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Foto © Katja Illner

Rückzug auf das Wesentliche

HEART MOMENT
(Alexandra Waierstall)

Besuch am
27. September 2024
(Urauf­führung)

 

Tanzhaus NRW, Großer Saal, Düsseldorf

Vor zweieinhalb Jahren zeigte Choreo­grafin Alexandra Waier­stall im Düssel­dorfer Tanzhaus NRW ihre Arbeit In the Heart of the Heart of the Moment als „Vorschau“. Ein Begriff, mit dem man zu der Zeit wenig anfangen konnte. Mit dem Stück wollte sie die verän­derten Struk­turen nach der Pandemie auch für das Individuum aufzeigen und verstand es als Fortsetzung von Bodies and Structure aus 2019, als sie das Kunstwerk Arena von Rita McBride, eine Holztribüne, bespielen ließ. Bereits 2022 ließ sie das Konstrukt weg und reduzierte die Bühne wieder auf das rein tänze­rische Geschehen, das Caty Olive in ein spekta­ku­läres Licht­design setzte.

Foto © Katja Illner

Nun, nach dem Solo von Scott Jennings Stages Into the Now im vergan­genen Jahr, lädt Waier­stall zu ihrem neuen Werk Heart Moment in das Tanzhaus NRW ein. Ihre Anhänger folgen dem Ruf gern, und so ist die Tribüne im Großen Saal denkbar gut besetzt. Schon vor Beginn sitzt eine Gruppe von Tänzern zwanglos auf dem Bühnen­boden. Die Seiten­bühnen sind links mit schwarzer Gaze und rechts mit einer riesigen Leinwand verdeckt. Ansonsten kommt einem das Setting mehr als bekannt vor. Ist das also nun das Hauptwerk, das auf die Vorschau von 2022 folgt? Caty Olive hat wieder Leucht­stoff­röhren aufge­hängt. Die Kostüme, die Alexandra Waier­stall mit Vater Horst Weier­stall entwi­ckelt hatte, finden sich in erwei­terter Form wieder, nun bei einigen Tänzern ergänzt um neongelbe Turnschuhe.

Geändert haben sich die Vorzeichen. Waier­stall sieht das Stück, das heute Abend in Düsseldorf zur Urauf­führung kommt, als Zwischen­spiel speziell für die Landes­haupt­stadt. Weitere Auffüh­rungen in anderen Städten, zu denen die Choreo­grafin einen persön­lichen Bezug hat, sollen in dann adaptierter Form, beispiels­weise indem andere Tänzer besetzt werden, folgen. Während der Urauf­führung erkennt man einige der Tänze­rinnen wie Ying Yun Chen, Amy Josh oder Karolina Szymura wieder, auch Scott Jennings findet sich in der dreizehn­köp­figen Truppe. Inhaltlich hat sich die Aussage geändert. „In komplexen Zeiten unlös­barer Wider­sprüche, Sorgen und Misstrauen ist Heart Moment eine Einladung, Großzü­gigkeit als körper­liche Konver­sation, zärtliche Verhandlung und konti­nu­ier­liche Modulation mensch­licher Bezie­hungen zu erleben“, schreibt Waier­stall zu ihrem Stück. Nunmehr also keine Bestands­auf­nahme nach der Krise mehr, sondern eher in der Krise, wie sehr sie auch von dem einen oder anderen empfunden werden mag. Geändert hat sich auch die Musik. Sorgte Stavros Gaspa­ratos nach der Pandemie für Klang­land­schaften mit hämmernden Trommel­schlägen, steuert nun Volker Bertelmann aka Hauschka wieder seine Musik bei. Ein durch­lau­fender, immer wieder variie­render Rhythmus auf dem Klavier wird von fein ziselierten Gitar­ren­klängen ergänzt. Wenn man so will, wird hier die „zärtliche Verhandlung“ musika­lisch unterstrichen.

Foto © Christian Herrmann

Die großen Effekte vergan­gener Arbeiten sucht man heute Abend vergebens. Einmal wirft Olive ein schmales, weißes Rechteck auf die Leinwand. Das ist aller­dings ziemlich viel Aufwand für einen einzelnen Licht­einsatz, der mehr Erwartung auslöst als dann einge­wechselt wird. Auch der Einsatz der Leucht­stoff­röhren bleibt überschaubar. Vereinzelt werden sie herab­ge­lassen, um von Tänze­rinnen auf dem Boden liegend verschoben zu werden.

Aus der neunköp­figen Gruppe lösen sich einzelne Personen, ehe sich alle in Bewegung setzen und den Raum besetzen, bespielen. Zwischen­zeitlich lösen sich weitere Tänzer aus den Sitzreihen der Tribüne, um sich auf dem Boden schlän­gelnd auf die Bühne zu bewegen und sich in das Kollektiv einzu­reihen. Aus den Individuen werden kumulierte Haufen, die man als Zeichen einer Solida­ri­sierung, einer Gemein­samkeit auffassen kann. Von Dauer sind sie nicht. Ebenso wenig wie man das Hüpfen als echte Befreiung empfinden kann. Nach einer Dreivier­tel­stunde etwa zieht sich das Ensemble auf die Tribüne zurück. Ein einzelner Tänzer verbleibt, der sich auf der Bühne umzieht. Wenn früher an dieser Stelle die Tänzer ihre Kleidung abzulegen pflegten, geschieht jetzt das Gegenteil. Einige der Tänze­rinnen schlüpfen in, ja, sackartige Overalls, die offenbar über eine Spezi­al­be­schichtung verfügen, so dass das Bühnen­licht sie in gleißende Körper zu verwandeln scheint.

Waier­stall verzichtet auf Geschwin­dig­keits­exzesse ebenso wie auf außer­ge­wöhn­liche Einfälle in der Körper­sprache. Was gefällt, ist die harmo­nische Verbindung mit der Musik und der hohe Perso­nal­aufwand, der auf den Bühnen der so genannten freien Szene immer seltener zu erleben ist. Das Publikum bedankt sich für die einstündige Aufführung mit längerem Applaus.

Michael S. Zerban

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