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KÖNIG DAVID
(Arthur Honegger)
Besuch am
21. September 2024
(Einmalige Aufführung)
Wie jedes Jahr steuert auch dieses Mal die Johanneskirche ihren Beitrag zum Düsseldorf-Festival bei. Für Wolfgang Abendroth eine Herzensangelegenheit, die Stadtkirche im Festival mit einer aufwändigen Aufführung zu präsentieren, die jenseits ausgetretener Pfade für Aufmerksamkeit sorgt. Heuer setzt der Kirchenmusikdirektor auf einen Stoff, der schon einmal im Düsseldorf-Festival zu sehen war. 1998 führte Gerhard Luchterhandt im Rahmen des Altstadtherbstes, wie das Festival damals noch hieß, den symphonischen Psalm König David von Arthur Honegger auf – Abendroth nahm als Chorist teil, Sprecher war niemand Geringeres als Dietrich Fischer-Dieskau. Da darf es ein Vierteljahrhundert später eine Neuauflage sein, gern mindestens so spektakulär wie die damalige Aufführung.

Honegger wurde 1892 in Le Havre als Kind eines schweizerischen Kaffeeimporteurs geboren. Er begann früh mit dem Violinspiel, studierte in Zürich Violine und Musiktheorie, ab 1911 in Paris Violine und Kontrapunkt, später Komposition und Dirigieren. Er komponierte um die 200 Werke. Damit gilt er als bedeutender Vertreter der Groupe des Six. Le Roi David entstand aus einzelnen, meist kurzen Stücken, die er als Schauspielmusik konzipierte. Erst später fügte er die Kompositionen zusammen und verband sie mit Zwischentexten. So entstand der „symphonische Psalm“, als der er schlussendlich veröffentlicht wurde. Das Stück, das auf dem Theaterstück von René Morax beruht, besticht musikalisch durch die Vorwegnahme archaischer Klänge, wie sie später bei Filmmusiken rudimentärer ertönen werden.
Die Geschichte um König David ist so krude, wie Geschichten gerne in der Bibel, hier im Alten Testament, erzählt werden. Gott beauftragt den Propheten Samuel, den auserwählten König Israels zu salben. Das ist Saul. An dessen Hof lebt David, der den Goliath besiegt hat und sich damit größter Beliebtheit beim israelischen Volk erfreut. Er wird der neue König und erobert Jerusalem, wohin kurzerhand die Bundeslade verfrachtet wird. Nach weiteren Wirren gelingt es dem sterbenden David, dafür zu sorgen, dass sein Sohn Salomon sein Nachfolger wird. Damit endet die Geschichte hoffnungsvoll.
Bevor Abendroth als musikalischer Leiter des Abends die Geschichte musikalisch umsetzt, beginnt er mit den Biblischen Liedern von Antonín Dvořák, die er in eigener Bearbeitung für Solostimmen, Bläser, Schlagzeug und Tasteninstrumente vortragen lässt. Der Clou ist, dass die Instrumentalbesetzung der von Honegger angeglichen wird. Damit werden nicht nur Umbauten auf engem Raum vermieden. Vielmehr ist Abendroths heimliche Hoffnung, dass die Kombination auch bei anderen Aufführungen Anklang findet. Jedenfalls lernen die Besucher so schon die Akteure kennen. Sopranistin Theresa Nelles, Altistin Renée Morloc und Tenor Patricio Arroyo-Lesuisse stellen die Solistenriege, die gesanglich vom Düsseldorfer Kammerchor unterstützt wird. Das Düsseldorf-Festival-Orchester glänzt in „kammermusikalischer“ Besetzung. 17 Instrumentalisten, darunter die Besetzung für Harmonium, Piano und Celesta, Schlagwerk und zehn Bläser sorgen für die musikalische Begleitung. Ob man die Vorstellung damit tatsächlich auf fast zwei Stunden ohne Pause aufpumpen muss, kann man diskutieren. Einige Besucher verlassen die Aufführung vorzeitig.
Dabei steht der eigentliche Höhepunkt des Abends noch bevor. Denn die Sprecherrollen für König David sind prominent besetzt. Moritz Führmann, bekannter Schauspieler, der im April mit einer Lesung an der Robert-Schumann-Hochschule beeindruckte, ist als Sprecher eingeladen. Seine Frau, Anna Schudt, die damals im Publikum saß, nachdem sie sich als Tatort-Kommissarin Martina Böhnisch verabschiedet hatte, übernimmt jetzt die Rolle der Hexe von Endor. Im Einklang mit Chor und Orchester erzählt Führmann packend von den Ereignissen rund um König David. Die Hexe von Endor hat nur einen wenige Minuten währenden Auftritt, den Schudt allerdings herrlich dramatisch gestaltet.
Dass es Abendroth gelingt, die Balance zwischen Musik und Gesang herzustellen, hilft kaum gegen die mangelnde Textverständlichkeit. Die ist in diesem Fall aber kaum von Bedeutung, weil auf französisch gesungen wird. Das ausgelegte Textheft sorgt dafür, der Geschichte folgen zu können. Und die Sprecher haben eine Übersetzung von Hans Reinhart ins Deutsche gewählt.
Mithin gerät der Abend zum Genuss, und das Publikum bedankt sich ausgiebig bei den Akteuren.