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Harmonie zu zwei und vier Händen

KLAVIERABEND MIT DONGNI CUI UND DARIA HARBISCH
(Charles Valentin Alkan, Gabriel Fauré, Edvard Grieg)

Besuch am
22. Juni 2025
(Einmalige Aufführung)

 

C.-Bechstein-Centrum, Düsseldorf

Als Dongni Cui im vergan­genen November ihr Debüt-Recital im Düssel­dorfer C.-Bechstein-Centrum gab, war die Begeis­terung groß. Unter anderem konnte sie mit dem dritten Satz aus Charles Valentin Alkans Konzert für Solo-Klavier beein­drucken. Nach dem Konzert kündigten Daria Harbisch und sie an, im kommenden Juni mit einem ganz beson­deren Programm wiederzukommen.

Im Alter von fünf Jahren begann Dongni das Klavier­spiel an der Musik­schule ihrer Heimat­stadt Xi’an, Shaanxi, in der Volks­re­publik China. Nach dem Bachelor an der Musik­hoch­schule Peking verschlug es sie nach Deutschland, wo sie in Trossingen ihren Master und an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf das Konzert­examen ablegte. Bis heute bleibt sie ihrer Alma Mater treu und lehrt dort Klavier. Harbisch ist in Freiburg im Breisgau geboren, studierte ebenfalls an der Düssel­dorfer Musik­hoch­schule und unter­richtet derzeit an der städti­schen Musik­schule Solingen. Daneben ist sie für Reza Indra­kesuma, den Leiter des C.-Bechstein-Centrums, Ansprech­part­nerin, wenn es darum geht, dem Nachwuchs der Musik­hoch­schule eine Bühne für seine Auftritte in der Konzert-Lounge des Klavier­ge­schäfts zu geben. Wenn sie nicht gerade selbst auftritt.

Daria Harbisch – Foto © Michael Zerban

Für einen Sonntag­nach­mittag mit mehr als 30 Grad im Schatten und einem angekün­digten Gewitter sind eigentlich noch recht viele Besucher erschienen. Erstaun­licher ist, wer alles zu einem Konzert mit einem ungewöhn­lichen Programm nicht erscheint. Klar ist, dass Kollegen der beiden Ausbil­dungs­stätten nicht anwesend sein können. Es ist ja Sonntag, und da haben sie frei. Ebenso selbst­ver­ständlich bleibt die örtliche Presse fern, weil sie ohnehin nur noch rudimentär über hochsub­ven­tio­nierte Klassik-Konzerte berichtet. Der öffentlich-recht­liche Rundfunk hat genug Konserven und braucht sich nicht um Konzerte unbekannter Künstler zu kümmern. Auch Inten­danten der Konzertsäle sind eher bemüht, zugkräftige Namen zu engagieren, weil das mehr Geld bringt, brauchen also auch keine Veran­stal­tungen zu besuchen, bei denen sie mögli­cher­weise neue Talente entdecken könnten. Die Kehrseite ist, dass Menschen mit Interesse für das Unbekannte, Neue, vielleicht Gewagte kaum noch Orien­tierung finden. Insofern kann man Menschen wie Indra­kesuma nicht genug für ihr Engagement danken.

Das heutige Konzert ist zweige­teilt. Im ersten Teil widmet sich Cui ihrem Lieblings­kom­po­nisten. Diesmal bleibt es aber nicht bei einem Satz, sondern sie spielt Les Quatre Âges, die Grande Sonate Opus 33, von Alkan vollständig. Zur Erinnerung: Er lebte von 1813 bis 1888. Damit war er stark von der Zeit des roman­tisch verstan­denen Virtuo­sentums Niccolò Paganinis, Franz Liszts oder Frédéric Chopins beein­flusst, dessen Zentrum das Paris der 1830-er Jahre war. Pietätlos stellte die Zeitschrift Le Ménestrel fest, dass man durch seine Todes­nach­richt überhaupt erst wisse, dass es den Kompo­nisten überhaupt gegeben habe. Die enormen techni­schen Schwie­rig­keiten und der zum Teil gewaltige Umfang seiner Werke haben von Beginn an deren Verbreitung verhindert. Erst in den vergan­genen Jahrzehnten haben sich Musiker um seine Arbeiten gekümmert. „Heute sind Marc-André Hamelin, Vincenzo Maltempo, Jack Gibbins und Stéphanie Elbaz die bekann­testen Alkan-Inter­preten unter den großen Pianisten“, ist in Wikipedia zu lesen. Die Liste ist unvollständig.

Dongni Cui – Foto © Michael Zerban

Den Beweis tritt Cui an, wenn sie Les Quatre Âges vorstellt, ein Werk der Romantik, das in vier Sätzen vier verschiedene Lebens­phasen behandelt. Der Programm­zettel legt die Latte hoch. „Es beein­druckt durch enorme Virtuo­sität und große Ausdrucks­tiefe, die sich in stilis­ti­scher und emotio­naler Vielfalt zeigt.“ Cui spielt das nach, was der Komponist vorgibt. Im Alter bis zu 20 Jahren heißt es, sehr schnell zu sein. Da darf es scherzhaft, lebhaft, mit viel Energie zugehen. Bis zu 30 Jahren spielen sich die großen Dramen des Erwach­sen­werdens ab: drama­tisch, virtuos, lyrisch. Bis zu 40 Jahren steht das Famili­en­leben im Vorder­grund, und bei Alkan bildet es sich warm und häuslich ab. Im fünften Lebens­jahr­zehnt kann Alkan nichts Positives mehr entdecken. „Prome­theus gefesselt, äußerst langsam“, notiert der Komponist. Im Engli­schen heißt, etwas auswendig zu spielen, „by heart“. Und das trifft es bei Cui recht genau. Ihr Körper strahlt pure Konzen­tration aus, ohne jede Spur von Anstrengung. Es ist, als durchlebe sie die Musik, als seien die Finger nicht von der Musku­latur gesteuert, sondern bewegten sich auf einer rein mentalen Ebene. Ein Erlebnis, und vielleicht die größt­mög­liche Form des Virtuo­sentums. Nach dem Vortrag ist klar: Die Virtuosin gehört eindeutig auf die oben genannte Liste, auch wenn es ihr noch an der Bekanntheit mangelt.

Sind die Leute gekommen, weil sie Alkan hören wollten? Nein, aber sie sind begeistert. Es ist wohl eher das Versprechen vierhändig gespielten Klaviers, das sie angezogen hat. Das erwartet sie in der zweiten Hälfte des Konzerts, wenn sich Cui und Harbisch gemeinsam an den Flügel setzen. Zwischen 1893 und 1896 entstanden die sechs Stücke der Dolly Suite von Gabriel Fauré. Auch sie setzen sich mit dem Älter­werden oder Aufwachsen ausein­ander. Inspi­riert wurde Fauré von Hélène Bardac, der Tochter einer befreun­deten Sängerin, die Dolly, also Püppchen, genannt wurde. Durchaus humorvoll schildert der Komponist die Erleb­niswelt des Kindes vom Wiegenlied bis zum tempe­ra­ment­vollen Tanz. Die beiden Pianis­tinnen wissen um die Leich­tigkeit und lassen sie am Flügel durch­klingen. Nach dem Klang­er­lebnis von Alkan die richtige Wahl zur Unter­haltung des Publikums. Nicht viel anders verhält es sich mit dem letzten Stück des Abends.

Edvard Grieg hat Fantasie und Sonate in c‑Moll von Wolfgang Amadeus Mozart für zwei Klaviere bearbeitet. Und obwohl Harbisch und Cui nun an getrennten Flügeln sitzen, ist die Harmonie spürbar und gekonnt. Ein hinrei­ßender Abschluss eines kurzwei­ligen Abends, wie man ihn eben nicht jeden Tag erlebt. Das Publikum ist so faszi­niert, dass es nicht einmal mehr auf die Idee kommt, eine Zugabe zu verlangen. Das nennt man dann wohl erfüllend. Mit Reza Indra­kesuma haben Dongni Cui und Daria Harbisch einen starken Partner, der ihnen hoffentlich mehr solcher Abende ermöglicht.

Michael S. Zerban

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