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FÜR MICH
(Antje Pfundtner)
Besuch am
5. März 2020
(Premiere)
Wie kommen wir an das junge Publikum ran? Diese Frage beschäftigt Theater- und Tanzschaffende seit vielen Jahren. Kaum noch ein Haus, dass ohne theaterpädagogische Abteilung auskommt, die sich jetzt neudeutsch Education nennt. Auch das Forum Freies Theater in Düsseldorf muss sich dieser Frage stellen. Und stellt sein Familienangebot ins Programm. Da werden Eintrittskarten zu Preisen angeboten, die kaum noch kostendeckend sein können, und Stücke in den Spielplan aufgenommen, die für die ganze Familie mit Kindern ab acht Jahren geeignet sein sollen. Eine Strategie, die eigentlich gut funktioniert.
Nicht so am Donnerstagabend um 19 Uhr. Liegt es an der Corona-Hysterie, die allmählich das Land lahmzulegen scheint, oder am ungewöhnlichen Zeitpunkt? Keine zehn Besucher tauchen an diesem Abend auf. Das Entsetzen scheint das Personal zu lähmen. Da wird dann auch noch mit zehnminütiger Verspätung begonnen, als könnten in diesen zehn Minuten noch Zuschauer strömen. Das ist natürlich nicht der Fall, aber immerhin sind dann die wenigen, die gekommen sind, auch noch verärgert. Ungünstige Voraussetzungen für einen Abend, der mit einer Stunde Dauer angekündigt wird, dann aber bereits nach 50 Minuten beendet ist.

Die Stühle sind auf drei Seiten der weiß ausgelegten Bühne angeordnet, die Tribüne bleibt leer. Im Hintergrund ist ein weißer Vorhang angebracht, links davon ein kleines Pult mit einem Startknopf darauf. Viel mehr braucht es für die Kompagnie Antje Pfundtner in Gesellschaft nicht, um ihren Abend zu gestalten. Und das ist kein Wunder, denn hier toben sich gleich drei Choreografen aus. Antje Pfundtner zeichnet für Konzept und Leitung des Abends verantwortlich. Ihr zur Seite steht Norbert Pape, der sich eher als Künstler sieht und versucht, die Kunst in den gesellschaftlichen Raum zu transportieren. Und Juliana Oliveira arbeitet als freischaffende Performance- und Theatermacherin, die mit ihren Stücken Ruins und Frontman bereits viel Aufmerksamkeit weckte. Schon, während die Besucher und die Mitarbeiter des FFT ihre Plätze aufsuchen, tanzen Pfundtner und Pape eine Art Duett. Immer wieder umschlingen sie einander eng, gleiten zu Boden, rollen übereinander hinweg. Oliveira beobachtet das Geschehen von der Tribüne aus. Alle drei sind in quietschrote Trainingsanzüge einer bekannten Sportbekleidungsfirma gekleidet. Auf die Idee ist Yvonne Marcour, warum auch immer, gekommen. Michael Lentner taucht die Szene in helles, weißes Licht und wird im Prinzip in den folgenden Minuten auch nur den Dimmer betätigen.
Es geht also minimalistisch zu in dem Stück Für mich. „Was wirst Du nicht genug gefragt?“ hat Pfundtner im Vorfeld von Kindern und Jugendlichen wissen wollen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse in ihre Choreografie einfließen lassen, ohne dass sich dem Betrachter das unmittelbar erschlösse. Ist auch nicht notwendig, denn das bunte Treiben auf der Bühne, hin und wieder unterbrochen durch Fragen, Anweisungen oder Wortfetzen, ist kurzweilig und bereitet den Zuschauern viel Vergnügen. Ein Trio mit Langhaarmähnen, das halbwegs synchron tanzt, oder das Spiel mit einer roten Aufstecknase sorgen vor allem bei den jungen Besuchern für ebenso viel Spaß wie die Klatschgeräusche, die Oliveira mit ihren Pobacken zu erzeugen scheint. Zumindest betont sie das so oft, dass man sich fragt, welcher Trick dahintersteckt. Und wenn sie sich Kuscheleinheiten beim Publikum abholt, weil die Szene von Haustieren handelt, die angedeutet werden, kommt sogar ein Hauch von Sinnlichkeit zustande. Hin und wieder steuert Musiker Sven Kacirek harte Rhythmen zum Geschehen bei, das dann in fetzige Tanzeinlagen ausufert.
Ja, es stimmt. Wenn man die Kriterien Unterhaltung, Kurzweil und Spaß als Erfolgsfaktoren eines Familienprogramms wertet, ist der Abend wohl als gelungen zu betrachten, auch wenn man über die Trainingsanzug-Ästhetik sicher streiten kann. Diskussionswürdig ist auch, dass auf dem Abendzettel, der im FFT bekanntlich ohnehin karg bis dürftig ausfällt, die Liste der Sponsoren länger wird als die „Inhaltsangabe“, also der verquaste Werbetext, der dem Zuschauer einen Zugang zum Stück ermöglichen soll. Die wenigen Besucher dieses Abends ficht das nicht an und so applaudieren sie nach besten Möglichkeiten. Und da lacht das Herz des Künstlers, wenn wenige Menschen versuchen, den Applauspegel einer vollen Tribüne zu erreichen.
Michael S. Zerban