O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Theater an der Luegallee

Heimat satt

DAS GASTHAUS AN DER DÜSSEL
(Stefan Schroeder)

Besuch am
11. Juli 2024
(Premiere)

 

Theater an der Luegallee, Düsseldorf

Der Sommer, so durch­wachsen er auch sein mag, ist die Zeit des Lichts, der Leich­tigkeit, des Lachens. Deshalb macht es auch Spaß, nach einem langen Tag abends in das Theater an der Luegallee zu gehen, um eine Krimi­nal­ko­mödie zu erleben. Das Gasthaus an der Volme würde dabei wohl kaum auch nur einen Düssel­dorfer bewegen, das heimische Sofa zu verlassen. Die wenigsten Bewohner der Landes­haupt­stadt wüssten wohl die Kreuz­wort­rät­sel­frage zu beant­worten: Fluss durch Hagen mit fünf Buchstaben. Dort ist auch das Theater an der Volme angesiedelt, längst eine feste kultu­relle Größe in der südwest­fä­li­schen Stadt. Im vergan­genen Jahr hat Stefan Schroeder, der für Regie und Drama­turgie zuständig ist, aber auch selbst auf der Bühne steht und Stücke schreibt, die Leitung des Theaters von Dario Weberg übernommen. Mit dem Gasthaus an der Volme ist ihm ein Volltreffer gelungen, der Chris­tiane Reichert, Leiterin des Theaters an der Luegallee, veran­lasste, eine eigene Düssel­dorfer Fassung mit Zustimmung Schroeders zu erarbeiten.

Foto © Theater an der Luegallee

So findet heute die Premiere von Das Gasthaus an der Düssel vor komplett ausver­kauftem Haus statt. Die Geschichte ist knifflig, wendungs­reich, bezieht ihr Vergnügen aber am ehesten aus den Figuren auf der Bühne. Und da, das darf schon verraten werden, sind echte Typen gefragt. Ein Verbrecher ist in Düsseldorf unterwegs. Er überfällt wohlha­bende Menschen, tötet sie bei Notwen­digkeit mit einem Blasrohr und ist mit Maske und Umhang eher wie der Rächer der Enterbten gekleidet. Inspektor Platt mit seinem Chef, Graf Archibald, im Nacken, sucht nach der Schwarzen Hand, die bei ihren Einbrüchen einen Aufkleber hinter­lässt. Die Ermitt­lungen verlaufen schwer­fällig, werden immer unüber­sicht­licher, führen aber auch in das Gasthaus an der Düssel, einem Lokal im Rotlicht­milieu, wo sich Menschen aus dem grauen Alltag in ein paar bunte Stunden flüchten, wie die Betrei­berin berichten wird. Erst in Schloss Benrath werden erste Lösungs­an­sätze sichtbar – und schon führt die Spur an den Amazonas. Derweil gibt es auf und hinter der Bühne zahlreiche weitere Opfer. Inspektor Platt, der längst zum Chefinspektor befördert gehört, muss sich en passant noch mit einem Amazonas-Diamanten, der Entführung der Sekre­tärin des Polizei­chefs, in die er mehr oder weniger heimlich verliebt ist, und einer Bande beschäf­tigen, die gegen die Schwarze Hand arbeitet. Da muss man sich als Zuschauer schon gehörig konzen­trieren, um der Handlung folgen zu können. Obwohl. Muss man eigentlich nicht. Denn Reichert insze­niert das Stück so, dass sie voll auf ihr Personal und komische Einfälle setzt.

Foto © Theater an der Luegallee

Hat man die Bühne im Oberkas­seler Keller­theater jemals so leer gesehen wie heute? Um es vornehm auszu­drücken, sind die Wände schmucklos in schmut­zig­braun gestrichen. Drei schwarze Hocker und ein Projektor am Rand vervoll­stän­digen die Ausstattung. Mit dem Projektor werden in fraktur­ähn­licher Schrift die Orte der Handlung angezeigt. Da geht es munter durch ganz Düsseldorf. Von der Wohnung in Pempelfort über das Polizei­prä­sidium in Unterbilk zum Schloss Benrath. Zwischen­sta­tionen gibt es im Gasthaus an der Düssel, verschie­denen Keller­ge­wölben, gar von einem Verlies ist die Rede, und Straßen­zügen in verschie­denen Stadt­teilen. Wem das an Lokal­ko­lorit nicht reicht, der wird sich an den Namen der Akteure nicht satthören können. Von denen gibt es reichlich.

Ob man Komödie mag, ob einem die Krimi­ko­mödie gefällt, spielt im Gasthaus an der Düssel keine Rolle. Allein das Ensemble zu erleben, ist jede Minute eines Besuchs wert. Weil hier jeder der Betei­ligten bis auf den Inspektor gleich mehrere Rollen spielt, haben die Schau­spieler einen Kostüm­wechsel-Marathon vor sich, der oft innerhalb von Sekunden vollzogen werden muss und schon deshalb alle Bewun­derung verdient. Regis­seurin Reichert lässt es sich nicht nehmen, in zahlreichen Neben­rollen, unter anderem köstlich als Telefon oder als Hebel, aufzu­treten. Nadine Karbacher gelingt es, nicht nur sprachlich, sondern auch im Spiel ganz wunderbar den unter­schied­lichen Charak­teren eigene Prägung zu verleihen. Als Inspektor Platt scheint es Marc-Oliver Teschke vergleichs­weise einfach zu haben, wenn er mit zwei Kostüm­wechseln und der Haupt­figur auskommen muss. Dafür überzeugt er schlicht als Typ. Am anspruchs­vollsten aber ist unter den großar­tigen Leistungen aller Darsteller Dirk Volpert, der jeder einzelnen Figur noch eine eigene Sprach­farbe verleiht, die vom Falsett-Singsang über Sprach­ver­zö­gerung bis zum Bass reicht. Hut ab!

Nach mehr als anderthalb Stunden haben die vier auf der Bühne alles gegeben, sind so gut wie fehlerfrei bis an die Grenzen ihrer Kondition gegangen. Da ist es nachgerade schade, dass Reichert ihren Kollegen den Wunsch ausschlägt, im kommenden Jahr das Stück Der Henker von Hubbelrath aufzu­führen. Mit diesem letzten Scherz verab­schieden sich die Darsteller unter nicht enden wollendem Applaus, mit dem sich das Publikum für einen unbedingt empfeh­lens­werten Abend bedankt.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: