O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Souverän und virtuos

KLAVIERABEND MIT DONGNI CUI
(Diverse Komponisten)

Besuch am
22. November 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Bechstein-Centrum, Düsseldorf

Als das Düssel­dorfer Bechstein-Centrum in die Aders­straße zog, wurde dort eine schall­op­ti­mierte Konzert­lounge einge­richtet. Seitdem unter­nimmt Leiter Reza Indra­kesuma einiges, um das Klavier­ge­schäft als geschätzten Spielort in Düsseldorf zu etablieren. Unter anderem entstand so die Reihe Young Profes­sionals, in der Studenten der Robert-Schumann-Hochschule Gelegenheit bekommen, sich einem Stadt­pu­blikum zu präsen­tieren. Warum aber eigentlich nur dem Nachwuchs eine Plattform bieten? Unter den Lehrkräften der Hochschule gibt es so manchen Experten, den man sicher gern häufiger in der Stadt erleben möchte.

Foto © O‑Ton

Heute hat Indra­kesuma die Pianistin Dongni Cui einge­laden. Sie wurde in Xi’an, Shaanxi, in der Volks­re­publik China geboren und begann im Alter von fünf Jahren ihre Klavier­aus­bildung an der Musik­schule ihrer Heimat­stadt. Nach ihrem Bache­lor­ab­schluss an der Musik­hoch­schule Peking im Jahr 2008 setzte sie ihr Studium von 2009 bis 2011 an der Staat­lichen Hochschule für Musik Trossingen mit einem Master in „Künst­le­rische Ausbildung Klavier“ fort. Anschließend absol­vierte sie einen weiteren Master im Studi­engang „Klavier-Duo“ und gründete zusammen mit ihrer Duo-Partnerin das Mendon-Klavier-Duo. 2018 schließlich absol­vierte sie ihr Konzert­examen – der höchst­mög­liche Bildungs­ab­schluss bei den Instru­men­ta­listen – an der Robert-Schumann-Hochschule, wo sie derzeit als Dozentin arbeitet.

Mit halb sieben an einem Freitag­abend ist der Zeitpunkt vielleicht nicht ganz so glücklich gewählt. Zumindest scheinen Schüler und Kollegen der Künst­lerin ebenso verhindert zu sein wie das Stamm­pu­blikum des Centrums. Das ist in hohem Maße bedau­erlich, weil Dongni Cui ein ausge­sprochen inter­es­santes Programm zusam­men­ge­stellt hat. Der Anspruch ist hoch. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, verschiedene Aspekte der Virtuo­sität aufzu­zeigen. Mit der Klavier­sonate h‑Moll von Domenico Scarlatti legt sie den Start­punkt ihrer kleinen Reise durch die Epochen in das 18. Jahrhundert. Man muss das zarte Spiel mögen, das ihr so meisterhaft gelingt. Aus dem gleichen Zeitraum stammt die Suite en la: Gavotte et six doubles von Jean-Philippe Rameau, die schon etwas gehalt­voller daher­kommt. Für Dongni Cui versteht es sich von selbst, dass der D‑Flügel nicht mit Papier zugedeckt wird. Sie hat die Noten zuhause gelassen. Da staunt schon mancher, wenn es rund hundert Jahre später an die dreisätzige Klavier­sonate As-Dur von Joseph Haydn geht. Spätestens im Presto wird deutlich, dass Virtuo­sität sich auch im Tempo zeigt. Und die Pianistin lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringt, als das Publikum zwischen den Sätzen klatscht.

Foto © O‑Ton

Souverän und hochkon­zen­triert schreitet Dongni Cui zum zweiten Teil des Konzerts. Aus dem 19. Jahrhundert kommt ein Komponist zu Gehör, dessen Name allen­falls Spezia­listen bekannt sein dürfte. Charles Valentin Alkan lebte von 1813 bis 1888 in Paris, war ein Freund Frédéric Chopins und lebte ab 1837 im Gebäu­de­komplex Square d’Orléans, wo er Marie Taglioni, Alexandre Dumas und George Sand und andere Künstler zu seinen Nachbarn zählte. So groß seine Leistungen als Komponist und Klavier­vir­tuose auch gewesen sein mögen, starb er in fast völliger Verges­senheit. Dass sein Werk nun von einigen Künstlern wieder­ent­deckt wird, ist, nach dem, was Dongni Cui zum Besten gibt, höchst vielver­spre­chend. Da ist schon fast bedau­erlich, dass sie nur den dritten Satz aus dem Konzert für Solo-Klavier spielt.

Die Etüde Nr. 5 Toccata grottesca des 1961 geborenen Marc-André Hamelin wird ihrem Namen als Bravour­stück absolut gerecht und gibt der Pianistin einmal mehr Gelegenheit, ihrer Virtuo­sität Ausdruck zu verleihen. Das Publikum ist längst hin und weg. Da ist das Finale mit der Paraphrase von Nikolai Kapustin auf Aquarelo do Brasil seines Kollegen Ary Barroso bestens gewählt, eine Samba, die noch einmal für richtig gute Laune sorgt – im Übrigen auch bei der Pianistin.

Nach dem grandiosen Vortrag ist die Künst­lerin sichtlich erschöpft. Und hat wohl nicht damit gerechnet, dass der Abend noch nicht zu Ende sein könnte. Im Publikum schreit keiner „Zugabe!“, statt­dessen bleiben einfach alle sitzen. Das hat man so auch noch nicht erlebt, ist aber richtig schön. Überra­schend hat Dongni Cui keine Zugabe vorbe­reitet. Aber sie lässt sich nicht lange bitten und wiederholt gern noch einmal die Samba. Wer die zierliche Person gern einmal selbst am Flügel erleben möchte, muss sich noch in Geduld üben. Im Juni kommenden Jahres wird sie erneut im Bechstein-Centrum auftreten. Und es verspricht ein weiterer Höhepunkt im Konzert­leben zu werden. Denn dann wird sie mit ihrer Kollegin Daria Harbisch mit einem vierhän­digen Programm aufwarten.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: