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FEMALE VOICES
(Diverse Komponistinnen)
Besuch am
16. Februar 2025
(Einmalige Aufführung)
Die Regionalgruppe A46 der Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnenvereine, kurz GedoK A46, lädt zu einem Konzert in das BBK-Kunstforum im Düsseldorfer Stadtteil Bilk ein. Das sind Ausstellungsräume des Berufsverbandes Bildender Künstler, die unmittelbar neben der Sammlung Philara liegen. Dort ist noch bis zum 23. Februar die Ausstellung GedoK Die Neuen 2025 zu sehen. Das Konzert findet in diesem Rahmen statt.

Pia Marei Hauser erhielt ihre Ausbildung zur Flötistin in Essen, Münster, Strasbourg und Montpellier. Ihren Master in Konzertdramaturgie schloss sie mit Auszeichnung in Essen ab. Neben ihrer künstlerischen Arbeit unterrichtet sie Musikvermittlung an den Hochschulen in Münster und Osnabrück und gibt Workshops für Neue Musik und Improvisation. Der Gegenwartsmusik gehört auch in der künstlerischen Praxis ihre große Liebe. Und so ist keine große Überraschung, dass ihr Programm Female Voices sich überwiegend mit den Arbeiten lebender Komponistinnen beschäftigt.
Wer sein Instrument in den Dienst moderner Musik stellt, lernt schnell, dass Virtuosität im Spiel nicht ausreicht. Das erfährt auch der Besucher an diesem Nachmittag. Younghi Pagh-Paan wurde 1945 in Südkorea geboren. Nach ihrem Studium von Komposition und Musikwissenschaft in Seoul kam sie 1974 nach Deutschland und beendete in Freiburg ihr Kompositionsstudium. International bekannt wurde sie mit der Aufführung ihres Orchesterwerks Sori bei den Donaueschinger Musiktagen 1980. Heute lebt sie in Bremen und Panicale. Hauser trägt ihr Werk Rast in einem alten Kloster aus dem Jahr 1994 auf der Bassflöte vor. Statt üppiger Tonfolgen ist hier viel Atem zu hören, der durch die Flöte fließt und meditative Atmosphäre erzeugt. Es geht nicht mehr um die Melodie, sondern um das Gefühl und die Beherrschung des Instruments. Das kann man steigern.
Auf der Querflöte bringt Hauser das zweite Flötenstück der finnischen Komponistin Kaija Saariaho zu Gehör, Laconisme de l’aile, der Lakonismus des Flügels. Die wurde 1952 in Helsinki geboren und starb 2023 in Paris. Inspiriert von einem Text des französischen Dichters Saint-Jean Perse, „bringt die Komponistin auf berührende die Flüchtigkeit des menschlichen Lebens zum Ausdruck, vergänglich, so wie der Flügelschlag eines Vogels“. Und wirklich darf der Hörer hier in den Lüften schweben, sich den Vögeln anschließen und ihren Flügelschlag spüren. Eine großartige Interpretation.

Das Stück Posht-e-Hichestan verfasste Farzia Fallah 2015 auf Basis von Textfragmenten des persischen Dichters Sohrab Sepehri und schrieb jetzt eine neue Version für Bassflöte, die Hauser erstmalig vorstellt. Lucid heißt das Stück von Feliz Anne Reyes Macahis, das vor zwei Jahren entstand. Es basiert auf einem Gedicht der Komponistin „über das Fallen von Schnee, dessen Fragilität einem Blick in einen zerbrochenen Spiegel gleicht“. Dazu muss Hauser in die Flöte sprechen und singen. Die Altflöte benötigt sie, um das Stück Dirt von Cinzia Nistico aufzuführen, das ebenfalls vor zwei Jahren entstand und nun erstmals live erklingt. Nistico wurde 1978 in Mailand geboren, studierte dort und in London Komposition. Heute lebt sie in Amsterdam. Ihr Werk verlangt von der Flötistin „schmutzige, wilde, archaische Klänge“, Gesang und Schreien. Die Perfektion, die die Musikerin zeigt, ist bewundernswert. Mit Jieun Juns Arbeit Keks, ebenfalls 2023 entstanden, schließt der Vortrag nach eineinviertel Stunden, in denen Hauser sich die Zeit nimmt, die Stücke anzumoderieren. Daran hat sie Spaß. Vor allem, wenn sie berichtet, dass die 1988 in Seoul geborene Jun, die heute in Köln lebt, ihr mit Keks ein biografisches Stück auf den Leib geschrieben habe. Da mag man nur hoffen, dass die schon fast manisch klingenden Phasen eher der kompositorischen Fantasie als dem richtigen Leben entsprungen sind. Der Abschluss-Scherz jedenfalls gelingt.
Möchte man ein Fazit des Nachmittags versuchen, reift wohl die Erkenntnis, dass die Komponistinnen der Gegenwart sich mehr mit den Möglichkeiten rund um das gewählte Instrument als mit Musik befassen. Nur wenig Melodisches ist da zu hören, stattdessen gelingt es Hauser immer wieder brillant, Klangbilder zu malen. Feliz Anne Reyes Macahis und Jieun Jun, die zur Aufführung erschienen sind, gefallen die Interpretationen ihrer Werke ausnehmend gut. Und auch der Rest des kleinen Publikums spart nicht mit Applaus.
Michael S. Zerban