O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Große Musiker mit Miniaturen

THE PREMIERES
(Diverse Komponisten)

Besuch am
27. März 2024
(Urauf­führung)

 

Jazz-Schmiede, Düsseldorf

Woran krankt der Jazz? Er schweigt sich tot. Noch immer glauben allzu viele Musiker, es reiche, wenn sie irgendwo auftreten, um das Publikum magisch anzuziehen. Sorgten nicht einige Festival-Veran­stalter dafür, dass ihre Namen mal auf Plakaten auftauchten, würden vermutlich sogar die Besten unter ihnen in der Versenkung verschwinden. Das sind Assozia­tionen, die man hat, wenn man zu einem Saxofon-Abend in der Düssel­dorfer Jazz-Schmiede geht. Die Ankün­digung der Aufführung ist marginal. Set-31 spielt The Premieres. Die Jazz-Schmiede weist darauf hin, dass es keine ihrer Veran­stal­tungen ist, sondern sie lediglich den Raum zur Verfügung stellt, Gastro­nomie gibt es keine und außerdem handele es sich um „Neue Musik“. Gibt es mehr Argumente, die gegen einen Besuch sprechen? Immerhin erfährt man noch, dass vierzehn Urauf­füh­rungen vorge­sehen sind.

Die Begrüßung ist freundlich, der Anblick traurig. Fünf Besucher, ein Presse­ver­treter, der Haustech­niker, ein Moderator und drei Musiker sind in dem Saal zugegen. Später wird noch Oskar Gottlieb Blarr dazustoßen, Komponist und Kirchen­mu­siker. Die Aufführung soll als Video aufge­zeichnet werden, ist gefördert, also findet sie auch statt. Der Moderator ist Christian Banasik, Düssel­dorfer Komponist und Freund der Musiker, der eine der Urauf­füh­rungen beisteuert. Es wird die beste des Abends sein. Vorerst verrät er immerhin, dass es das Gründungs­konzert des Ensembles Set-31 ist.

Frank Timpe – Foto © O‑Ton

Eigentlich hätten schon die Namen der Musiker für einen Auflauf sorgen müssen. Aubrey Snell studierte klassi­sches Saxofon in Den Haag bei Frank Timpe. In Utrecht schloss sie ihr Master-Studium mit Auszeichnung ab. Seither war sie in vielen Ensembles in den Nieder­landen und inter­na­tional unterwegs. In der jüngeren Vergan­genheit fiel sie vor allem als Schau­spie­lerin und Regis­seurin in verschie­denen musik­thea­tra­li­schen Produk­tionen auf. Als Mitglied renom­mierter inter­na­tio­naler Ensembles, Dirigent von Big Bands und Lehrer hat sich Elmar Frey einen Namen gemacht. Altmeister ist Frank Timpe, der in Hannover geboren ist, in Den Haag klassi­sches Saxofon und Basskla­ri­nette studierte und mit Auszeichnung abschloss. Inter­na­tionale Festival-Auftritte, vielfache Preise und Profes­suren in Den Haag und Mainz kennzeichnen seinen Lebensweg. Als Studio­mu­siker nahm er über 30 Alben mit Orchestern, Kammer­musik-Ensembles und verschie­denen Bands auf.

Nun haben sich die drei Musiker also zu einem Ensemble zusam­men­ge­schlossen und für ihren ersten Auftritt einige Vorarbeit geleistet. Sie haben Kompo­nisten auf der ganzen Welt gebeten, ihnen Minia­turen für ihre Instru­mente zu schreiben. Im Vorder­grund soll dabei das Bass-Saxofon stehen. Und allzu gern sind die Tonsetzer ihrer Bitte gefolgt. Egal, ob die kurzen Kompo­si­tionen aus den Nieder­landen, Schweden, Irland, Island, Amerika, Frank­reich oder Deutschland kommen: Besser können die Saxofo­nisten die Univer­sa­lität von Musik nicht zeigen, als sie kommen­tarlos anein­an­der­zu­reihen. So ergibt sich aus den ersten dreizehn Urauf­füh­rungen ein vielfäl­tiges und abwechs­lungs­reiches Stück, in dessen Vorder­grund wunsch­gemäß das Bass-Saxofon Timpes steht, ergänzt um zusätz­liche Instru­mente wie Rasseln, eine Spieluhr oder andere geräusch­er­zeu­gende Klein­teile. Snell und Frey steuern die Klänge ihrer Alt-Saxofone bei, hochkon­zen­triert ob virtuoser Stellen oder pünkt­licher Einsätze.

Aubrey Snell – Foto © O‑Ton

Dass bei den Kompo­nisten offenbar eine Freun­des­liste abtele­fo­niert wurde, ergibt, dass sich die Männer in der Überzahl befinden, aus Deutschland mit Moritz Eggert, Ove Volquartz, Thomas RW Zander und Oskar Gottlieb Blarr gar ausschließlich Männer zu Gehör kommen. Schön, dass hier lieber auf Qualität statt auf Quote geschaut wird. Mögli­cher­weise war auch die Verfüg­barkeit das entschei­dende Kriterium, denn das Bass-Saxofon gehört nicht zu den am häufigsten einge­setzten Instru­menten bei modernen Kompositionen.

Christian Banasik hat in Düsseldorf, Köln und Frankfurt studiert. In seiner beruf­lichen Laufbahn steht die Entwicklung elektro­ni­scher Musik im Vorder­grund, was ihn nicht daran hinderte, auch für andere Beset­zungen zu schreiben. Und so hat er das letzte Stück des Abends Set-31 denn auch für zwei Alt-Saxofone und Bass-Saxofon verfasst. Den dreien auf der Bühne also, so möchte man meinen, „auf den Leib“ geschrieben. Das Werk erinnert stark an die Minimal Music und kommt mit frischem Elan daher. Ein gelun­genes Finale.

Nach einer halben Stunde ist das Konzert beendet. Da hätte man sich doch noch ein Viertel­stündchen mehr gewünscht. Obwohl die Anwesenden eigentlich dankbar sein dürfen, dass die Musiker ihren Einstand trotz der geringen Zahl der Gäste gegeben haben. Bleibt Set-31 zu wünschen, dass sie am 18. Mai um 13 Uhr in der Kölner Kunst­station St. Peter ein größeres Publikum finden, wenn sie das Programm dort noch einmal spielen.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: