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Sternstunden mit Adela Zaharia

I PURITANI
(Vincenzo Bellini)

Besuch am
18. Dezember 2019
(Premiere)

 

Deutsche Oper am Rhein, Oper Düsseldorf

Der Name Rolando Villazóns dürfte seine Wirkung als Kassen­magnet nicht verfehlen. Auch wenn er derzeit im Düssel­dorfer Opernhaus nicht als „Star-Tenor“ auf der Bühne steht, sondern als Regisseur einem der vokal anspruchs­vollsten Belcanto-Klassiker mehr Leben einzu­hauchen versucht als die recht wirre Handlung herzu­geben scheint. Natürlich weiß Villazón, dass der Erfolg von Vincenzo Bellinis Oper I Puritani zum entschei­denden Teil von den Gesangs­leis­tungen abhängt, und da landet die Deutsche Oper am Rhein mit Adela Zaharia in der zentralen Rolle der Elvira eine geradezu sensa­tio­nelle Punkt­landung. Die Sopra­nistin, der Ende der Saison Verpflich­tungen an der Bayeri­schen Staatsoper bevor­stehen, verbreitet in Sachen Bühnen­präsenz und stimm­licher Gestal­tungs­kraft einen Hauch von jener inter­na­tio­nalen Weltklasse, der an der Rheinoper öfter wehen könnte. Auch wenn der Rest des Ensembles, mit Ausnahme des grandiosen Bassisten Bogdan Taloş in der kleineren Rolle des zwielich­tigen Sir Giorgios, das Niveau Adela Zaharias nicht ganz erreichen kann, animiert sie ihre Kollegen zu Leistungen, die den Anfor­de­rungen der Partien weitgehend gerecht werden. Zumal mit Antonino Fogliani ein Dirigent am Pult der vorzüg­lichen Duisburger Philhar­mo­niker steht, der genau weiß, wie die Uhren in Bellinis Musik ticken und sogar Rücksicht auf die Sänger erkennen lässt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Angesichts der vokalen Dominanz macht es Bellini den Regis­seuren nicht leicht. Da muss man Villazón zugestehen, dass er die Figuren und auch den Chor so vital führt, dass auf der Bühne mehr Leben knistert, als man es von vielen zu Arien­kon­zerten erstarrten Insze­nie­rungen derar­tiger Belcanto-Hits kennt. Mitunter zwar mit antiquierten, bisweilen unbeholfen wirkenden Gesten und Einfällen. Aber Villazón lässt den Sängern Freiräume, und die weiß nicht nur, aber vor allem Zaharia zu nutzen, die in dieser Oper nicht nur einmal, sondern gleich zweimal dem Wahnsinn verfallen darf. Ein Zustand, in dem die Sängerin ihre Gesangs- und Ausdrucks­künste noch reicher und anspruchs­voller demons­trieren kann als in den meisten anderen Opern Bellinis. Und mit ihrer wunder­schönen, in allen Lagen ausge­gli­chenen, von keinem störenden Vibrato oder scharfen Höhen bedrohten Stimme lebt sie das Leid der Elvira mit makel- und bruchlos ausge­brei­teten Kanti­lenen von himmli­schen Längen ebenso berührend und perfekt aus wie die mühelos perlenden Kolora­turen der Sonderklasse.

Foto © Hans Jörg Michel

Die Handlung spielt zurzeit der Ausein­an­der­set­zungen zwischen dem engli­schen König Charles I. und den Puritanern um Oliver Cromwell im 17. Jahrhundert. Die Purita­nerin Elvira verliebt sich in den königs­treuen Lord Arturo, was angesichts des Romeo-und-Julia-Sujets zu Konflikten führt. Ioan Hotea in der kräfte­zeh­renden Tenor­partie des Arturo kann sich mit seiner etwas eng klingenden Stimme nicht so mühelos und souverän präsen­tieren wie seine „purita­nische“ Kollegin, lässt aber an Inten­sität nichts zu wünschen übrig. Jorge Espino verleiht dem purita­ni­schen Rivalen Sir Riccardo mit seinem kraft­vollen Bariton markige, wenn auch etwas grobe Züge. Die kleine Partie der engli­schen Königin ist bei Sarah Ferede ebenso gut aufge­hoben wie die recht statt­liche Chorpartie beim Chor der Deutschen Oper am Rhein.

Villazón lässt keinen Zweifel daran, dass ihn vor allem die emotio­nalen Konflikte der Figuren am Herzen liegen, womit man ihm zustimmen kann. Die histo­risch geprägten Kostüme von Susanne Hubrich und die mächtigen dunklen Mauern, mit denen Bühnen­bildner Dieter Richter ein Szenario erschließt, das sowohl an Kirchen- als auch an Schloss­fas­saden erinnert, unter­streichen Villazóns berech­tigte Skepsis gegen Aktua­li­sie­rungen von Stücken, die eine gewisse museale Patina nur durch die musika­lische Qualität überspielen können, nicht durch szenische Mätzchen. Eine persön­liche Note behält er sich für das Ende vor. Die fröhliche Stimmung nach der Bekanntgabe der Begna­digung aller königs­treuen Feinde einschließlich Arturos kommt bei Villazón zu spät. Arturo wird zuvor von seinem Rivalen erstochen und steht lediglich in der Wahnvor­stellung Elviras noch einmal von den Toten auf. Ein zu süßliches Happy End kommt selbst für Villazón nicht in Frage.

Begeis­terter Beifall für alle Mitwir­kenden mit beson­deren Zuschlägen für Adela Zaharia und Bogdan Taloş.

Pedro Obiera

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