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Worringer Platz 8 - Foto © Michael Zerban

Kultur greift um sich

LIGHTTRAVELER
(Pascal Touzeau)

Besuch am
24. April 2025
(Premiere)

 

Pascal Touzeau & Co. im Worringer Platz 8, Düsseldorf

Manchmal scheinen die Orte, an denen Auffüh­rungen statt­finden, fast noch spannender als die Veran­stal­tungen selbst. Ein solcher Ort ist der Worringer Platz in Düsseldorf. Wenn hier die aktuelle Entwicklung des Platzes erzählt wird, dann deshalb, weil es solche Areale wohl in jeder größeren Stadt gibt und er so in gewisser Weise stell­ver­tretend steht. 1906 erhielt der Verkehrs­kno­ten­punkt etwa 500 Meter nördlich vom Haupt­bahnhof seinen Namen. Damit begann eine wechsel­volle Geschichte, die 2007 in einem archi­tek­to­ni­schen Fiasko mündet. Als „Platz der Kommu­ni­kation“ apostro­phiert, erlebt der dreieckige Platz, der von Straßen­bahn­schienen zerschnitten und von vielbe­fah­renen Straßen flankiert wird, wohl seinen absoluten Tiefpunkt als idealer Treff­punkt für Drogen­süchtige und Obdachlose. Um ihn herum Döner­buden, ehemalige Tradi­ti­ons­ge­schäfte sind längst vertrieben. Dieses Jahr hat die Stadt durch­ge­griffen, die Bebauung radikal abgeräumt. Statt­dessen gibt es nun ein paar asoziale Bänke, das sind die Sitzmöbel, in deren Mitte Bügel eingebaut sind, damit niemand die Gelegenheit hat, sich dort nieder­zu­legen. Die Bankrott­erklärung einer jeden Stadtentwicklung.

Foto © Michael Zerban

Dabei gab es an dem Platz mal Kultur. Dafür steht die Bauruine der Botschaft Worringer Platz. In den 1950-er Jahren als Operet­ten­theater erbaut, wurde daraus später ein Kino, dann Baumarkt und Büroar­ti­kel­verkauf. Das Forum Freies Theater nutzte es kurzzeitig als Probenraum, zeigte ein paar Auffüh­rungen dort. Mit dem Einzug in das neuge­baute Theater verlor es das Interesse an dem eigentlich schönen Bau. Inves­toren wollten ihn abreißen und ein Mikro­ap­par­te­menthaus errichten, was wohl schließlich am Wider­stand der Anwohner schei­terte. Heute ist das vor sich hin siechende Gebäude ein trauriger Anblick. Der Worringer Platz 8 ist ein Eckhaus schräg gegenüber, ehemals Kölner Straße 73. Hier fand der 1992 gegründete Künst­ler­verein WP8 sein Unter­kommen. Inzwi­schen scheint sich im Stadtrat die Idee durch­zu­setzen, dass man dem Worringer Platz eine Zukunft geben könnte, indem man dort Kunst und Kultur ansiedelt – das Ganze wirkt aller­dings eher halbherzig und vage. Der größere Teil des Erdge­schosses im Worringer Platz 8 ist ein Laden­lokal, den Fassa­den­be­schrif­tungen zufolge wohl zuletzt der Versuch einer Art Wellness-Oase. Vom Friseur über die Nagel­pflege, die Massage und den Festsaal sollte es hier wohl alles geben, um den Anwohnern ein besseres Körper­gefühl zu vermitteln. Gescheitert. Und Marco Fuligni griff zu. Genau, das ist der Mann, der das ES 365 als Kulturort belebt hat, an der Hansa­allee im Stadtteil Oberkassel eine ehemalige Fabrik zum Ort einer Kunst­messe erkoren hat. Im Februar dieses Jahres übernahm er das Laden­lokal am Worringer Platz 8, um daraus einen neuen Ort der Kultur erstehen zu lassen.

Foto © Michael Zerban

Noch sind die alten Struk­turen des Laden­lokals erkennbar. Eine Bar jeweils links und rechts, ein Podium am Kopf des Saals, zahlreiche Abgänge in Neben­räume. Ja, dieser Raum macht Lust, daraus ein Kultur­zentrum zu entwi­ckeln, schon so, wie er jetzt da liegt. Fuligni will ihn Freibad nennen. Und weil es das neue Freibad noch nicht gibt, bekommt Pascal Touzeau Gelegenheit, das „zukünftige Freibad“ zu bespielen. Die Heimat des Choreo­grafen und seiner Compagnie ist eigentlich das ES 365. Dort waren aller­dings die ursprünglich vorge­se­henen Folge­vor­stel­lungen von Light­tra­veler, seiner neuesten Choreo­grafie, die er am 27. März urauf­führte, wegen Umbau­ar­beiten nicht möglich, also bekommen die Tänze­rinnen die Gelegenheit, als erste die neue Spiel­stätte, in der über den Sommer Ausstel­lungen und Auffüh­rungen statt­finden sollen, auszuprobieren.

Eine kluge Entscheidung. Zur Erinnerung: Der Licht­rei­sende ist eine Koope­ration von Touzeau und Desislava Staykova-Learn. Die Künst­lerin steuert das Licht­konzept zur Choreo­grafie bei. Wie also wird das in den neuen Räumlich­keiten wirken? Für die Tänze­rinnen Alice Hunter, Luisa Stehmann, Caroline Powell und Valeria di Mauro scheint der neue Wirkungsort – abgesehen davon, dass hier erheblich angenehmere Tempe­ra­turen als im ehema­ligen Autohaus herrschen – bedeu­tungslos. Sie tanzen grandios wie in der ersten Minute der Compagnie. Das könnten sie vermutlich auch auf dem neuge­stal­teten Worringer Platz unter freiem Himmel. Aber hier gibt es keinen das Licht von Staykova-Learn beflü­gelnden Nebel. Der subjektive Eindruck: Hier ist alles besser. Der kleinere, durch zwei Säulen begrenzte Raum gibt mehr Struktur und Halt für das Auge. Der fehlende Nebel sorgt für bessere Sicht, und die Ideen Staykova-Learns zur Licht­ge­staltung sind klarer erkennbar. Der Abend wird zu einem Reduce to the Max. Das gilt auch für den Auftritt des Licht­rei­senden in Gestalt von Thomas Huy, der hier sehr viel unmit­tel­barer und damit bedroh­licher, aber auch kränkelnder wirkt. Der alte Mann, von der Last der Welt beschwert, der mit seinen Stöcken noch unbarm­her­ziger aufschlägt, muss nun einfach Stehmann nach ihrem Solo mit sich ziehen. Die musika­li­schen Einwürfe klingen heute Abend noch unmittelbarer.

Das Publikum, nun geordnet auf dem Podium sitzend, zeigt sich tief beein­druckt und applau­diert nachhaltig. Ein gelun­gener Einstand in der neuen Spiel­stätte, egal, ob es nun ein preview oder der Beginn einer neuen Veran­stal­tungs­reihe sein wird.

Am 25. April wird es eine weitere Aufführung geben. Und am Tag darauf präsen­tiert die Compagnie eine neue Choreo­grafie mit dem Namen Wings im Rahmen der Nacht der Museen, dann im BBK in der Birken­straße, eine nicht ganz so spekta­kuläre, aber auf jeden Fall lohnende Spielstätte.

Michael S. Zerban

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