O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Überzeugend virtuos

DAS HERZ GEHT AUF
(Diverse Komponisten)

Besuch am
6. April 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Weltklassik am Klavier, Zimmerli Sounds, Düsseldorf

Zimmerli Sounds ist eine Firma, die sich auf Akustik­be­ratung spezia­li­siert hat. Sie sitzt in unmit­tel­barer Nähe zum Düssel­dorfer Haupt­bahnhof. Und sie gehört zu den 48 Spiel­stätten von Weltklassik am Klavier, einer Konzert­reihe, die, von Kathrin Haarstick veran­staltet, über ganz Deutschland verteilt statt­findet. In Düsseldorf also steigen die Künstler aus dem Zug, laufen über die Straße und finden sich im „Konzertsaal“ wieder. Gut für die Künstler. Seitdem Düsseldorf sich entschieden hat, autof­eind­lichste Stadt Deutsch­lands zu werden, kostet der Parkplatz am Straßenrand 4,50 Euro die Stunde, im privaten Parkhaus sind es 3,50 Euro, die nur bargeldlos bezahlt werden können. Es bedarf keiner großen Vorstel­lungs­kraft, wohin das führt, wenn beispiels­weise Besucher aus dem Nachbar­kreis Mettmann die dreifache Zeit für eine deutlich unkom­for­ta­blere Anreise benötigen. Kommt man aus Düsseldorf, könnte es sein, dass man es in der doppelten Zeit schafft. Aber warum sollte man? Darauf gibt die Stadt keine Antwort, betroffen werden davon vor allem kleinere Spiel­stätten sein.

Allein daran dürfte es heute nicht liegen, dass es gerade mal elf Menschen in die Geschäfts­räume geschafft haben. Bei Tempe­ra­turen von 25 °C am Samstag Anfang April gibt es sicher verlo­ckendere Angebote der Freizeit­ge­staltung als ein Klavier­konzert im geschlos­senen Raum. Dabei ist hier im Eingangs­be­reich alles liebevoll für die Besucher herge­richtet. Eine großzügige Bestuhlung, bei der sich keiner beengt fühlen muss, die Programme liegen bereits auf den Sitzplätzen, in einer Ecke wird Wein und Wasser angeboten. Gewiss, es gibt hier kein Podium, so dass die Künst­lerin von den hinteren Reihen aus kaum zu sehen ist, aber dafür ist der Flügel in einer akustisch aufbe­rei­teten Ecke aufgebaut, so dass sich hier ein warmer, voller Klang ergibt. Abgesehen von einem leichten Klirren des Instru­ments sind das fast so ideale Bedin­gungen wie im Bechstein-Zentrum der Stadt.

Einge­laden ist heute Sarah (SeulA) Jeon mit ihrem Programm Das Herz geht auf: Pastorale, Erinne­rungen, Fanta­sie­stücke. Sie ist im südko­rea­ni­schen Seoul geboren und schloss 2013 ihren Bachelor an der Sookmyung Women’s University ab. Den Master erwarb sie an der Weimarer Musik­hoch­schule, ehe sie im vergan­genen Jahr das Konzert­examen an der Musik­hoch­schule Mannheim ablegte, bekanntlich der höchst­mög­liche Bildungs­ab­schluss für das praktische Musik-Studium. Bei Weltklassik am Klavier ist sie bereits zum wieder­holten Mal zu Gast, und es wird ungefähr bis zum ersten Anschlag dauern, bis man weiß, warum das so ist.

Foto © O‑Ton

Nach einer kurzen wie freund­lichen Begrüßung der Gastge­berin und einer kurzen Verbeugung der Pianistin beginnt letztere unver­züglich mit einem weniger bekannten Nocturne von Frédéric Chopin. Nocturnes sind roman­tische Solostücke der Klavier­musik und heute besonders mit dem Namen des Kompo­nisten verbunden, der davon zwischen 1827 und 1846 insgesamt 21 Werke verfasste. Die drei Nocturnes unter der Opus-Zahl 9 waren die ersten, die veröf­fent­licht wurden. Sie wurden 1832 publi­ziert. Das zweite Nocturne ist wohl das bestbe­kannte. Heute darf das Publikum hören, dass ihm das dritte in H‑Dur in nichts nachsteht, vielleicht nicht so verträumt, aber umso lebhafter gestaltet werden kann. Überhaupt hat die Pianistin, die das gesamte Programm auswendig spielt, ein Faible für die Geschwindigkeit.

Das wird spätestens bei Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 15 deutlich, die aus dem Jahr 1801 stammt, heute als Pastorale bezeichnet und selten im Konzertsaal gespielt wird. Unter einer Pastorale versteht man im musika­li­schen Sinne ein Stück, dass „das Landleben, besonders aber das Hirten- und Schäfer­leben, in ideali­sierter oder utopi­scher Form“ darstellt. In den vier Sätzen darf Jeon ihre Virtuo­sität abermals ausleben. Mit fröhlicher Leich­tigkeit geht ihr das von den Händen, allen­falls, wenn sie zwischen zwei Sätzen ein paar Sekun­den­bruch­teile länger braucht als zwischen anderen, wird deutlich, mit welch hoher Konzen­tration sie zu Werke geht.

Das gilt auch für die Varia­tionen über ein beliebtes Thema von Rode – La ricordanza, opus 33 von Carl Czerny. Der Beethoven-Schüler schrieb seine Varia­tionen basierend auf dem Air varié opus 10 von Pierre Rode. Leicht und schnell erklingt das Werk fast wie ein Inter­mezzo, bevor es etwas drama­ti­scher wird. Die acht Fanta­sie­stücke opus 12 von Robert Schumann sind der erste Klavier­zyklus, den der gebürtige Sachse und spätere General­mu­sik­di­rektor von Düsseldorf verfasste. Jeon lässt in ihrer Inter­pre­tation durchaus Drama­ti­sches anklingen, verpasst dem Stück Moder­nität und fesselt das Publikum bis zur letzten Note. Irgendwie klingt an diesem frühen Abend so gar nichts nach dem 19. Jahrhundert. Also alles richtig gemacht. Und Sarah Jeon setzt noch eins drauf, wenn sie ihre Lieblings­zugabe zum Besten gibt. Es sind die Träume­reien von Schumann, die sie mit großer Zärtlichkeit zu Gehör bringt.

Die Besucher wissen ihr nicht nur für einen wunder­baren Vortrag zu danken, sondern auch dafür, dass sie damit unter zwei Stunden bleibt. Während die Pianistin allmählich zusehen muss, dass sie ihren Zug nach Mannheim erreicht, eilen die Besucher zu ihren Autos. Das ist also die neue Lebens­qua­lität in Düsseldorf. Schön, dass man nach einem solch gelun­genen Konzert eine große Gelas­senheit an den Tag legen kann.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: