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Kein Mensch am Pult

SCARY BEAUTY
(Keiichiro Shibuya, Hikaru Kotobuki)

Besuch am
13. März 2019
(Deutsche Erstaufführung)

 

Hi, Robot! Das Mensch-Maschine-Festival, Robert-Schumann-Saal, Düsseldorf

Gleich vier Kultur­in­sti­tu­tionen der Landes­haupt­stadt Düsseldorf – darunter das NRW-Forum, die Black Box und der Robert-Schumann-Saal im Kunst­palast – raufen sich auf Initiative des Tanzhauses NRW zusammen, um mit Hi, Robot! das erste Mensch-Maschine-Festival der Stadt zu organi­sieren. Eine Veran­staltung, in der sich verschiedene Profes­sionen zusam­men­finden, um einem Thema genre­über­grei­fende Aspekte abzuge­winnen, ist grund­sätzlich begrü­ßenswert. Mehr als 20 Veran­stal­tungen werden sich bis Ende März an unter­schied­lichen Spiel­orten mit der Zukunft des Körpers ausein­an­der­setzen. Mit einem Pauken­schlag soll das Festival starten. Und so hat Bettina Masuch, Festi­val­lei­terin und Inten­dantin des Tanzhauses NRW, nichts weniger als einen Roboter aus Japan kommen lassen, um das Eröff­nungs­konzert im Robert-Schumann-Saal dirigieren zu lassen.

Der Dirigent erwartet sein Publikum in dem Konzertsaal bereits, als es sich zu seinen Sitzen begibt. Alter 3, so der Name des Roboters, ist in einer Ruhepo­sition auf der Bühne, die Arme und der Kopf hängen herab. Ab und zu sind kleine Bewegungen bemerkbar, ein Finger zittert, der Kopf dreht sich leicht. Der gruselige Anteil aus dem Programm­titel Scary Beauty – was man mit „Gruselige Schönheit“ übersetzen kann – wird damit schon vor dem Konzert angedeutet.

Die Künst­liche Intel­ligenz ist ein Werk des Program­mierers Takashi Ikegami und dem Robotik-Experten Hiroshi Ishiguro. Aufge­führt werden von den Japani­schen Philhar­mo­nikern Düsseldorf Werke von Keiichiro Shibuya, der in Koope­ration mit Hikaru Kotobuki die Seven Last Songs of Human geschrieben hat.

Nach dem ersten Stück, dass Shibuya auf dem Klavier selbst zu einer elektro­ni­schen Fläche spielt, setzt Alter 3 zum Dirigat an. Ab dem ersten Einsatz sieht man, dass das „Dirigat“ tatsächlich ein ziemlich unkon­trol­liertes Rudern mit den Armen ist. Zwar durch­gehend im Takt, aber fernab von jeglichem musika­li­schen Kontext. Ausnahmen sind einige überdeut­liche Einsätze, für die er aber zwischen­durch komplett mit dem Dirigieren aufhört.

Foto © Monika Rittershaus

Hier zeigt sich eine Kommu­ni­ka­ti­ons­lücke zwischen dem Veran­stalter und dem Publikum: Alter 3 wurden nicht etwa typische Dirigier­be­we­gungen beigebracht, die er dann auf eine Partitur anwendet, er hat sie selbst mithilfe von positivem und negativen Feedback der Musiker gelernt. Zu jeder Bewegung entschließt er sich und entscheidet über das Tempo. Die Musiker kriegen über Ohrhörer zusätzlich noch ein Metro­nom­klicken von Alter 3 und sind so im Grunde autonom von den wilden Bewegungen des Roboters. Diese Heran­ge­hens­weise wäre an sich in Ordnung und auch sehr inter­essant zu beobachten. Leider entscheiden sich die Veran­stalter, Alter 3 als tatsäch­lichen Dirigenten zu präsen­tieren, der das Orchester leitet. Das ist mitnichten so, die Musiker spielen streng nach Noten und achten bis auf den ersten Einsatz im Grunde gar nicht auf den Roboter.

Die Musik von Shibuya selbst entstand laut Presse­mit­teilung durch eine Auswahl von Textfrag­menten verschie­dener Autoren, die in dreidi­men­sionale Vektoren umgerechnet wurden. Von dieser höchst schwam­migen Beschreibung abgesehen, äußert sich diese Umrechnung bei zwei Stücken in mehr oder weniger reinem Chaos und bei den anderen Werken in oft sehr redun­danten und belang­losen Melodien über Akkord­folgen, die an eine Mischung aus Pop- und Filmmusik erinnert. Zusätzlich singt Alter 3 dazu die jewei­ligen Textfrag­mente. Seine Stimme scheint dabei tatsächlich physi­ka­lisch zu entstehen und nicht durch den Einsatz von Samples wie bei Siri, Alexa und Co, ist aber so undeutlich, dass man ohne den einge­blen­deten Text nichts verstünde. Die Texte selbst sollen Erinne­rungen aus einer Zukunft sein, in der Menschen ohne Maschinen nicht mehr auskommen.

Das Publikum spendet dem Ensemble und dem „Dirigenten“ immer wieder wohlwol­lenden, aber etwas verhal­tenen Applaus. Deutlich mehr Interesse schlägt im Nachfeld den Infor­matik- und Robotik­stu­denten im Foyer entgegen, die Fragen zu der Denkweise von Alter 3 beant­worten dürfen. In den Gesprächen erst wird deutlich, welche tatsäch­liche Leistung der Roboter vollbringt. Auch deutlich wird hierbei, dass diese Gespräche und Erläu­te­rungen eigentlich im Vorfeld hätten statt­finden sollen, damit das Geschehen auf der Bühne richtig einge­ordnet werden kann. Viele Fragen können die Studenten nicht abschließend beant­worten, da die eigenen Algorithmen von Alter 3 im Lernprozess bereits so komplex sind, dass man nicht genau wissen kann, wie er handelte, wenn die Musiker zum Beispiel einfach aufhören oder deutlich zu langsam oder zu schnell spielten.

Zwar regt der gesamte Abend zu lebhaften Diskus­sionen über die Zukunft der Menschheit, künst­liche Intel­ligenz und ethische Begleit­aspekte, aber der program­ma­tische Aufbau der Veran­stalter hinter­lässt das leichte Gefühl von Enttäuschung.

Sebastian Heuckmann

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