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DE LA CONCEPCIÓN
(María Morena)
Besuch am
18. April 2019
(Deutsche Erstaufführung)
20 Uhr. Eigentlich beginnt jetzt die Aufführung von De la concepción – von der Empfängnis, das Flamenco-Stück, das zum ersten Mal während des Flamenco-Festivals am Tanzhaus NRW in Deutschland gezeigt wird. Stattdessen steht das Publikum dicht gedrängt im stickigen Foyer. Stimmengewirr erfüllt die überhitzte Luft. Das Einlasspersonal kennt die Temperaturen, die hier entstehen, und trägt vorsorglich leichte, sommerliche Kleidung, während es ungerührt dafür sorgt, dass die Türen zum Großen Saal verschlossen bleiben. Nein, das ist nicht das tolle spanische Lebensgefühl, das hier gleich zum Festival mitgeliefert wird, sondern schlicht mangelhafte Organisation. Eine satte Viertelstunde später verklingen allmählich flüsternd die letzten Gespräche der Gäste im Saal. 20.18 Uhr. Die Vorstellung kann beginnen.
María Moreno ist in Cádiz geboren. Seit 2004 tanzte sie in der Compagnie von Eva Yerbabuena. Nach zehn Jahren wollte sie ihre eigene Tanzsprache finden, nachdem sie sich 2006 erstmals bei renommierten Festivals wie der Biennal de Flamenco in Sevilla und in Jerez de la Frontera als Solokünstlerin vorgestellt hatte. Das Stück De la concepción entwickelte sie gemeinsam mit Yerbabuena und dem musikalischen Leiter Andrés Marin, um es erfolgreich bei der Biennale in Sevilla zu zeigen. Der Inhalt des Stückes scheint unwichtig, und das ist für das deutsche Publikum wohl eher ein Glücksfall, muss es sich beim Gesang, von dem es hier reichlich gibt, doch eher auf den Klang als auf das Verständnis verlassen. Erläuterungen zu den Inhalten gibt es, wieder einmal, nicht. Man sieht am Tanzhaus NRW also, wenn man so will, gerade mal die Hälfte des Stückes. Der Festivalleitung kann das wohl vergleichsweise egal sein. Das Festival ist durchfinanziert, der Saal mit Spaniern und Stammpublikum gefüllt. Eine auskömmliche, wenn auch trügerische Situation. Das eigentliche Ziel, den Flamenco, der seit 2010 immaterielles Kulturerbe Andalusiens ist, als solches im Bewusstsein der Welt zu verankern, scheint dabei aus dem Auge zu geraten und in der Blase zu versickern. Dem wirkt Moreno mit ihrem furiosen Auftritt entgegen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Tanz | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Choreografie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Maßgeblich trägt Lichtdesigner Fernando Martío zur modernen Anmutung der Aufführung bei. Geheimnisvoll aufleuchtende Spots, irisierende Stroboskoplichter und andere raffinierte Effekte sorgen für die nötige Grundierung einer Nummernrevue, die mit vielerlei Kostümen verbunden ist. Die Kostüme, die Moreno auf der Bühne wechselt, hat Lopez de Santo besorgt und sich dabei auf eine Mischung von Folklore bis Fantasie eingelassen. Da gibt es das strenge Flamenco-Kleid genauso wie den weiblichen Torero-Anzug bis zur berühmten Schleppe. Und selbstverständlich darf das Fransentuch nicht fehlen. Ein paar Videoprojektionen unterstreichen das moderne Antlitz, in dem Moreno etwas ganz anderes zeigt.

Während Morales sich bei der Eröffnungsveranstaltung auf die Weiterentwicklung des Flamencos kaprizierte, legt Moreno viel Wert auf die meisterliche Gestaltung „alter Werte“. Ihre klappernden Schrittfolgen, die zapateados, bis hin zu jenem Trance-Zustand, der sich im Flamenco duende nennt, wechseln mit den traditionellen Handbewegungen, die die Gefühlswelt des Tanzenden zum Ausdruck bringen sollen. Dass Kastagnetten im Flamenco eher umstritten sind, schert Moreno nicht, die den Umgang mit ihnen ebenso begeisternd beherrscht wie die Artistik mit dem Fransentuch. Diese schon arg an die Grenzen des Folkloristischen reichenden Aktionen funktionieren deshalb, weil das moderne Umfeld sie mitträgt.
Ebenfalls traditionell gekleidet, nämlich in schwarzen Anzügen mit schwarzen Hemden, treten die begleitenden Musiker an. Oscar Lago bringt die Musik mit und interpretiert sie auf der Gitarre gleich selbst eindrucksvoll. Unterstützung holt er sich mit Javier Taruel am Schlagwerk, der später auch das Cajón bearbeitet. Das Klatschen übernimmt hauptsächlich Roberto Jaén, der von den übrigen Musikern und den Sängern tatkräftig unterstützt wird. Enrique „El Extremeño“ und Pepe de Pura singen bis zur Verausgabung, ohne das Nichtspanier sagen könnten, was da gesungen wird. Angel Claila ist für die Klanggestaltung zuständig und verstärkt kurzerhand alles elektronisch. Das wird insbesondere bei den Sängern ohrenbetäubend und ist auch an anderer Stelle durchaus nicht notwendig.
Das Publikum zeigt sich gerade von den traditionellen Darbietungen schier begeistert. An diesem Abend können Deutsche erleben, wie Spanier den Flamenco feiern. Auffordernde Zwischenrufe gehören ebenso dazu wie Szenenapplaus und das rhythmische Auftreten am Ende der Vorstellung. Die unentschuldigte Verspätung zu Beginn strafen viele Besucher ab, indem sie sich dem anschließenden Gesprächsangebot nach der Aufführung entziehen. Eigentlich schade, aber verständlich.
Michael S. Zerban