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Heißer Tango

LEONEL GASSO QUARTET
(Diverse Komponisten)

Besuch am
29. Juni 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Freibad, Düsseldorf

Schritt, Schritt, Seit, Schluss, Schritt, Schritt, Seit, Schluss. Der Grund­schritt des Inter­na­tio­nalen Tangos, wie er seit Genera­tionen in den Tanzschulen des Allge­meinen Deutschen Tanzleh­rer­ver­bands gelehrt wird. Obwohl histo­risch längst überholt, wird die Schritt­folge immer noch in den Grund­kursen gelehrt. Erst im fortge­schrit­tenen Stadium bekommen die Tanzschüler auch in den Tanzschulen inzwi­schen Gelegenheit, sich mit dem Tango Argentino ausein­an­der­zu­setzen. Dieser aus Buenos Aires nach Europa herüber­ge­schwappte Tanz erfreut sich immer größerer Beliebtheit, insbe­sondere in Deutschland. Man kann sich hierzu­lande quasi von Milonga zu Milonga durch das ganze Land bewegen. Die Milonga ist die Abend­ver­an­staltung, während der das Lebens­gefühl Tango zelebriert wird.

Foto © Michael Zerban

In Düsseldorf trug sich vor vielen Jahren eine Geschichte zu, deren Wahrheit zwar nicht verbürgt ist, die aber drama­tisch genug ist, um hier erzählt zu werden. Jost Budde kehrte mit Stefanie Clausen aus Buenos Aires zurück, wo er sich im Tango Argentino hatte unter­weisen lassen und kam im Tanzhaus NRW unter. Bald wurden seine Tango-Nächte über die Stadt­grenzen hinaus bekannt. Die Löwenburg an der Luden­berger Straße wurde von einem dereinst inter­na­tional erfolg­reichen Tanzpaar betrieben, das sich darauf spezia­li­siert hatte, Erwach­senen den Tanz beizu­bringen. Eine erfolg­reiche Geschäftsidee. Der Tanzlehrer hatte die Idee, Budde an seine Tanzschule zu holen, ließ sich von ihm den Tango Argentino beibringen. Aber die beiden Alpha-Tiere kamen nicht mitein­ander klar. Im Streit trennten sie sich. Der Tanzlehrer jedoch hatte Feuer gefangen, zum Leidwesen seiner Schüler. Fortan versuchte der Tanzlehrer, jedem, der es wollte oder nicht wollte, den Tango Argentino beizu­bringen. Inzwi­schen waren die Tango-Nächte im Tanzhaus legendär, die Club-Mitglieder der Tanzschule eher genervt. Der Gipfel war erreicht, als der Lehrer bei einer Silves­ter­party erst nach Protest einen Walzer zum Neujahr spielte. Zuvor war bereits ein Ehepaar, das an der Bar allzu laut von den Tango-Nächten geschwärmt hatte, des Hauses verwiesen worden. Heute gibt es die Löwenburg nicht mehr, der Tanzlehrer und seine Frau geben inzwi­schen Tanzkurse für Heirats­willige irgendwo am Rande Düssel­dorfs. Aber auch Budde war nicht vom Glück verfolgt. Wilde Tango-Nächte, das passte nicht zum Tanzhaus, fanden die Verant­wort­lichen. Heute ist Budde für die Open-Air-Veran­staltung Tango am Kö-Bogen verant­wortlich und unterhält eine eigene Tango-Schule zu fantas­ti­schen Preisen.

Für echte Anhänger des Tango Argentino ist das nicht mehr als eine Fußnote der Geschichte. Was das bedeutet, kann man heute Abend im Freibad am Worringer Platz erleben. Dort ist das Leonel Gasso Quartet einge­laden. Stühle sind nur am Rand aufge­stellt, um der Tango-Argentino-Gemeinde Gelegenheit zu geben, in den Tanzpausen kurz auszu­ruhen. Denn das hier irgend­jemand am Hochsom­mer­abend vorbei­schaut, um sich lediglich die Musik anzuhören, scheint völlig abwegig. Leonel Gasso ist in Uruguay geboren, tourt heute als Bandoneon-Spieler, Sänger, Komponist und Arrangeur durch die Welt. Begleitet wird er von Juliete Lopez am Klavier, der Kontra­bas­sistin Sophia Price und dem Geiger Ando Andushaj, der auch die rudimentäre Moderation übernimmt. Gespielt wird überwiegend Tango nuevo, viele Kompo­si­tionen Gassos. Inhaltlich bleibt der Zugang der Musik verwehrt, weil es keinen Abend­zettel gibt. Aber wer hierher als Besucher kommt, inter­es­siert sich ohnehin, so scheint es, ausschließlich für die Tanzgelegenheit.

Die Besucher des heutigen Abends sind allesamt erfahrene Tänzer, die beständig ihre Tanzpartner wechseln. Das ist insofern faszi­nierend, als es zwar den Gebräuchen in Buenos Aires entspricht, sich das echte Erlebnis des Tango Argentino aber eigentlich erst in der innigen Ausein­an­der­setzung mit dem Tanzpartner erschließt. Für die braucht es bei hochsom­mer­licher Wärme im Tanzsaal besondere Kondition. Die mag man als außen­ste­hender Beobachter nicht so lange aufbringen wie die Tänzer dieser Gemein­schaft. Und so verhallen die letzten Tango-Klänge beim Verlassen des Worringer Platzes im Gewirr des Straßen­ver­kehrs. Das Freibad aller­dings hat als neue Spiel­stätte erneut seine Vielfalt bewiesen.

Michael S. Zerban

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