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Fast eine Schlacht

POWER MOVES
(Fabien Proville)

Besuch am
28. November 2019
(Urauf­führung)

 

Tanzhaus NRW, Großer Saal, Düsseldorf

Da ist dem Tanzhaus NRW in Düsseldorf ein kleiner Coup gelungen. Recht­zeitig eine Woche vor dem Festival Funkin‘ Stylez – einem Urban Dance Battle – präsen­tiert sich Fabien Prioville mit einer neuen, zum Thema passenden Choreo­grafie im Großen Saal des Hauses an der Erkrather Straße. Unter power moves versteht man die Bewegungen beim Hip-Hop, bei denen sich der Tänzer schnell auf dem Rücken oder Kopf dreht. Und so hat Prioville auch das knapp einstündige Werk benannt, das jetzt zur Urauf­führung kommt.

Der Choreograf, der in Frank­reich Tanz studierte, ab 1999 am Pina-Bausch-Tanztheater in Wuppertal mitar­beitete und inzwi­schen seine eigene Compagnie in Düsseldorf hat, die eng mit dem Tanzhaus NRW koope­riert, geht mit Power Moves einen neuen Weg. In den vergan­genen Jahren setzte er sich vor allem mit den Auswir­kungen ausein­ander, die moderne Kommu­ni­ka­ti­ons­medien auf zwischen­mensch­liche Prozesse haben.

POINTS OF HONOR

Musik



Tanz



Choreo­grafie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Jetzt hat er fünf hochka­rätige Hip-Hop-Tänzer aus Südost-Asien und Europa um sich versammelt, um sich mit den unter­schied­lichen Ausdrucks­formen des ursprüng­lichen Straßen­tanzes zu beschäf­tigen. Bewusst hat er dabei Spezia­listen einge­laden, um mögliche Gegen­sätze und Extreme zu entdecken. Shanice Elisazbeth Kwok aka Lady Bird hat sich auf das locking fokus­siert, bei dem der Tänzer aus einer schnellen Bewegung heraus in einer bestimmten Position blockiert. Unter popping vermag man sich nicht direkt etwas vorzu­stellen, aber wenn man den Begriff moonwalk hört, weiß jeder, was gemeint ist. Darauf hat sich Paris Crossley spezia­li­siert. Ong Xing Khai aka Te Double Dy Teddy, der sich eher als Grenz­gänger zwischen den einzelnen Diszi­plinen versteht, setzt sich vor allem dafür ein, die Geschlech­ter­ste­reotype in der Tanzkunst aufzu­brechen. Der Break­dancer, der als „best B‑boy“ in Malaysia aufmischte, ist Mohammad Farid Bin Mohd Yasin alias Khenobu. Längst ist er auf inter­na­tio­nalen Bühnen unterwegs. Vladislav Buravzev schließlich studierte an der Folkwang-Uni in Essen und entwi­ckelte noch einmal einen ganz eigenen Stil.

Foto © Mischa Lorenz

Fünf ganz eigene Persön­lich­keiten müssen also zu einer Gesamt­cho­reo­grafie zusam­men­finden. Die Bühne ist dunkel. Der Vorhang geht auf. Knarzende Turnschuhe und das typische Geräusch offener Schnür­senkel, die über den Fußboden schleifen, sind zu hören. Tobias Heide, der insgesamt für immer wieder schöne und adäquate Effekte in Weißlicht sorgt, dreht langsam das Licht auf, und zum Vorschein kommen die fünf Tänzer, die sich zunächst im Gleich­schritt kreis­förmig über die leere Bühne bewegen. Prioville baut seine Choreo­grafie ähnlich einem battle auf. So wird der gemeinsame Tanz mehrerer Hip-Hop-Tänzer genannt, die sich sowohl wie in einem Wettbewerb zuein­ander bewegen als auch zu Gruppen zusam­men­finden. Zwischen­durch bekommen die einzelnen Teilnehmer Gelegenheit für Soli. Heraus­ragend, vor allem für das Publikum an diesem Abend, ist der Einsatz von High-Heels. Sowohl wenn die Männer darin auftreten als auch, wenn die Damen die hohen Absätze übernehmen. Und wenn Buravzev mit scheren­schnitt­ar­tigen Handbe­we­gungen seine einzig­artige Choreo­grafie aufführt, findet das Publikum das außer­or­dentlich komisch.

Man kann an diesem Abend viel über die verschie­denen Diszi­plinen des Hip-Hops lernen und sieht hier sicher auch eine Auswahl der Besten der Welt, die ihre Stile präsen­tieren. Untermalt wird der Abend von verschie­denen Klang­tep­pichen wie einer englisch­spra­chigen Erzählung zu Beginn oder musika­li­schen Einlagen. Das dröhnt von der Festplatte und gefällt dem Publikum.

Dem Kritiker gefällt hier ganz und gar nicht, dass, obwohl hier doch wirklich das Feinste vom Feinsten des Genres zu sehen ist, ihn nichts, aber auch gar nichts erreicht. Schön getanzt, mit der richtigen Musik untermalt, bleibt mögli­cher­weise noch die Faszi­nation für die handwerk­lichen Fähig­keiten. Emotional ist der Abend ein blinder Fleck. Das Beunru­hi­gende daran ist die Begeis­terung in der Zielgruppe, die an diesem Abend auffallend jung ist. Da gibt es die Abordnung der Studie­renden der Folkwang-Uni, die sich an der Aufführung von Buravzev begeistern, da gibt es die Gäste der hausei­genen Akademie, die nicht genug vom High-Heels-Tanz bekommen können. Aber mehr als handwerklich gut gemachte Oberfläche ist doch kaum zu sehen.

Natürlich hat eine solche Aufführung ihre Berech­tigung, vor allem im Hinblick auf das bevor­ste­hende Festival, auf dem noch vieles mehr an solcherlei Darbie­tungen zu sehen sein wird. Insofern darf man wohl von einem großar­tigen Auftakt sprechen. Und vollkommen zu Recht werden die Tänzer wie der Choreograf ausgiebig gefeiert. Ob aller­dings turfing, jerkin‘ oder krumping die emotio­nalen Eindrücke zeitge­nös­si­schen Tanzes ersetzen können, sei dahingestellt.

Michael S. Zerban

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