O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Weihnachtlicher Tanzboden

ROCK’N’ROLL MEETS CHRISTMAS
(Diverse Komponisten)

Besuch am
9. Dezember 2023
(Einmalige Aufführung)

 

Jazz-Schmiede, Düsseldorf

Weihnachts­kon­zerte gibt es derzeit an jeder Ecke. Dabei reicht das Angebot vom Bachschen Weihnachts­ora­torium über eigens von Chören zusam­men­ge­stellte Programme, kammer­mu­si­ka­lische Ideen bis zu den abend­fül­lenden Programmen in den Konzert­sälen der Republik. Und wem das nicht reicht, der sucht auch mal abseits der klassi­schen Musik. So wie beispiels­weise in der Jazz-Schmiede im Düssel­dorfer Stadtteil Bilk. Für Jazz-Liebhaber über die Stadt­grenzen hinaus längst eine feste Heimat, lohnt sich ein Blick in das Programm des Konzert­saales in der ehema­ligen Schmiede der Jagenberg-Fabrik auch für Menschen, die mit dem Jazz sonst nicht so viel zu tun haben. Das Primat der „guten“ Musik steht über dem Allein­stel­lungs­merkmal des Jazz.

Phillipa Thomas, Karen Bandelow und Julia Coulmas – Foto © O‑Ton

Und so tritt an diesem Abend die Rock’n’Roll-Band Blue Moon aus Viersen auf. Gegründet haben sie sich 2010, und seit vier Jahren spielen sie in unver­än­derter Formation. Nein, muss man nicht kennen, auch wenn sie im vergan­genen Jahr den zweiten Platz beim European Elvis Contest in Bad Nauheim gewonnen hat. Gewiss, Elvis lebt und die Musik von Bill Haley oder Little Richard ist bis heute fest in unseren Köpfen verankert, aber eigentlich ist es doch eher eine Nische, sollte man meinen. Aller­dings eine Nische mit einer treuen und enthu­si­as­ti­schen Anhän­ger­schar, die Blue Moon dann sehr wohl kennen. Bereits eine Stunde vor Konzert­beginn hat sich eine Schlange vor dem Einlass gesammelt. Endlich dürfen sie in den Saal, mit ihren Petti­coats die Damen und viel Pomade in den Haaren der Herren. Man ist schließlich gekommen, um zu feiern, da darf man sich auch mal so richtig im 50-er-Jahre-Stil aufbrezeln. Ein wunder­bares Bild. Vor der Bühne sind lediglich links und rechts ein paar Stühle aufgebaut, die Mitte des Saales ist frei. Und schon zu den Klängen bekannter Schlager, die noch von der Festplatte kommen, werden erste Tanzschritte gewagt. Was heißt gewagt? Die Besucher heute Abend beherr­schen vom Boogie-Woogie über den Rock’n’Roll bis zum Jive so ziemlich alles, was in der Tanzschule gelehrt wird.

Die nächste Beson­derheit des Abends sind die Gäste, die mit Blue Moon die Bühne betreten. Es ist Fräulein Swing, ein Ensemble, das Gesang vom Feinsten bietet. Denn Julia Coulmas, Karen Bandelow und Phillipa Thomas sind nicht nur englisch­sprachig großge­worden, sondern haben auch alle drei Opern­gesang studiert. Und so kann es hochpro­fes­sionell mit Rockin‘ around the tree und Boogie Woogie Bugle Boy losgehen. Bandleader Marcus Breuer, der nicht nur an der Gitarre, sondern spät auch selbst als Sänger zeigt, wozu die Band hier ist, beschränkt seine Modera­tionen auf das Aller­not­wen­digste, was ihm das Publikum dankt. Schließlich ist es nicht hier, um sich sitzend ein wohlfeiles Konzert anzuhören, sondern es will tanzen – und dazu braucht es Musiker, die zum Beispiel mit She’s not you, Sincerely oder Hit the Road Jack für die nötige Betriebs­tem­pe­ratur sorgen. Da sind die Besucher bei Blue Moon und Fräulein Swing bestens aufge­hoben. Die drei Damen, in feier­lichen roten Samt gekleidet und mit Blumen im Haar geschmückt, peppen den Abend ordentlich auf, wenn sie entweder als Chor oder später auch als Solis­tinnen auftrumpfen. Mit Blue Christmas gibt es noch kurz etwas Weihnacht­liches, ehe Be my baby und All shook up die Beine ordentlich in Schwung bringen. Hierbei sorgt Siegfried Losch­elder am Schlagzeug für den nötigen Rhythmus. Nach Let it snow, das auch gern mal mitge­sungen wird, geht es mit Return to Sender zum heimlichen Star des Abends, den sich Blue Moon auf die Fahnen geschrieben hat. Von Elvis Presley wird es im Laufe des Abends noch so einiges zu hören geben, darunter Titel wie Hound Dog oder Please, Mr Postman. Vorerst aber gibt es die einzigen deutschen Wörter dieses Abends zu hören, zumindest musika­lisch, und auch das ist eigentlich ein engli­scher Song. Bei mir bist du schön bringen die Sänge­rinnen mit genau jenem Hauch von Akzent, der für den Schlager so wichtig ist. Ganz wunderbar.

Marcus Breuer – Foto © O‑Ton

Insgesamt 32 Titel spielen die Bühnen­ar­beiter zuzüglich dreier Zugaben. Dabei sorgen Thorsten Kammann an Flügel und E‑Piano sowie Christian Römgens am Bass für die nötige Grundlage, während Erich Ermeding sich immer wieder mit Saxofon-Soli einmischt. Und weil er sich gern offenbar gern mal in den Vorder­grund schiebt, mischt er sich der Einfachheit halber auch zwischen­durch „unters Volk“. Das kommt bei den Tänzern gut an, obwohl auf der Tanzfläche für solche Späße eigentlich überhaupt kein Platz ist. Weihnachtlich haben die Musiker so ziemlich alles mitge­bracht, was die Zeit hergibt und für den ameri­ka­ni­schen Spaß an der Weihnacht sorgt. Jingle Bells, Last Christmas, Rudolph the red nosed gehören ebenso dazu wie Santa Claus is coming to town und White Christmas. Der Saal sprüht vor Energie, ist aber akustisch dank der Haustechnik wunderbar austa­riert, so dass sich hier niemand die Ohren zuhalten muss, sondern der Spaß an Titeln wie Itzy Bitzy – Sie wissen schon, der Strand­bikini – oder Lollipop ungebremst funktio­niert. Einer der vielen Höhepunkte des Abends ist sicher das Solo Dream Lover von Thomas, ehe am Ende Coulmas dem Abend die Krone aufsetzen wird. Bis dahin ist aller­dings noch Luft in dem sage und schreibe zweiein­halb­stün­digen Programm für Titel wie Runaround Sue, Do Ron Ron oder Jump Jive ‘n Wail.

So ein wenig erinnert der Abend dann doch irgendwann an die Zeiten in der Tanzschule, wenn der Tanzlehrer so gar kein Ende finden wollte. Da galt es als Ehren­sache, tapfer durch­zu­halten, auch wenn der Körper längst den kondi­tio­nellen Feier­abend einge­läutet hatte. Schließlich ist aber auch den Musikern anzusehen, dass sie wirklich alles gegeben haben – und so ist keiner wirklich traurig, als die Silent Night – auch hier als Schluss­nummer, aber nicht zwingend zum Mitsingen – angestimmt wird. Mit einem blitz­sauberen Sopran-Solo jagt Coulmas ihrem Publikum zum Abschied ordentlich Gänsehaut über den Rücken. Verschwitzt, aber glücklich löst sich die Gemein­schaft, die zusammen eine Zeit lang in die Vergan­genheit zurück­ge­kehrt ist, allmählich auf.

Am 15. Dezember gibt es für die Liebhaber von Elvis Presley, Blue Moon und Fräulein Swing noch einmal die Gelegenheit, das Fieber des Abends mitzu­er­leben. Dazu muss man dann aller­dings in den Odeon-Tanzpalast in Krefeld reisen. Es wird sich lohnen.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: