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Foto © O-Ton

Entspannte Atmosphäre

MICHAEL CARLETON & FRIENDS
(Diverse Komponisten)

Besuch am
2. August 2023
(Einmalige Aufführung)

 

Fährhaus, Düsseldorf

2019 ließ das Ehepaar Michael und Andrea Schäfer das Hotel und Restaurant Fährhaus im Düssel­dorfer Stadtteil Volmers­werth, direkt am Rhein­ki­lo­meter 734, sanieren. Seither hat sich die Küche einen guten Ruf erarbeitet, der Blick auf den Fluss ist allein einen Besuch wert. Hier hat Michael Carleton in den vergan­genen vier Monaten eine kleine Konzert­reihe etabliert. Geboren im schot­ti­schen Edinburgh, wuchs er in Düsseldorf auf, studierte Klavier an der Royal Scottish Academy of Music in Glasgow und am Royal Manchester College of Music. Seit 1974 arbeitet er in Deutschland als Musik­päd­agoge und Pianist. Inzwi­schen hat er ein Alter erreicht, in dem man sich keine Gedanken mehr um die Karriere zu machen braucht, sondern seiner Leiden­schaft frönen darf. Und man braucht die Auftrittsorte auch nicht mehr unter Prestige-Gesichts­punkten auszu­wählen. Wichtig ist da nur noch der Wohlfühl­faktor. Bei Michael Schäfer, der als Hotel­kaufmann 20 Jahre in England gearbeitet hat, kann der Pianist sich ganz offen­sichtlich wohlfühlen.

Michael Carleton – Foto © O‑Ton

An jedem ersten Mittwoch im Monat richtet er also gemeinsam „mit Freunden“ ein Konzert im Restaurant aus, das gerne auch schon mal vier Stunden dauern darf. Nun sind solche Musik­abende in Restau­rants nicht unumstritten, weil es Gäste gibt, die ihr Abend­essen gern in größt­mög­licher Ruhe zu sich nehmen wollen. Da bedarf es schon der bewussten Entscheidung des Wirtes, einen solchen Abend zu veran­stalten, der damit in Kauf nimmt, dass solche Gäste auf der Türschwelle umkehren und das Restaurant wieder verlassen. Im Fährhaus reicht es aller­dings schon, sich in den hinteren Teil des Raums zurück­zu­ziehen, um dort die Musik nur noch gedämpft wahrzu­nehmen. Und die Idioten – warum sind das eigentlich immer Männer? – die meinen, sie müssten sich neben die Musik­quelle setzen, um anschließend ihrer Begleitung über die Musik hinweg lautstark ein Gespräch aufzu­zwingen, könnten ohnehin getrost fernbleiben. Auch im Fährhaus gibt es an diesem Abend wieder ein solches Exemplar ungeho­belten Gastes. Und damit wäre dann auch der dunkelste Punkt des Abends erwähnt.

Carleton hat Freunde mitge­bracht, die den Anhängern der Düsseldorf Lyric Opera bestens bekannt sind. Als Sängerin tritt Sopra­nistin Julia Coulmas, Leiterin der Düsseldorf Lyric Opera, auf. Der dritte im Bunde ist Luis Pallarolas. Sein Vater war Dirigent und Pianist. Er selbst studierte Querflöte und Saxofon am Konser­va­torium im spani­schen La Coruña, entschied sich dann für eine Laufbahn als Berufs­mu­siker für Tanz-Showmusik. Auch im Unruhe­stand lässt ihn die Musik nicht los. Und so kommen die Gäste heute Abend in den Genuss der Künste des begna­deten Saxofo­nisten, wenngleich eher zurück­haltend. Da hätte es gern ein wenig mehr sein dürfen.

Julia Coulmas – Foto © O‑Ton

Das Prinzip des Abends ist so einfach wie überzeugend. Carleton spielt Medleys aus der Musik für die Zielgruppe. Kleine Häppchen, die einen durch das eigene Leben begleiten. Von Glenn Millers In the Mood über ein paar Takte Abba und Queen bis hin zu den guten alten Beatles-Songs. Neben Michelle sorgt insbe­sondere der Text von When I’m Sixty-Four für viel Spaß, denn viele der hier anwesenden Gäste haben diese Jahreszahl längst hinter sich gelassen. Sie sitzen neben ihren Partnern, die sie oft über Jahrzehnte begleitet haben, und wissen inzwi­schen die Antwort. Im Anschluss an die gelungene Kombi­nation häufig kurzer Stücke, mal mit, mal ohne Begleitung von Pallarolas, bittet Carleton Coulmas an das Mikrofon.

Mit ihrer hinrei­ßenden Stimme umgarnt Coulmas das Publikum mit Can’t Help Lovin That Man, Cry Me a River und läuft zur Höchstform mit Miss Celie’s Blues (Sister) auf. Nach Why Don’t You Do Right gibt es eine von mehreren zwang­losen Pausen, in denen die Musiker Freunde und Bekannte begrüßen, sich auf Gespräche einlassen oder einfach mal ein Gläschen schlürfen. Selten erlebt man einen entspann­teren Konzert­abend als hier im Fährhaus.

Im nächsten Zyklus begeistert die Sängerin mit Summertime, What Are You Doing the Rest of My Life und einer sehr eigenen Version von The Girl from Ipanema, in der von einem jungen Mann statt von den hübschen Mädchen von Rio de Janeiro die Rede ist. Das funktio­niert. Inzwi­schen haben sich auch die beiden Männer beruhigt, die glaubten, durch laute Rede den musika­li­schen Auftritt stören zu müssen. Carleton hat es inzwi­schen längst im Gefühl: Der Abend läuft so entspannt, wie er sich das gewünscht hat. Da kann er auch den letzten Teil voller Vergnügen angehen. Zwei bis drei Gewitter sind vorbei­ge­zogen, und so genießen die Gäste in der unter­ge­henden Sonne über dem Rhein Under My Skin und Over the Rainbow, beides voller Sehnsucht inter­pre­tiert. Nach sage und schreibe drei Stunden, die wie im Flug vergangen sind, beendet das Trio einen überaus erfolg­reichen Abend.

Nicht immer sind es die großen Konzertsäle, die das Publikum wirklich in ihren Bann ziehen. Manchmal kann es auch der ganz kleine Rahmen sein, in dem das Publikum große Gefühle erleben darf. Ob die Reihe fortge­setzt wird, ist noch ungewiss. Wer erleben möchte, wie Carleton mit leichter Hand über die Tasten gleitet, hat dazu am 23. September im Art Café Düsseldorf Gelegenheit.

Michael S. Zerban

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