Reines Vergnügen

MOZART & PARADIS
(Wolfgang Amadeus Mozart, Maria Theresia Paradis)

Besuch am
8. September 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Düssel­dorfer Toy Piano Festival im Goethe-Museum, Düsseldorf

Seit 1993 gibt es den Tag des offenen Denkmals, an dem viele sonst nicht zugäng­liche Denkmale für die Bürger geöffnet werden. Er findet immer am zweiten September-Wochenende statt. Für das Goethe-Museum in Düsseldorf willkommene Gelegenheit, bereits zum dritten Mal das Düssel­dorfer Toy Piano Festival von Frederike Möller in einen Saal in die zweite Etage einzu­laden. Ein wunder­bares Ambiente für Musik des 18. Jahrhun­derts, findet Pianistin Möller und hat ein entspre­chendes Programm für den zweiten Teil ihres Festivals zusam­men­ge­stellt. Bereits zwei Wochen zuvor fand der erste Teil mit ihrer langjäh­rigen Partnerin Yukiko Fujieda im Palais Wittgen­stein statt, in dem Romanzen das Thema waren.

Nun, im fast vollbe­setzten Saal des Goethe-Museums, soll es um Konzert­rei­sende gehen. Einer der beiden ist so bekannt, dass man seinen Namen eigentlich gar nicht zu nennen braucht, um zu wissen, um wen es geht. Dieser Wolfgang Amadeus Mozart aller­dings kannte die von Geburt an blinde Maria Theresia Paradis, die als Sängerin, Pianistin, Kompo­nistin und Musik­päd­agogin wirkte. In Wiener Musik­kreisen war sie bekannt wie ein bunter Hund. 1873 begab sie sich auf eine dreijährige Europa-Tournee, während der sie auch kompo­nierte, vor allem aber als Pianistin Berühmtheit erlangte. Nach einer kurzen Vorstellung der Paradis schreitet Möller zum Toy Piano, das auf dem Flügel platziert ist, und beginnt den musika­li­schen Vortrag mit Thema und Variation aus Ah vous dirai-je maman. Dann gibt sie zwei Beispiele aus der bekann­testen Kompo­sition, 12 Lieder auf ihrer Reise in Musik gesetzt, der Paradis. An das Klavier und Der Aufer­ste­hungs­morgen zeigen nicht nur die Finger­fer­tigkeit der Pianistin, sondern auch, wie sie das Spiel­zeug­klavier an seine Grenzen bringt.

Foto © O‑Ton

Es soll, so der erklärte Wille Möllers, um das reine Vergnügen gehen. Da bietet sich Mozarts Diver­ti­mento Nr. 11 in D‑Dur, bekannt unter dem Namen Nannerl-Septett, förmlich an. Dazu begrüßt Möller das Ensemble Musik­labor, acht Musiker, die ihrem Dirigat mit – eben – Vergnügen folgen. Gespielt wird der erste Satz Allegro molto. Gleich drei weitere Lieder aus 12 Lieder auf ihrer Reise in Musik gesetzt führt Möller an einem Toy Piano von Michel­sonne aus Paris auf, einer „Stradivari der Toy Pianos“, wie die künst­le­rische Leiterin stolz verkündet. Aller­dings überzeugen auch hier eher die Spiel­künste Möllers als der Klang. Wie der unscheinbare, hellbraune Kasten, an dem sich eine Tastatur hervor­klappen lässt, zu seinem Ehren­titel kommt, bleibt ein Geheimnis.

Überzeu­gender ist da schon der Klang eines Miniatur-Xylofons, das sich Möller eigens zu diesem Anlass von einem Sammler von Tasten­in­stru­menten ausge­liehen hat. Mit Ein Mädchen oder Weibchen aus der Zauber­flöte gibt es ein gelun­genes Inter­mezzo, ehe das Musik­labor wieder auftritt, um den ersten Satz aus dem Klavier­konzert in C‑Dur von Mozart erklingen zu lassen. Es folgen Menuetto – Andantino – Allegretto und Menuetto: Tema con Varia­zioni aus dem Nannerl-Diver­ti­mento. Und dann gelingt Möller noch ein beson­derer Coup. Ihr eigenes Arran­gement des Rondos Alla Turca aus der Klavier­sonate Nr. 11 führt in der Kombi­nation von Toy Piano und Flügel zu Brava-Rufen. Mit den beiden letzten Sätzen des Nannerl-Septetts kommt der Nachmittag nach einer guten Stunde zu seinem vergnüg­lichen Ausgang.

Eine Zugabe erscheint dem ausgiebig applau­die­renden Publikum nicht erfor­derlich, und so entfällt sie kurzerhand. Möller ist das egal. Sie strahlt über das ganze Gesicht. Und sie hat allen Grund dazu. Von dem Moment, an dem man einzeln per Knopf­druck in das Museum einge­lassen wird, bis zum Verlassen des Museums – einige Besucher nutzen die Chance, auch gleich noch mal in die unteren Abtei­lungen des Museums hinein­zu­schnuppern, so soll es sein – ist der Nachmittag ein rundum gelun­genes Ereignis.

Und viele Besucher werden Frederike Möller ohnehin in Kürze wieder­sehen. Dann nicht mehr in der Eigen­schaft als künst­le­rische Leiterin eines bis heute als ein bisschen kuriosen Festivals mit Spiel­zeug­kla­vieren geltenden Zwei-Konzert-Festes. Sondern ab Ende des Monats als Inten­dantin des 19. Inter­na­tio­nalen Düssel­dorfer Orgel­fes­tivals, das als eines der größten in ganz Europa gilt. Sie wird, das ist aus den vergan­genen Jahren bekannt, es mit der gleichen Souve­rä­nität leiten, mit der sie heute das Publikum verzaubert hat.

Michael S. Zerban

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