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EIN ABEND ZWISCHEN ROMANTIK UND WIDERSTAND
(Vasyl Barvinsky, Robert Schumann, Borys Liatoshynsky)
Besuch am
5. Juni 2025
(Einmalige Aufführung)
Er sieht sich bewusst nicht als Konkurrenz zur Tonhalle oder anderen Konzertsälen der Stadt, sondern mit seiner Konzert-Lounge im C.-Bechstein-Centrum eher als Ergänzung im Konzertangebot der Landeshauptstadt Düsseldorf. Und so finden die Konzerte in der Adersstraße am Ende der Königsallee auch in der Regel nicht am Wochenende statt. Am Mittwoch oder Donnerstag gibt es Lücken, die Reza Indrakesuma nutzen will, um Menschen für die Klaviermusik zu begeistern. Etwa 60 Plätze hält der Leiter des Klaviergeschäfts mit seiner ganz besonderen Atmosphäre bereit, um mit ausgefallenen Angeboten zu locken. In den meisten Fällen überlässt er es dabei dem Publikum zu entscheiden, wie viel ihm der Eintritt wert ist. Und das ist auch heute Abend nicht anders.

Vor drei Jahren zog das Geschäft vom heute nicht mehr existierenden Einkaufspalast Stilwerk in einer Querstraße der Kö an das Ende des Prachtboulevards. In der Adersstraße geht es inzwischen sehr viel ruhiger zu. Und Indrakesuma bestand beim Umzug darauf, dass er einen Konzertbereich bekommt, der akustisch einwandfrei arbeitet. Akustiker und Tontechniker entwickelten eine Lösung, die mindestens für Klavierkonzerte optimal funktioniert. Davon will auch Violina Petrychenko profitieren, die das Phoenix-Streichquartett aus Lwiw zu einer kleinen Deutschland-Tournee eingeladen hat. Düsseldorf ist die fünfte Station, ehe es zum Abschluss nach Luxemburg geht. Das Phoenix-Streichquartett ist das Residenzensemble der Lemberger Nationalphilharmonie und wurde bereits 2006 gegründet. In der aktuellen Besetzung treten die Bratschistin Anna Bura, die beiden Geiger Mykola Havjuk und Petro Tytiajev sowie der Cellist Denys Lytvynenko an.
Das Programm, das die Musiker im Gepäck haben, weicht stark von dem ab, was man üblicherweise in Deutschland im Konzertsaal zu hören bekommt, denn Pianistin Petrychenko hat es sich zur Aufgabe gemacht, die ukrainische Musik auch jenseits der eigenen Landesgrenzen bekannter zu machen. Leicht wird es ihr nicht gemacht dabei. Denn weder bekommt sie Unterstützung seitens der ukrainischen Landesvertretungen in Deutschland noch zeigen sich die Deutschen, zumindest an diesem Donnerstag, besonders neugierig. Gerade mal etwas mehr als die Hälfte der Plätze sind besetzt. Aber davon lässt die Pianistin sich nicht entmutigen. Wie gewohnt, moderiert sie ihre Konzerte selbst, so dass das Publikum auch von den Lebensläufen der Komponisten und ihrer Bedeutung in der Heimat erfährt.

Das Klavierquintett in g‑Moll von Vasyl Barvinsky eröffnet den Abend. Das Quintett stammt aus dem Jahr 1912 und markiert den Beginn instrumentaler Kammermusik in der Ukraine. Als der Komponist der Spionage verdächtigt und in den Gulag geschickt wurde, verbrannten die sowjetischen Behörden seine Noten – einschließlich der Noten des Quintetts. Später schrieb Barvinsky es aus dem Gedächtnis neu auf. Das Werk besteht aus zwei Sätzen. Während die Streicher sich zunächst in einer volksliedartigen Melodie üben, entsteht mit dem Eintritt des Klaviers ein spannungsreiches Wechselspiel zwischen den eher poetischen Klängen der Streicher und raschen, perkussiven Klavierakkorden. Der zweite Satz weist die Besonderheit auf, dass das Klavier hier gar nicht erklingt. Vielmehr intonieren die Streichinstrumente ein Gebet. Und das so gut, dass Petrychenko davon überzeugt ist, jeder Ukrainer werde es als solches sofort erkennen.
1842 entstand das Klavierquintett Es-Dur, das mit der Ukraine eigentlich so gar nichts zu tun hat, aber trotzdem gut in den Abend passt, weil Robert Schumann damit das Klavierquintett in der deutschen Kammermusik etablierte. Bis heute gehört es zu Schumanns beliebtesten kammermusikalischen Werken und „genießt seit seiner Entstehung ungebrochene Popularität“, wie Irmgard Knechtges-Obrecht festhält.
Im letzten Teil des Abends stellen die fünf Musiker das Ukrainische Klavierquintett c‑Moll von Borys Liatoshynsky vor, das 1942 entstand. In vier Sätzen dürfen sich die ohnehin hochenergetisch aufspielenden Musiker noch einmal richtig austoben. So wunderbar das Ensemble spielt, zeigt es mit seiner Lautstärke die Grenzen des Saals auf. Nach zwei Stunden kommen die fünf mit der beschwingten Zugabe Im Volkston von Myroslav Skoryk zum glücklichen Ende. Ein großartiger Abend, der auch vom Publikum gefeiert wird.
Am 22. Juni um 17 Uhr lohnt der nächste Besuch im C.-Bechstein-Centrum. Dann spielen Dongni Cui und Daria Habrisch unter anderem vierhändig ein Programm mit Werken von Charles-Valentin Alkan, Gabriel Fauré und Wolfgang Amadeus Mozart.
Michael S. Zerban