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Wiederbelebung eines Phantoms

DAS LACKBALLETT
(Theater der Klänge)

Besuch am
10. Januar 2019
(Premiere)

 

Theater der Klänge im Forum Freies Theater, Kaser­nen­straße, Düsseldorf

Den 100. Geburtstag des Bauhauses nimmt das Theater der Klänge zum Anlass, seine Bemühungen um die wenig beach­teten Bühnen­werke der berühmten Kunst- und Archi­tek­tur­schule mit einer beson­deren Heraus­for­derung fortzu­setzen. Nach dem großen, auch inter­na­tional beach­teten Erfolg mit dem Triadi­schen Ballett, zu dem man immerhin auf einige konkrete Vorlagen zurück­greifen konnte, widmet sich der Regisseur und Musiker Jörg Udo Lensing mit der neuesten Produktion einem Stück Oskar Schlemmers, dessen einmalige Aufführung 1941 zwar verbürgt ist, von dem aber nicht mehr als sechs Skizzen zu origi­nellen Figurinen erhalten sind. Eine Wieder­be­lebung des so genannten Lackbal­letts kommt also eher einer Aufer­stehung eines Phantoms nahe als einer Rekonstruktion.

Diesen Anspruch erheben Lensing und sein Team auch nicht, sondern ihnen geht es um eine eigen­ständige kreative Einbettung der von Christian Forsen nachge­schnei­derten Figurinen in ein 65-minütiges Ballett­spek­takel, in dem neben dem Tanz auch Wort, Licht und Musik eine wichtige Rolle spielen. Ohne die Leistungen aller Betei­ligten abwerten zu wollen, geht von den bizarren Formen der Figurinen der spekta­ku­lärste Reiz aus. Gespielt wird dabei mit den geome­tri­schen Grund­formen und prallen Farben, die wir bereits aus den Kostümen zum Triadi­schen Ballett kennen. Zu sehen sind diesmal eine Segel­fi­gurine, eine Fächer­fi­gurine, eine Schei­ben­fi­gurine, eine Blüten­fi­gurine, eine Kugel­fi­gurine und eine Draht-Licht­fi­gurine. Kostüme, die in ihrer skurrilen Optik die Bewegungs­freiheit bisweilen einschränken, die in Verbindung mit inter­ak­tiven Video-Trans­for­ma­tionen jedoch ein schil­lerndes Farbenmeer garantieren.

Den Kostümen entspre­chend ist die Düssel­dorfer Version des Lackbal­letts in fünf Akte gegliedert, die von einem Prolog und einem Epilog umschlossen werden. Im Epilog verei­nigen sich alle Tänzer und Tänze­rinnen zu einer stili­sierten Sarabande im Stil Georg Friedrich Händels, womit man dem einzigen erhal­tenen Hinweis auf die ursprüng­liche musika­lische Gestaltung nachge­kommen ist. Eine Sarabande in einem kuschel­weichen Synthe­sizer-Sound, der die musika­lische Gestaltung des ganzen Stücks bestimmt. Das führt zu einem stilis­tisch etwas eintö­nigen, psyche­de­lisch gefärbten und süßlich nachklin­genden Klangbad.

Foto © Thomas von der Heiden

Der getra­genen, ruhigen musika­li­schen Kulisse passte die Choreo­grafin Jacqueline Fischer eine bunte Folge unter­schiedlich geformter Tanznummern an, wobei sie tief in das Reservoir tänze­ri­scher Mittel vom Ausdruckstanz bis zu Break-Dance-Anleihen griff. Vielfältige Aufgaben, die dem sechs­köp­figen Ensemble ein hohes Maß an tänze­ri­scher Flexi­bi­lität abver­langen, was die inter­na­tional besetzte Crew auch vorzüglich meistert. Zu nennen sind hier Javier Ojeda Hernandez, Tuan Ly, Cheng­cheng Hu, Phaedra Pisimisi, Francesca Perruci sowie Miriam Gronau, die nicht nur als Kugel­fi­gurine überzeugen, sondern mit Rezita­tionen aus Briefen und Essays Oskar Schlemmers auch als Schau­spie­lerin in eindrucks­vollen Kurzmo­no­logen starke Akzente setzen kann.

Dabei lässt man den Abend sehr ruhig anlaufen. Die ersten zehn Minuten beschäf­tigen sich die noch unkos­tü­mierten Tänzer in totaler Stille mit diversen Stoffen. Man nimmt tastend Kontakt mit den Materialien auf, beginnt sie zu berühren und später zu schwenken, schlingt sie sich um die Leiber, bevor das Ballett an Fahrt aufnehmen kann. Keine schlechte Idee, die sich zeitlich aber straffen ließe.

Insgesamt ist das Lackballett als weiterer Leistungs­nachweis des Theaters der Klänge zu bewerten, was durch den begeis­terten Beifall des Premie­ren­pu­blikums bestätigt wird.

Pedro Obiera

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