O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Chrisander Brun

Blick ins Museum

THE MOST HUMAN
(Robin Jonsson)

Besuch am
16. März 2019
(Premiere)

 

Hi, Robot! Das Mensch-Maschine-Festival, Tanzhaus NRW, Düsseldorf

Ein künst­le­ri­sches Mensch-Maschine-Festival, wie es derzeit mit Hi, Robot! in Düsseldorf erstmalig statt­findet, birgt ein großes Risiko. Wie kann verhindert werden, dass die technische Faszi­nation der Akteure einer Aufführung überwiegt? Schon der Eröff­nungs­abend zeigte mehr das technisch Machbare als die künst­le­rische Ausein­an­der­setzung. Mit The most human – etwa: Der Mensch­lichste – von Robin Jonsson wird die Schwie­rigkeit noch augenfälliger.

Die Aufführung findet im Kleinen Saal des Tanzhauses NRW in Düsseldorf statt. Als „Kammer­spiel“ angekündigt, ist die Tribüne mit einer Folie abgehängt, die auch die übrigen Wände der Studio­bühne verkleidet. Stühle sind kreis­förmig aufge­stellt, Kissen davor bieten weitere Sitzplätze. Olivia Riviere betritt den abgedun­kelten Raum. In ihren Armen trägt sie den von Fredrik Löfgren entwi­ckelten Roboter Alex, eine etwa 50 Zenti­meter hohe Figur, die man so oder so ähnlich aus dem vergan­genen Jahrhundert von Messe­vor­stel­lungen kennt. Die Tänzerin stellt den kleinen Mann ab und beginnt, mit ihm zu tanzen. Das funktio­niert nur marginal. Mal vollzieht der Roboter die Bewegungen der Tänzerin nach, mal umgekehrt, mal zeigen beide völlig unter­schied­liche Bewegungs­ab­läufe. Dabei leuchten die weißen Augen des Plastik­mannes, und seine Beweg­lichkeit ist in der Tat eindrucksvoll. Vor allem, als er sich in einer „Pause“ hinkniet, um heftig zu husten. Das sorgt für Heiterkeit.

Alex wird vor die Kopfwand gestellt, auf der nun ein Video zu sehen ist, das Olivia, Alex und Robin Jonsson in einem Probenraum zeigt. Warum? Keine Ahnung. Eine, sagen wir höflich, wenig eindrucks­volle Lasershow von Olivia und Alex schließt sich an. Dann beginnt Alex zu reden. Er fordert das Publikum auf, sich zu erheben, um mit ihm und Olivia zu tanzen. Brav stehen die Zuschauer auf und tanzen mit. Dass hier keinerlei Ansprüche erhoben werden, versteht sich von selbst. Anschließend spricht Alex weiter. Ich sehe dich. Ich habe dich gespei­chert. Ich werde diesen Moment nie wieder vergessen. Das ist alles nett und täuscht vor, der kleine Mann – ein Wunderwerk der Mess‑, Steuer- und Regel­technik aus der Vergan­genheit – habe ein Gedächtnis und könne die erlebten Eindrücke verar­beiten. Den Beweis bleibt Alex schuldig. Die anwesenden Kinder schauen verständ­nislos, weil sie kein Englisch verstehen, finden Alex aber immer noch niedlich. Und toll, dass er viel plappert. Da fällt es nicht so auf, dass es keinen Dialog gibt.

Foto © Chrisander Brun

Das Ganze erinnert ältere Genera­tionen an ihre Faszi­nation von Sprech­puppen. Die konnten zwar noch nicht laufen, aber ihre Stimmen waren ganz ähnlich. Die waren auch so süß! Man konnte sie kämmen und anziehen. Und sie verstummten ebenfalls selbst­ständig. So wie Alex, der sich noch rasch verab­schiedet, ehe er sich flach auf den Boden legt und abschaltet. Dass es sich um eine besonders teure Sprech­puppe handelt, wird deutlich, wenn man beobachtet, mit welcher Behut­samkeit Alex von Olivia und Robin behandelt wird.

Auf dem Abend­zettel steht schwarz auf weiß, dass mit dieser Veran­staltung das Festival in die falsche Richtung kippt. „Im Anschluss an die Perfor­mance Erklär-Bots: Was sind Androiden und ab wann gelten sie als autonom? Wo lernen sie ihre menschen­ähn­lichen Bewegungen, und welcher Techno­logien bedarf es?“ Gut, die Ausdrucks­weise ließe Pickel auf den Zungen von Deutsch­lehrern blühen, aber darum geht es nicht. Es ist keine Veran­staltung für angehende Robotik-Ingenieure, sondern ein künst­le­ri­sches Festival. Welcher Gewinn ergibt sich also in der künst­le­ri­schen Ausein­an­der­setzung? Kurze Antwort: Keiner. Die Choreo­grafie, Regie oder was auch immer ist eine 50-minütige Show, wie sie seit Jahren auf Messen gezeigt wird – weniger dunkel, weniger musika­lisch, meist ohne Tänzerin, man bevorzugt dort häufiger die fußbal­le­ri­schen Fähig­keiten des Roboters. Kurzum: Der Kunst dient dieser Abend nicht.

Das Publikum applau­diert einem ausge­sprochen niedlichen Roboter, der nun leblos wie ein totes Baby in den Armen von Jonsson liegt. Aus Sicht eines Androiden oder eines Repli­kanten sicher ein schreck­liches Bild. Noch bis Ende März haben die Veran­stalter Zeit, die künst­le­ri­schen Aspekte in den Vorder­grund zu schieben. Dass man dabei überhaupt den Versuch der Veran­stalter, ein solches Festival auf die Bühne zu heben, gar nicht hoch genug schätzen kann, versteht sich von selbst. Und da sind auch Irrläufer erlaubt.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: