das Gefühl auf, dass diese Repertoirearbeit ihren Zenit schon überschritten hat. Der Grundgedanke ist ja recht passend. Wie beim Musical The Rocky Horror Picture Show sucht ein junges Paar – Zerlina und Masetto – während eines Unwetters Schutz in einem Schloss. Hier trägt allerdings niemand Strapse, nur Donna Elvira darf ihre halterlosen Strümpfe keck und auffallend oft zeigen. Muss auch nicht immer Sinn machen. Mechthild Seipels Kostüme sind bei Damen durchweg schön, bei den Herren eher fade.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Während Leporello das junge Paar recht unhöflich bedient, sieht man im Hintergrund von Roy Spahns verschachteltem Bühnenbild, wie Don Giovanni von einem Zimmer ins andere eilt. Soll wohl Verführung darstellen, wirkt aber wie der Klempner, der jedes Badezimmer kurz begutachtet und dann weiter eilt. So maschinell die Verführung hier dargestellt wird, so wird mit der gleichen Routine auch die ganze Aufführung abgefertigt. Man bemüht sich von Szene zu Szene. Das gibt einer Inszenierung, die sich ideenreich gibt, aber vor allem viele Fragezeichen hinterlässt, den Todesstoß. Zerlina und Masetto dürfen übrigens Zeugen sein, wie Don Giovanni den Komtur ersticht. Hätten sie ja Don Ottavio ein bisschen schneller sagen können, dann wäre der Abend etwas früher zu Ende gewesen.

Andererseits hätte man so verpasst, wie die großartige Olesya Golovenva ihrem Verlobten Lügen auftischt. Anfangs wirkt die Sopranistin hektisch, ihre Stimme unruhig. Spätestens mit Don Ottavio, son morta findet sie ihre innere Ruhe wieder und ihre Stimme strahlt fortan nach außen wie ein Diamant. Auch die Arie im zweiten Akt gestaltet sie mit unglaublicher Sicherheit. An diese Leistung kommt nur Luiza Fatyol heran, die mit großem stimmlichem Aplomb die Donna Elvira ausstattet. Dass an nächster Stelle schon der bedrohliche Komtur von Sami Luttinen genannt werden muss, spricht nicht für den Rest der Besetzung. Zwei Sänger möchte man ein bisschen von der Kritik ausnehmen, weil sie wohl recht kurzfristig in den Abend eingebunden wurden. Trotzdem kommt man nicht umhin zu sagen, dass Joshua Owen Mills als Don Ottavio mit einem schönen Material aufwarten kann, aber leider nicht mit raumgreifender Stimme oder technischer Sicherheit. Laimonas Pautienius hingegen hat natürlich die virile Energie eines Don Giovanni, sowohl in seinem Bariton als auch in seinen sportlichen Einlagen. Dennoch schafft er es an diesem Abend nicht, dieser Figur den Grad an Überzeugungskraft zu geben, die ein Don Giovanni letztendlich braucht.
Elena Sancho-Pereg gibt der Zerlina immerhin sehr schöne Phrasen, kann aber der Figur kaum nennenswerte Facetten, Ecken oder Kanten verleihen. Benjamin Pop bleibt als Masetto blass. Noch schlimmer steht es um Torben Jürgens als Leporello, der zwar durchweg engagiert spielt, aber nur verständlich ist, wenn er recht nahe am Orchestergraben positioniert ist.
An den Düsseldorfer Symphonikern unter der Leitung von Antonio Fogliani kann das kaum liegen. Sie spielen recht sängerfreundlich, allerdings traut man auch den Instrumenten viel mehr Feuer zu, als sie an diesem Abend wirklich entfachen. Dazu kommen viele Unsauberkeiten und noch mehr Wackler. Der Dirigent gibt es irgendwann auf, alle Fehleinsätze zu korrigieren und einzufangen.
Der Abend endet mit einem gelangweilt-höflichen Applaus des Publikums, das schnell durchblicken lässt, dass es Zeit ist, nach Hause zu gehen. Für die Deutsche Oper am Rhein wird es nun Zeit, diesen Don Giovanni endgültig in der Hölle zu lassen.
Christoph Broermann