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Die Mischung macht’s

ECHO & MOTION
(Diverse Künstler)

Besuch am
30. Mai 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Freibad, Düsseldorf

An diesem Wochenende findet nach 2023 zum zweiten Mal das Festival Worringer Weekender rund um den Worringer Platz in Düsseldorf statt. „DJ Sets, Comedy, Ausstel­lungen, Bands, Talks, Billard, Lesungen und natürlich Good Vibes“ soll es vom 30. Mai bis zum 1. Juni geben, immer in der Hoffnung, dass sich die Kultur dieses Platzes und seiner Umgebung ermäch­tigen möge. Trotz des um den inzwi­schen neuge­stal­teten Platz brandenden Verkehrs breitet sich so etwas wie ein Wochenend-Idyll aus. Bei angenehmer Zimmer­tem­pe­ratur sind die neuen Bänke allesamt besetzt, ein paar Schein­werfer beleuchten die Bäume von unten. Nur das Freibad wirkt wie ausge­storben. Der neue Kulturraum am Worringer Platz 8 hat an diesem Abend – unabhängig vom gerade begin­nenden Festival – zu einer Aufführung einge­laden, aber nichts deutet von außen darauf hin. Dabei hat Opern­sänger Thomas Huy, der sich im Auftrag Marco Fulignis um die Belebung der Spiel­stätte kümmern soll, für heute Abend ein aus seiner Sicht zukunft­wei­sendes Programm auf die Beine gestellt. Denn das ist die neue Stoßrichtung: Eine Kombi­nation von verschie­denen kürzeren Stücken, ausdrücklich auch mit der Möglichkeit, Neues auszu­pro­bieren. Und ein Stück weit Option für Künstler verschie­dener Genres, sich kennen­zu­lernen und vielleicht gemeinsame Anknüp­fungs­punkte zu finden.

Foto © Michael Zerban

Wohl Dank des Festivals drängt sich alsbald das Publikum vor dem Laden, wird von Huy selbst herein­ge­beten. Schnell reichen die Sitzge­le­gen­heiten nicht mehr aus. Das ist den Besuchern reichlich egal. Sie lehnen an den Fenster­bänken, hocken sich auf den Boden. Dabei sein ist alles. Was wohl die wenigsten wissen: Noch immer ist es nicht die offizielle Eröffnung, die ist für den 11. Juli vorge­sehen, aber immerhin taucht der Name Freibad nun schon mal als Veran­stal­tungsort auf dem Plakat auf. Aus der Zuschau­er­menge löst sich Huy, der den Abend mit der Arie What power art thou des Cold Genius aus der Oper King Arthur von Henry Purcell aus dem Jahr 1691 eröffnet, begleitet von Vlad Solodov­nikov am elektri­schen Klavier. Später werden die beiden noch Hush no more von Purcell und Ombra mai fu – nie war ein Schatten – Huys Lieblingsarie aus Georg Friedrich Händels Oper Xerxes, inter­pre­tieren.

Einen work in progress zeigen der Choreograf Daniel Smith und seine Partnerin Anke Plaßmann zur Musik The Garden von Einstür­zende Neubauten. Plaßmann sitzt vor einem Haufen Luftballons und singt, dass du, wenn du mich willst, im Garten finden wirst. Derweil bläst sie weiter Luftballons auf, ehe sie zum Wandschrank geht. Dort holt sie Kleider oder Kostüme heraus. Als sie eine weitere Tür öffnet, hängt dort Smith an einem Kleider­bügel. Sie holt ihn heraus und bringt ihn auf die Tanzfläche. Smith nutzt den Bühnenraum wie das Podest, das am Ende des Raums aufgebaut ist. Abschließend kriecht er in den Luftballon-Haufen, wo ihn Plaßmann wieder ausgräbt und mit einem Luftballon krönt. Eine witzige Liebes­ge­schichte, die dem Publikum auch deshalb gut gefällt, weil die beiden die Luftballons anschließend an die Besucher verschenken.

Von einer ganz neuen Seite zeigt sich Tänzerin Alice Hunter, die man aus den Auffüh­rungen des Ensembles Pascal Touzeau & Co. nur mit ernster, unbeweg­licher Miene kennt. Jetzt darf sie ein Solo zu Conti­nental Céilidh von Christy Moore aufführen. In dem Lied aus dem Jahr 2002 wird humorvoll der typische Abend in einer Musikbar beschrieben. Die Céilí-Tänze sind tradi­tio­nelle irische Tänze, die vom Rhythmus am ehesten an einem Quickstep erinnern. Da darf Hunter das Tanzbein schwingen und sich mehr als ein verschmitztes Lächeln erlauben. Eine köstliche Darbietung, das Publikum ist entzückt. Mit der Etüde Nummer 5 von Philip Glass schafft Solodov­nikov ein wunder­bares Gegen­stück minima­lis­ti­scher Musik und einen passenden Übergang zum nächsten Tanzsolo.

Foto © Michael Zerban

Im eleganten, raffi­niert geschnei­derten, weißen Kostüm zeigt Caroline Powell, ebenfalls aus der Compagnie Touzeau bekannt, ihr Solo zu einer Impro­vi­sation, die Darié Wender auf dem Klavier vorträgt. Ihr Tanz begeistert das Publikum, auch wenn in der Choreo­grafie sicher noch ein wenig Luft nach oben ist. Soya Arakawa gelingt es, einen kräftigen Kontra­punkt zu setzen. Der Maler und Skulpteur ist im japani­schen Hamamatsu geboren, hat am Kanazawa College of Art seinen Bachelor absol­viert, um anschließend an der Düssel­dorfer Kunst­aka­demie zu studieren. Heute lebt und arbeitet er in Krefeld. Heute Abend faszi­niert er mit einem Ausflug in die japanische Musik, indem er auf dem Sanshin impro­vi­siert und das mit einem gesang­lichen Teil kombi­niert. Das Sanshin ist ein Musik­in­strument aus der Ryūkyū-Dynastie und Vorläufer des japani­schen Shamisen. Es wird oft mit einem Banjo verglichen und besteht aus einem mit Schlan­genhaut überzo­genen Korpus, einem Hals und drei Saiten. Gesang und Spiel klingen für das europäische Ohr ungewohnt, was die Besucher nicht im Geringsten stört.

Das Finale bestreitet schließlich die Compagnie Pascal Touzeau & Co. mit der Choreo­grafie Synergies von Touzeau. Dazu gesellt sich Valeria di Mauro zu Hunter und Powell, um zur elektro­ni­schen Musik Frantumi di luce von Grand River und Abul Mogard verschiedene Pas de deux zu zeigen, ehe sie sich zu dritt zusam­men­schließen und zu einem kraft­vollen Schluss finden.

Damit kommt ein überaus gelun­gener Abend unter langan­hal­tendem Applaus zu einem – vorläu­figen – Ende. Dieser erste genre­über­grei­fende Abend zeigt das Potenzial nicht nur der Spiel­stätte, sondern vor allem auch des Konzepts, das Huy entwi­ckelt hat. Auch wenn man mit einem solchen Besucher­an­drang ohne das Festival vermutlich nicht rechnen kann, darf man sich schon jetzt auf Folge­ver­an­stal­tungen freuen. Jetzt aber nimmt erst mal das Festival Worringer Weekender von der Spiel­stätte Besitz. Nach einer Pause beginnt das erste Konzert zu Beginn einer langen Nacht.

Michael S. Zerban

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