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Foto © O-Ton

Auf dem Weg nach oben

ORGELKONZERT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
3. November 2024
(Einmalige Aufführung)

 

St. Mariä Himmel­fahrt, Düsseldorf

Das Inter­na­tionale Düssel­dorfer Orgel-Festival geht gerade zu Ende. Da sollte man eigentlich ausrei­chend Orgel­musik gehört haben. Aber dem Kantor der Kirche St. Mariä Himmel­fahrt im Düssel­dorfer Stadtteil Unterbach, Ingo Hoesch, ist ein Coup gelungen, dem man nicht wider­stehen kann. Seit Jahren kennt er die junge Frau, hat sie immer wieder in seine Gemeinde einge­laden, und nun hat sie endlich Zeit gefunden, ihn zu besuchen. Die Rede ist von Dariia Lytvishko. Im ukrai­ni­schen Luzk geboren, kam sie vor zehn Jahren nach Deutschland, um Kirchen­musik zu studieren. Inzwi­schen spricht sie perfekt deutsch und hat ihren Master absol­viert. Seitdem ist es eng in ihrem Termin­ka­lender. Ihre Spiel­freude und Virtuo­sität an der Orgel haben sich wie ein Lauffeuer herum­ge­sprochen. Und so reist sie durch die Lande, also durch die europäi­schen Lande, um Konzerte zu geben. London, Paris, aber auch Reckling­hausen – Haupt­sache, sie kann spielen. Und nun eben auch in Unterbach.

Es war nicht immer alles nur lustig in den ersten 30 Jahren, aber sie hat sich nicht klein­kriegen lassen. Heute weiß sie, dass sie als Konzert­or­ga­nistin arbeiten will. Und das wollen die Leute auch. Wer sie kennen­lernt, weiß sehr schnell ihre Boden­stän­digkeit, ihre Reife und ihre Lebens­freude zu schätzen. Das wird schon bei der Begrüßung deutlich. Nach einigen einlei­tenden Worten – unter anderem erzählt er, dass sie seit Beginn des Krieges in der Ukraine bereits 40 Benefiz-Konzerte gegeben hat – reicht Hoesch ihr das Mikrofon. Sie nimmt den Faden auf, als sie über das erste Stück im Programm spricht.

Foto © O‑Ton

Mykola Kolessa war 103 Jahre alt, als er 2006 in Lwiw starb. Seine Passa­caglia stammt aus dem Jahr 1929 und ist ursprünglich für Klavier geschrieben. Auf der Orgel klingt sie aller­dings wie neue Musik. Lytvishko fordert das Publikum auf, sich davon gar nicht irritieren zu lassen. Und stellt ihnen eine „Höraufgabe“. Der Ausbruch des Krieges habe ihr Leben verändert, ihm die Unbeschwertheit genommen. Aber bei dem Straßenlied, so die Übersetzung für Passa­caglia, werde ihr immer wieder bewusst, dass es nicht auf die Schwie­rig­keiten im Leben ankommt, sondern darauf, dass wir in den meisten Ländern Europas in Frieden und Wohlstand leben dürfen. „Seien wir ehrlich: Uns fallen hier keine Bomben auf den Kopf“, sagt sie. Und bittet die Besucher, sich auch das einmal wieder vor Augen zu führen, wenn sie einem Kompo­nisten zuhören, der in seinem Leben eigentlich immer nur Krieg oder kriegs­ähn­liche Zustände erlebte. Dann entzieht sie sich wohl oder übel, um an den Spiel­tisch außerhalb des Blick­feldes zu gelangen.

Sämtliche Befürch­tungen sind unbegründet. Von der ersten Sekunde an lässt sich das Publikum von der Musik Kolessas gefan­gen­nehmen. Ein großar­tiges Stück, das man sich auf dem Klavier nicht so recht vorstellen mag. Felix Mendelssohn Bartholdys Werk Prélude und Fuge in e‑Moll vermag, obwohl ebenfalls virtuos vorge­tragen, nicht die Wirkung zu erzielen. Vielleicht auch, weil die Vorfreude auf das nächste Stück zur Ungeduld verleitet. Melodie von Miroslav Skoryk aus dem Jahr 1982 ist so etwas wie die spiri­tuelle Hymne der Ukraine. Ursprünglich als Filmmusik verfasst, erinnert es heute an den Holodomor und die Revolution der Würde, ist gerade wieder neu emotional aufge­laden und findet in nahezu jedem Konzert statt, das mit der Ukraine zusam­men­hängt. Skoryk ist eine Musik gelungen, die die Sehnsüchte der Ukrainer beflügelt. Zunächst für Flöte und Klavier kompo­niert, ist das wunderbare Werk inzwi­schen für alle erdenk­lichen Instru­mente arran­giert worden. Carolyn Schuster Fournier hat es für die Orgel aller­dings herzlich wenig überzeugend bearbeitet. Da hilft alle Spiel­kunst nicht. Wer beispiels­weise ein Arran­gement mit Geige und Klavier gehört hat, wird von der Orgel­fassung enttäuscht sein.

Foto © O‑Ton

Das weiß Lytvishko mit dem Danse macabre von Camille Saint-Saëns elegant auszu­gleichen und vergessen zu lassen. Mit der Meditation aus der Symphonie Nr. 1 von Charles-Marie Widor schafft die Organistin einen eleganten Übergang zum nächsten Höhepunkt. Nein, man muss Orgel­musik gar nicht mögen und kann getrost allen Vorur­teilen gegenüber der „Königin der Instru­mente“ anhängen: Der Salamanca und erst recht dem Hamburger Totentanz von Guy Bovet wird sich niemand entziehen können oder auch nur wollen. Mindestens in der Inter­pre­tation von Lytvishko nicht.

Dass es zum Ausklang durchaus Unter­halt­sames sein darf, ist legitim. Und da erfreut sich bei der Orgel die Filmmusik großer Beliebtheit. Wenn also wie jetzt die Fantasia on Mission Impos­sible von Lalo Schifrin erklingt, vor allem in solch wunder­barer Akzen­tu­ierung zu hören ist, kann man sich einfach nur freuen. Auch wenn man für einen Moment überlegt, ob sich das Stück nicht eher als Abschluss eignet. Aber das mag Geschmacks­sache sein. Lytvishko entscheidet sich für die Phantasy on „Hedwig’s Theme“ from „Harry Potter“ von John Williams in einer Bearbeitung von Christian Neitz zum Finale, und das funktio­niert weniger spekta­kulär auch.

Mit einer guten Stunde Spiel­dauer ist kein Hörer überfordert, und es bleibt noch ausrei­chend Energie, um Dariia Lytvishko im Stehen und sehr lange zu applau­dieren. Star-Allüren sind der begna­deten Künst­lerin fremd, ihr steht die Freude ins Gesicht geschrieben, dass sie dem Publikum eine Freude bereiten konnte. Wunderbar.

Der nächste Karrie­re­schritt, verrät sie im persön­lichen Gespräch, steht bereits bevor. Für Naxos wird sie ein Album mit Toccaten und Medita­tionen aufnehmen. Und Ingo Hoesch? Der Kantor freut sich über den promi­nenten Besuch, verrät aber schon mal, dass der nächste im ersten Quartal des kommenden Jahres erwartet wird. Unterbach wird zum Geheimtipp.

Michael S. Zerban

Einen Ausschnitt des Konzerts kann man sich hier auf dem Video anschauen.

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