O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Oliver Look

Zuckende Beine

DAS GEHEIME PROJEKT
(Katrin Spaniol, Morgan Nardi)

Besuch am
27. Juni 2019
(Urauf­führung)

 

Forum Freies Theater Düsseldorf, Jahnstraße

Der Eingangs­be­reich der Kammer­spiele, eine der beiden Spiel­stätten des Forums Freies Theater in Düsseldorf, erstrahlt im neuen Glanz, nachdem er monatelang fast komplett in einer Baustelle verschwunden war. Einge­rahmt von einer neuen Gaststätte, wirkt der Vorraum zum Theater jetzt größer, heller und freund­licher. Bei der Innen­ein­richtung gibt es sicher noch Wünsche, aber der Fortschritt ist schon gewaltig. Im Keller sind Verän­de­rungen nicht sichtbar.

Geheim­nisse sind keine mehr, wenn man darüber spricht: Der Satz geht einem unwill­kürlich durch den Kopf, als Morgan Nardi vor der Aufführung von der kleinen Foyer-Bühne aus die Besucher auffordert, je ein Geheimnis auf den zuvor verteilten weißen Karten aufzu­schreiben. Während viele Zuschauer pflicht­eifrig nach Stiften suchen und emsig notieren, was ihnen auf der Seele brennt, weist eine nur mit Vornamen vorge­stellte junge Frau das Publikum in Tanzschritte des Boogies ein. Warum erschließt sich nicht, denn die frisch erwor­benen Kennt­nisse werden weder eingeübt noch späterhin benötigt. Statt­dessen fordert Nardi Besucher auf, die eine spezielle Einladung zum heutigen Abend erhalten haben, ihm hinter die Bühne zu folgen. Dann endlich öffnet sich die Tür zum Saal, um das restliche Publikum einzu­lassen. Die Urauf­führung des neuen Stücks von Kathrin Spaniol und Morgan Nardi kann beginnen: Das geheime Projekt.

POINTS OF HONOR

Musik



Perfor­mance



Choreo­grafie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die beiden Choreo­grafen setzen sich mit dem Thema des Geheim­nisses ausein­ander. Vielleicht sind die Erwar­tungen der Besucher zu hoch gesteckt, wenn sie Erkennt­nisse darüber erwarten, was uns so neugierig macht, hinter Geheim­nisse zu kommen, und wir anderer­seits so vieles unter­nehmen, um unsere eigenen – seeli­schen, eroti­schen, ökono­mi­schen –Verstecke zu schützen, so gut wir können. Auf der Bühne geht es da profaner und zunächst einmal der Vorhang zu. Gekicher, Lachen und Fußge­trappel ist zu hören. Das Publikum wird in das Geschehen nicht einge­weiht. Da etwas plakativ, löst die gutge­meinte Aktion aber nicht die ach so bekannte Gier danach aus, den Vorhang lüften zu wollen, um zu erfahren, was sich dahinter abspielt. Der Bühnen­aufbau, den Nardi anschließend auf der leeren Fläche vornimmt, indem er eine Etagere, einen Beamer, ein Mikrofon, eine Stellwand aufbaut, wirkt eher gedehnt denn geheim­nisvoll. Und so reiht sich über eine Stunde Szene an Szene. Spaniol und Nardi agieren scheinbar unabhängig vonein­ander. Barbara Schröer unterlegt einige Bilder mit Video­pro­jek­tionen, in denen beispiels­weise eine nicht erkennbare Person, da ausge­weißt, in einer Bar herum­spa­ziert. Tobias Heide steuert Licht- und Klang­design, konzen­triert sich beim Weißlicht auf wenige, sinnvolle Effekte und hat den Klang im Raum sehr gut im Griff. Für die Ausstattung ist Lika Chkuti­a­shvili zuständig. Die Kostüme sind unspek­ta­kulär, grau in grau gehalten, praktisch für das jeweilige Bild.

Foto © Oliver Look

Es gibt noch einige Überra­schungen, die hier geheim bleiben sollen, weil sie das Werk würzen. Trotzdem bleibt es drama­tur­gisch hinter den Erwar­tungen zurück. Eine eindrucks­volle Steigerung erfährt es im Finale, wenn Nardi und Spaniol zum Boogie zusam­men­kommen. Neben einigen schönen Tanzszenen liegt Spaniol am Ende zu Füßen Nardis, und die Beine zucken weiter. Welches Geheimnis hinter diesem starken Bild steckt, mag sich jeder selbst ausmalen.

Zum Schluss­ap­plaus erscheinen – zwei Kinder. Sie nehmen den zweifelnden Beifall entgegen, den man lieber den Erwach­senen gespendet hätte. Und was ist aus den Geheim­nissen geworden, die die Zuschauer zuzugeben bereit gewesen wären? Die verrä­te­ri­schen Papiere wandern eins nach dem andern in den Reißwolf, der rechts der Bühne steht, ehe die Zuschauer den Saal verlassen. Erstaunlich, und das mag die größte Erkenntnis des Abends gewesen sein, wie viele Menschen bereit gewesen wären, ihr größtes Geheimnis zu offenbaren.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: