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THE RHYTHM OF THE RUNWAY
(Giorgo Siniaris)
Besuch am
23. August 2024
(Einmalige Aufführung)
Seit 2019 gibt es in Düsseldorf den Künstlerverein Re:act. Gegründet hat ihn Giorgo Saniaris gemeinsam mit Robin Merz, Thomas Huy und Ekaterina Servetnik. Das Ziel: Einen multikulturellen Raum zu schaffen, in dem eine Gemeinschaft wachsen kann, die aus allen an der Kultur beteiligten Menschen besteht. Dazu werden gern auch eigene Projekte aufgelegt. Wie beispielsweise die Trilogie The Rhythm of the Runway, eine Veranstaltung, bei der Mode auf Tanz, Gesang und Musik trifft. Eine erste Aufführung fand bereits Ende vergangenen Junis im Theatermuseum der Landeshauptstadt statt, wo es allerdings nur Platz für 30 Besucher gab.
Raum für die dreifache Besucherzahl bietet heute ein Autohaus am Hofgarten, das regelmäßig größere Veranstaltungen durchführt und wunderbare Räumlichkeiten für das Vorhaben vorhält. Die Präsentationsfläche im Erdgeschoss eignet sich sehr gut als Empfangsbereich. Dass es letztlich doch nur etwa 70 Zuschauer werden, mag auch daran liegen, dass der Beginn auf 17.30 Uhr gelegt ist. Da ist man am Freitagnachmittag doch wohl eher noch mit profaneren Sachen als mit Kultur beschäftigt. Mit einer Viertelstunde Verspätung kann die Schau beginnen. Die Eröffnung ist eindrucksvoll. Bassbariton Thomas Huy trägt zur Begleitung von Stephan Lux am E‑Piano die Arie Ombra mai fù von Georg Friedrich Händel vor. Nie war ein Schatten, so der Titel im Deutschen, ist eine der bekanntesten Arien Händels und stammt aus der Oper Xerxes. Ihre feierliche Anmutung, die auch Huy unterstreicht, lässt sie für Konzerte oder festliche Anlässe als besonders geeignet erscheinen. Damit ist also zunächst der feierliche Rahmen gegeben, um die Moderatoren des Abends auftreten zu lassen.

Gemessenen Schrittes steigen die Moderaten, Vivs Takahashi und Giorgo Siniaris, weißgewandet und mit handgefertigten Gesichtsmasken die Treppe von der Empore herab in die Mitte des ebenerdigen Raums, wo ihre Kleidung von Eliza Wiszniewska und Anastasia Pris bemalt wird. Dann erst erfolgt mehrsprachig die Eröffnung. Die Tänzer der Nowaday Dance Company aus Düsseldorf, gegründet 2023 von Pascal Touzeau, geleiten die Besucher ins Untergeschoss. Für die Choreografie des heutigen Abends ist allerdings Elisabeta Stanculescu verantwortlich, die auch bei den wiederholten Auftritten von Alice Hunter, Anri Hirota, Luisa Stehmann und Oskar Eon für eine fabelhafte Raumaufteilung und lebhafte Bewegungssprache sorgt. Das sieht vielversprechend aus. Früher hat man solche Gruppen im Tanzhaus NRW kennengelernt.
Die eigentliche Attraktion des Abends, zumindest scheint deshalb die Mehrzahl der Besucher gekommen zu sein, beginnt anschließend zur Musik von Nina Sative und Onur Mercan. Zwei angehende Modemacherinnen des Fashion Design Instituts in Düsseldorf stellen ihre Arbeiten vor. Interessant, dass beide bereits mit eigenen Labelnamen antreten. Den Anfang macht Naranjargal Enkhbat. Ihr Label nennt sie Monade und stellt unter dem Titel Danish Girl ihre Kollektion vor. Dabei geht es weniger um die Alltagstauglichkeit als um die Fantasie des Machbaren. Dem Publikum gefällt’s. Ein kurzes Interview mit der Nachwuchsdesignerin über ihre Ideen wäre schön gewesen, findet aber nicht statt.

Huy hat für seinen zweiten Auftritt den Cold Song aus der Oper King Arthur von Henry Purcell ausgewählt, eine durchaus anspruchsvolle Arie nicht nur für den Sänger, sondern auch für seine Zuhörer. Der Bassbariton meistert die unter die Haut gehende Musik eindrucksvoll, allein, das Publikum zeigt sich eher irritiert über den Operngesang und will sich nicht so recht darauf einlassen, bleibt am Ende gar den gebührenden Applaus schuldig. Auch geht in der mageren Akustik des Untergeschosses erhebliche Wirkung verloren.
Da lassen sich die Besucher doch lieber von der nächsten Kollektion einheizen. Auch Altanzul Togtokh stammt gebürtig aus der Mongolei. Ihr Label heißt Altai Design, und für ihre Entwürfe hat sie den Titel Mongolian Renaissance gewählt. Auch hier weicht die Tragbarkeit weitestgehend der Fantasie, die sich noch weiter emporschwingt als bei Enkhbat. Das Auge bekommt hier allerhand geboten. Auch Togtokh bekommt keine Gelegenheit, sich zu ihren Ideen zu äußern. Es zählt allein der künstlerische Akt? Mag sein. Aber wenn ich den künstlerischen Nachwuchs fördern will, kann es nicht schaden, ihm auch eine Stimme zu geben. Man wird sehen, ob im letzten Teil der Trilogie, der für das kommende Frühjahr vorgesehen ist, mehr Tiefe vorgesehen wird.
Im Autohaus geht es derweil ins Finale, das mit rauschendem Beifall bedacht wird, ehe sich die Besucher und Akteure auf die Empore begeben, um die „After-Show-Party“ zu feiern. Am Ende des Abends haben sich Sänger, Tänzer und Maler schwer getan, um mit den schrillen Kostümen der jungen Modemacherinnen auf Augenhöhe zu bleiben, zumal sie eine recht einseitig ausgerichtete Zielgruppe erreichen wollten. Ein Manko ist das nicht. Solche Experimente sucht man in der so genannten Freien Szene seit langem. Und insofern füllt Re:act eine Lücke. Mehr davon, möchte man dem Verein zurufen.