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Jugenderinnerungen

ORGEL & FILMMUSIK
(Diverse Komponisten)

Besuch am
17. Oktober 2024
(Einmalige Aufführung)

 

IDO-Festival in der Evange­li­schen Dankes­kirche Benrath, Düsseldorf

Die Dankes­kirche in Benrath, dem südlichsten Stadtteil der Landes­haupt­stadt Düsseldorf, ist eine der Spiel­stätten des Inter­na­tio­nalen Düssel­dorfer Orgel-Festivals. Zu Recht. Die evange­lische Kirche gibt es seit 1915. Sie hat eine anhei­melnde Atmosphäre, atmet mit ihrer Innen­aus­stattung bei aller Einfachheit Größe. Die Orgel, die auf einer Empore hinter der Kanzel unter­ge­bracht ist, gibt es seit 1967. Eine pracht­volle Kulisse. Trotzdem braucht es origi­nelle Programme, um den Festival-Besuchern den Abend schmackhaft zu machen. Denn die Anreise von außerhalb des Stadt­teils ist nicht ohne. Parkplätze sind in unmit­tel­barer Umgebung Mangelware, und für die Fahrt mit dem ÖPNV sollte man ausrei­chend Zeit einplanen.

Die Sängerin Désirée Brodka hat zusammen mit dem Organisten Hans-André Stamm ein Programm einstu­diert, das so ungewöhnlich wie attraktiv klingt. Dabei hätte der Titel statt eines Orgel & Filmmusik ruhig etwas reiße­ri­scher sein dürfen. So erfährt der Besucher erst beim Blick in das Programmheft, dass Brodka ihre Lieblings­musik aus den Disney-Zeichen­trick­filmen zusam­men­ge­stellt hat. Eine großartige Idee. Wer von uns ist nicht mit Cinde­rella, Arielle, Dumbo, den 101 Dalma­tinern oder Pocahontas aufge­wachsen? Bis heute erfreuen sich die Filme größter Beliebtheit. Mit Stamm hat sie einen Organisten an ihrer Seite, der auf der Orgel weitaus mehr als die Lobpreisung Gottes zustande bringt. Es verspricht also, ein mindestens unter­halt­samer Abend zu werden.

Foto © O‑Ton

Stamm eröffnet den Reigen mit Bibbidi-Bobbidi-Boo aus Cinde­rella, einem Film, der 1950 herauskam. Er studierte das künst­le­rische Orgel­spiel in Liége, anschließend katho­lische Kirchen­musik an der Düssel­dorfer Robert-Schumann-Hochschule. Eigene Kompo­si­tionen öffneten den Horizont. Und so erschließen sich ihm die Möglich­keiten der Orgel weit über das übliche Maß hinaus. Da ist die Musik von Mack David und Al Hoffmann für den Lever­ku­sener eher Vergnügen als Schwie­rigkeit. Wer Désirée Brodka kennt, weiß, dass die Vorlieben der an der Robert-Schumann-Hochschule ausge­bil­deten Opern­sän­gerin über die Musik hinaus­gehen. Aus ihren jährlichen Open-Air-Tourneen, mit denen sie dafür sorgt, dass auch Menschen ohne Vorbildung in der klassi­schen Musik Zugang zu Oper und Operette finden, kennt man sie zudem als Modera­torin, die auch schwierige Zusam­men­hänge mit Humor erläutert. Auch heute Abend reicht ihr nicht, das Programm abzunudeln. Gern ordnet sie die Stücke im Kontext des jewei­ligen Films ein und weiß auch so manche Anekdote zu den Filmen selbst zu berichten. Und weil sie ja die Rollen von Prinzes­sinnen singt, präsen­tiert sie sich in edlen Abend­roben. Mit So this is love aus dem gleichen Film, einer roman­ti­schen Ballade, die Cinde­rella singt, ehe sie beim Glocken­schlag vom Ball fliehen muss, eröffnet Brodka ihren überwiegend lyrischen Gesang.

Neun Jahre später erschien Dornröschen, ein weiterer Klassiker aus der Walt-Disney-Schmiede, im Original Sleeping Beauty. Sammy Fain und Jack Lawrence verfassten auf der Grundlage von Peter Tschai­kowskis Ballett­musik den Song Once Upon a Dream, der als Titellied und Finale erklang. Brodka singt die deutsche Version von Einmal in einem Traum. Ebenfalls von Sammy Fain stammt der Song Jemand wartet auf Dich aus Bernhard und Bianca, einem Film, der bereits 1977 veröf­fent­licht wurde. Erklärter Lieblings­kom­ponist der Sängerin ist Alan Menken, der I won’t say I’m in love für den Film Hercules aus dem Jahr 1997 verfasste. Ganz weit zurück in das Jahr 1946 geht es mit Zip-a-dee-doo-dah von Allie Wrubel aus dem Film Onkel Remus‘ Wunderland, der weitest­gehend in Verges­senheit geriet.

Nicht länger als zwei Minuten sind die musika­li­schen Kleinode, die Brodka in schneller Folge, aber liebevoll und kunst­fertig zum Besten gibt. Dass sie dabei sämtliche Mittel von der Kantilene bis zur Koloratur einsetzt, sorgt für Begeis­terung. Bei Stamm aller­dings hätte man sich eine längere Version gewünscht, als er als Orgel-Solo zum Dschun­gelbuch aus dem Jahr 1967 greift. Probier’s mal mit Gemüt­lichkeit von Balu, dem Bären, darge­boten, nachdem es Terry Gilkyson kompo­niert hat, kann man nicht einfach in zwei Minuten abfeiern, schon gar nicht, wenn es so schön trans­po­niert ist. Aber Beschwerden sind nicht zugelassen.

Foto © O‑Ton

Brodka nutzt ihre Pause, um vom silbrig­schim­mernden, weißen Ballkleid in eine Robe aus verschie­denen Blautönen zu wechseln, die mit raffi­niertem Schnitt in trans­pa­renten Falten des Rocks einen Blick auf die langen Beine der Sängerin erlaubt. Und wirklich geht es nun, zumindest vorüber­gehend, zu maritimen Themen. Die Jahres­sprünge werden in der Folge deutlich größer. Nach Spiegelbild aus Mulan, 1998 erschienen, geht es zu Elliot, das Schmun­zel­monster aus dem Jahr 1977, für das Al Kasha und Joel Hirschhorn das Lied So wie der Licht­schein auf dem Wasser kompo­niert haben.

1989 erschien ein weiterer Welterfolg von Walt Disney, die Meerjungfrau Arielle. Mit Arielles Traum von Alan Menken verbindet Brodka bis heute ein beson­deres Ereignis. Im Alter von zarten neun Jahren erlangte sie mit dem Vortrag den Ersten Preis beim Kaarster Klein­kunsttag, den sie sich aller­dings mit einem anderen Mädchen teilen musste. Heute darf sie offen gestehen, dass sie das damals maßlos geärgert hat – was sie nicht daran hindert, das Lied heute Abend ganz bezau­bernd vorzu­tragen. Im Jahr 1941 kam Dumbo in die Kinos, der kleine Elefant mit den großen Ohren, der wohl bis heute noch Kinder­herzen verzückt. Daraus gibt es Baby mine von Frank Churchill, ein tröstendes Lied.

Cruella de Vil von Mal Leven aus 101 Dalma­tiner intoniert Stamm allein an der Orgel, ehe mit Colors of Wind aus dem 1995 veröf­fent­lichten Anima­ti­onsfilm Pocahontas ein weiterer Song von Lieblings­kom­ponist Menken erklingt. Von ihm stammt auch Gott, Deine Kinder aus dem Glöckner von Notre Dame, der 1996 in die Kinos kam. Mit Lass jetzt los von Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez aus Die Eiskö­nigin – völlig unver­froren wurde es 2013 gar regel­recht poppig, für echte Disney-Fans eher der Untergang des Zeichen­trick-Imperiums, aber trotzdem schön darge­boten von Désirée Brodka.

Als Zugabe hat sich die Sängerin den vielleicht schönsten Song aus der Filmwelt vorbe­halten. Bis heute unver­gessen ist Spoonful of Sugar der Sherman Brothers aus dem Welterfolg Mary Poppins, der zu schön ist, um wahr zu sein. Brodka intoniert den Löffel voller Zucker mit dem nötigen Liebreiz und keck genug, um die Herzen des Publikums ein letztes Mal zu erreichen. Nach einer letzten Zugabe geht ein herzer­fri­schender Abend zu Ende, der viele Erinne­rungen an die eigene Jugend wieder wach werden ließ.

Michael S. Zerban

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