O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Meghan Behiel und Linus Weber - Foto © O-Ton

Ungewöhnliche Begegnung

DAS LIED EINER NACHTIGALL
(Julia Coulmas)

Besuch am
13. April 2019
(Urauf­führung)

 

Düsseldorf Lyric Opera, Salzmannbau, Düsseldorf

Eigentlich kümmert sie sich darum, dass ihre Kollegen bei Shows, Galas oder Arien­abenden Auftritts­mög­lich­keiten bekommen. Zu diesem Zweck hat Sopra­nistin Julia Coulmas die Düsseldorf Lyric Opera initiiert, ein Netzwerk für alle an einer Opern­pro­duktion Betei­ligten. Jetzt tritt Coulmas selbst auf die Bühne, um ein Projekt zu verwirk­lichen, dass ihr seit ziemlich langer Zeit am Herzen liegt. Genau genommen seit Beginn ihrer Gesangs­aus­bildung, als ihr Lehrer in ihrer Stimme eine Ähnlichkeit zur Stimme von Bidu Sayão zu erkennen glaubte.

Seither ist viel passiert. Nach Gesangs­studium und erster Karriere an der Tampa Bay Opera im ameri­ka­ni­schen Florida ging Coulmas nach Jena. Anders als geplant, verstummte ihr Gesang allmählich – das Leben hatte eine Pause vorge­sehen und schickte sie nach Düsseldorf. Aber der Wunsch, eigene Musik­pro­jekte zu gestalten, erlosch nicht. Vor zehn Jahren begann sie, sich mit der stimm­ver­wandten Sayão näher zu beschäf­tigen. Während sie allmählich ihre Stimme wieder aufbaute, besuchte sie Lebens­sta­tionen der Sayão. Sie sammelte Materialien zu der bis heute berühm­testen brasi­lia­ni­schen Opern­sän­gerin, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhun­derts eine Weltkar­riere absol­vierte und ihre größten Erfolge an der Metro­po­litan Opera in New York feierte. Wer einmal in den Sog eines anderen Lebens gerät, kann sich daraus nur selten befreien. So ergeht es auch Coulmas. Jetzt präsen­tiert sie ihre erste Multi­media-Aufführung, die sie selbst als Zwischen­station sieht.

Julia Coulmas – Foto © O‑Ton

Im Düssel­dorfer Salzmannbau, einer der „Heimspiel­stätten“ der Düsseldorf Lyric Opera, zeigt sie die ersten Ergeb­nisse ihrer Ausein­an­der­setzung mit der berühmten Kollegin. Die Bühne ist ein erster Versuchs­aufbau. Auf der rechten Seite drängen sich Klavier, Cello und Noten­ständer für die Sängerin, während auf der linken Hälfte viel Platz für die Hinter­grund­pro­jektion einge­räumt wird. Beim Licht gibt es im Bürger­zentrum ohnehin wenig Spielraum. Dessen ungeachtet zeigen Sängerin und Musiker den gewohnt profes­sio­nellen Auftritt. Auch wenn an diesem Abend erst mal alles schief zu gehen scheint, was schief gehen kann. Insbe­sondere bei der Technik der Projektion hapert es zunächst gewaltig, bis Thomasz Hakuba die Präsen­tation im Griff hat. Aber wer hierher­kommt, will ohnehin nicht das Ergebnis millio­nen­starker Budgets sehen, die ein Opernhaus in ein paar Neupro­duk­tionen im Jahr steckt, sondern in seiner Freizeit boden­ständige Künstler erleben, die mit Herz und Seele bei der Sache und ganz nah am Publikum sind. Da darf es ruhig ein bisschen hemds­är­melig sein. Und wenn Sängerin und Musiker in Gala-Garderobe auftreten, ist das doch auch schon schön. Das ist bei der Düsseldorf Lyric Opera immer wichtig, obwohl gar nicht so ganz klar ist, ob das Publikum so viel Wert darauf legt.

Wäre Coulmas heute in Jeans und Bluse aufge­treten, wäre das womöglich sogar noch wirkungs­voller gewesen. Denn hier steht die wunderbare Geschichte im Vorder­grund. In Ich-Form erklingt die Erzählung von der Festplatte über die leistungs­armen Lautsprecher im Saal. Coulmas lässt in bester ameri­ka­ni­scher Erzähl­weise über ihre Begeg­nungen mit Sayão berichten. Neben einer überra­schenden Fülle an histo­ri­schem Bildma­terial erklingen Gesang und Inter­views. Das ist als Sammlung an sich schon eindrucksvoll, die Mischung mit privaten Fotos von ihren Reisen nach Rumänien oder Paris und den Begeg­nungen mit den Menschen dort schaffen eine sehr persön­liche Atmosphäre, auch wenn ein Dramaturg hier sicher noch einen letzten Pfiff hätte hinzu­fügen können. Um die emotionale Seite zu unter­streichen, bietet Coulmas rumänische Volks­weisen und bekannte Arien mit eigenem Gesang dar. Muss sich natürlich dann auch den Vergleich mit der Kollegin gefallen lassen. Der fällt leicht. Coulmas kann in vielen Facetten mit Sayão gleich­ziehen. Was sie unter­scheidet, ist der Unter­schied zwischen der Frau im Getriebe der inter­na­tio­nalen Opernwelt und der Frau, die frei ohne Zwänge ihre Arien zum Besten gibt. Mag jeder für sich selbst entscheiden, was einem da besser gefällt. Dass Coulmas die Kolora­turen fest im Griff hat und mit wunder­voller Textver­ständ­lichkeit auch in Fremd­sprachen daher­kommt, überzeugt jeden­falls auf ganzer Linie. Ja, sie gestattet sich sogar den direkten Vergleich – und den braucht sie tatsächlich nicht zu scheuen.

Ihr zur Seite stehen die vertraute Meghan Behiel, die am Klavier ungezwungen die Begleitung mit ihrem Kollegen Linus Weber am Cello herstellt. Dass ihre Qualität sich nicht auf die Korre­pe­tition beschränkt, beweisen sie in zwei Stücken, die nach der Pause einge­schoben werden. Da gibt es zwei Stücke von franzö­si­schen Kompo­nisten, einer von ihnen ist Gabriel Fauré, die einfach großartig darge­boten werden.

Am Ende des Abends steht der begeis­terte Applaus des spärlich erschie­nenen Publikums und eine Menge Zukunfts­pläne. Coulmas erzählt von CD- und DVD-Produk­tionen, einer Biografie und einer weiteren Aufführung. Denn schließlich steht sie längst mit allen möglichen Menschen in Kontakt, die irgendwie mit Bidu Sayão in Verbindung standen. Da ist also noch einiges zu erwarten. Aber erst, sagt Julia Coulmas, wenn sie in Brasilien war.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: