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GOLD
(Leonard Evers)
Besuch am
1. April 2019
(Premiere)
An sich ist die Kinderoper der Deutschen Oper am Rhein für ihre opulenten Produktionen mit großem Orchester und vollem bühnentechnischem Einsatz bekannt. Für die ganz Kleinen ab fünf Jahren geht es es derzeit in Leonard Evers Ein-Personenstück Gold etwas schlichter zu, wozu die Kammerspiele des Forum Freies Theater in der Düsseldorfer Jahnstraße einen geeigneteren und gemütlicheren Rahmen schaffen als das ursprünglich vorgesehene Foyer des Opernhauses. Es sind vor allem Gruppen aus Kindergärten und Grundschulen, die die Plätze belegen und, zumindest in der Premiere, der einstündigen Aufführung mit erstaunlicher Aufmerksamkeit und Disziplin folgten. Denn anspruchslos ist das Stück nicht. Und auf vordergründige Clownerien oder eine übertrieben „kindgerechte“ Ansprache wird bewusst verzichtet. Die Kinder werden Zeuge eines Märchens mit tieferem Hintergrund vor einer ungewöhnlichen musikalischen Kulisse, das in dieser Version bereits europaweit Erfolge erzielen konnte.
Mit ihrer Inszenierung zeigt Ilaria Lanzino, an sich Regieassistentin der Rheinoper, dass auch ohne großen äußeren Aufwand und mit bescheidenen Mitteln spannendes Musiktheater möglich ist. Zumindest, wenn ihr eine so fantasievolle Ausstatterin wie Emine Güner, ein ebenso versierter wie flexibler Schlagzeuger wie Ralf Zartmann und eine Protagonistin wie die Mezzosopranistin Amélie Saadia zur Verfügung stehen.

Die Handlung entpuppt sich als Metamorphose des berühmten Märchens Vom Fischer und seiner Frau der Gebrüder Grimm, verlagert in ein etwas moderneres Umfeld: Jakob und seine Eltern sind so arm, dass sie sich weder Schuhe noch ein Dach über dem Kopf leisten können. Zu dritt schlafen sie in einem Erdloch unter einem Baum. Eines Tages fängt Jakob beim Angeln einen riesigen Fisch. Der bittet Jakob, ihn am Leben zu lassen und verspricht ihm dafür die Erfüllung seiner Wünsche. Jakob wünscht sich zunächst Schuhe. Doch auch sein Vater und seine Mutter haben da ein paar Ideen. Immer größer werden die Wünsche der Eltern, bis es ihnen selbst in einem Palast zu eng wird. Am Ende landen sie, wie in Grimms Märchens, wieder in ihrem Erdloch.
Interessant, wie in diesem Stück Jakob erkennen lässt, dass sich mit der Anhäufung materieller Güter kein zusätzliches Glücksgefühl einstellen will, dafür aber die innere Unzufriedenheit massiv ansteigt. Man freut sich nicht über das, was man hat, sondern ärgert sich über das, was noch fehlt. Amélie Saadia bringt diese Botschaft in Wort, Gesang und mit ihrem äußerst vitalen Spiel deutlich zum Ausdruck. Wobei die Gesangseinlagen kompositorisch weniger überzeugen als die mächtigen Sprechanteile und, nicht zu vergessen, die instrumentale Begleitung durch den Schlagzeuger Ralf Zartmann, der, wie ein Pianist der Stummfilmzeit, das Geschehen musikalisch plastisch und fantasiereich illustriert.
Mit einem goldenen Flittervorhang, ein paar Requisiten und Kostümteilen sowie einer geschickten Lichtregie gelingen reibungslos die Szenenwechsel, wobei der Fisch per Video auf die Bühne übertragen wird.
Die Kinder verfolgen das Spiel aufmerksam und ohne jede Störung. Auch wenn es Saadia nicht an komischen Wendungen fehlen lässt: Laut gelacht wird nicht. Dafür erfassen die Kinder wohl zu deutlich die ernste Botschaft des Stücks. Insgesamt eine gelungene Ergänzung zu den „großen“ Produktionen der Jungen Oper am Rhein.
Pedro Obiera