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Stimmungsvolles Licht

DIE SCHÖPFUNG
(Joseph Haydn)

Besuch am
26. Mai 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Projektchor Düsseldorf in der Adolfus­kirche, Düsseldorf

Es war ein großar­tiges Ereignis im musik­be­geis­terten Wien. 30 Gendarmen, davon 18 berittene, säumten den Weg zum Stadt­palais Schwar­zenberg, in dem am 29. April 1798 die erste Vorauf­führung des neuesten Werkes von Joseph Haydn stattfand, um den Zugang freizu­halten. Und das, obwohl es sich um eine geschlossene Gesell­schaft handelte, die der Aufführung beiwohnen sollte. Es war der Beginn eines einzig­ar­tigen Sieges­zuges durch ganz Europa. Haydn selbst dirigierte Die Schöpfung. Die öffent­liche Urauf­führung am 19. März 1799 im Burgtheater bestritten neben den drei respektive vier Solisten 60 Sänger und sage und schreibe 120 Instru­men­ta­listen. Heutzutage ein eher seltenes Unter­fangen. Statt­dessen findet die Schöpfung eher in Kirchen mit kleineren Chören und noch kleineren Orchestern statt. Obwohl es doch eigentlich um eines der größten Mysterien der Mensch­heits­ge­schichte geht. Dass es trotzdem funktio­niert, will auch der Projektchor Düsseldorf beweisen.

Foto © O‑Ton

Die Adolfus­kirche in der Kaisers­werther Straße im Düssel­dorfer Stadtteil Pempelfort ist im Innern eher düster. Ein paar funzelige Decken­leuchten sorgen gerade einmal für so viel Helligkeit, dass man nicht über die eigenen Füße stolpert. Immerhin ist der sakrale Bau von 1898 im neoro­ma­ni­schen Stil gut besucht. Da baut der Projektchor auf den hervor­ra­genden Ruf, den er sich seit 2005 unter der Leitung seines Gründers Stephan Hahn erarbeitet hat. Denn 17 Uhr ist aus Besucher­sicht keine besonders glück­liche Anfangszeit, auch am Sonntag nicht. Zumal das Wetter zu diesem Zeitpunkt eher noch zu Außen­ak­ti­vi­täten einlädt. Sei’s drum.

Wie immer rekru­tiert sich das Orchester aus Mitgliedern des Kölner Sinfo­nie­or­chesters. Die sind aus Platz­gründen so angeordnet, dass im Grunde nur die Streicher für den Großteil des Publikums sichtbar sind. Glück­li­cher­weise hat das keinen Einfluss auf das akustische Erlebnis. So wird schon die Ouvertüre zum Genuss. Ein schein­barer Taumel durch das Chaos, das sich erst allmählich in Wohlge­fallen auflöst, um der Erschaffung der Welt in sechs Tagen Raum zu schaffen. 36 Nummern braucht Haydn, um die Schöp­fungs­ge­schichte nach dem Buch Genesis zu erzählen. Gespickt mit großen Einsätzen des „Engel­chors“ berichten die Erzengel Gabriel, Uriel und Raphael von den sechs Tagen, in denen die Welt entsteht. Tatsächlich gelingt dem Chor statt großen Tobens ein annähernd engels­gleicher, überaus facet­ten­reicher Klang.

Foto © O‑Ton

Mit den Erzählern ist Hahn, der sich auch heute nicht die musika­lische Leitung nehmen lässt, eine glück­liche Auswahl gelungen. Annabelle Heinzen inter­pre­tiert als Sopran Gabriel und legt einen Farben­reichtum an den Tag, der von Anfang bis zum noch zu disku­tie­renden Ende überzeugt. Ferdinand Krumbügel gefällt in der Rolle des Raphael als Nachwuchs­talent, das gerade seinen Master an der Kölner Musik­hoch­schule erarbeitet, mit einem sehr hellen Bariton, der die Basstöne geschmeidig meistert. Es ist nicht die „Mainstream-Stimme für Opern­häuser“, aber wenn er seine Nische findet, wird er sicher eine saubere Karriere hinlegen. Als Uriel tritt Han Sam Park auf. Der Tenor studiert ebenfalls noch in Köln, hat einen ersten Abschluss in seiner Heimat Korea absol­viert und ist bereits in verschie­denen Oratorien in Deutschland in Erscheinung getreten. Heute kann er stimmlich überzeugen, auch wenn er sein Notenheft häufig zu sehr ins Gesicht hält. Die undankbare Aufgabe der Altistin, die nur im Schlusschor mit vier Amen in Erscheinung tritt, übernimmt die Mezzo­so­pra­nistin Jiaying Lin.

Orchester großartig, der Chor in Spitzenform, wunderbare Solisten und ein Dirigent, der in seinem scheinbar überschwäng­lichen Einsatz von Musikern und Choristen minutiös verstanden wird, sorgen allein schon für eine heraus­ra­gende Aufführung. Da ist es dann das Mindeste, dass dem Projektchor das Sonnen­licht in die Karten spielt, wie es wohl selbst einem Beleuchter – den es nicht gibt – nur unter größtem Aufwand gelungen wäre. Mit wechselnder Inten­sität fällt das Licht durch die Kirchen­fenster und taucht den Chor in einen überir­di­schen Glanz. Ein Schau­spiel, das man nur selten erlebt.

Wenn das Libretto Eva zu Adam sagen lässt: „Dein Will ist mir Gesetz, so hat’s der Herr bestimmt, und dir gehorchen bringt mir Freude, Glück und Ruhm“, dann versteht das Publikum das als histo­rische Anekdote und muss sich nicht in Diskus­sionen über die Gleich­be­rech­tigung ertüch­tigen. Statt­dessen springt es von den Kirchen­bänken, um die musika­li­schen Leistungen dieses frühen Abends zu würdigen. Einmal mehr hat der Projektchor – ausnahms­weise in Zusam­men­arbeit mit der Sonne – eine glänzende Leistung erbracht, die zukünftige Auffüh­rungen zu Pflicht­be­suchen stilisiert.

Michael S. Zerban

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