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Kulturelle Annäherung

VOCALS AND PERCUSSION
(Women of the World)

Besuch am
28. Mai 2019
(Einma­liges Gastspiel)

 

Schumannfest, ZAKK, Düsseldorf

Das Schumannfest entwi­ckelt sich weiter. Das ist prinzi­piell erst mal großartig und lässt für die kommenden Jahre noch einiges erwarten. Wer neue Wege geht, macht Fehler. Das gehört mit dazu. Auch wenn es Anfän­ger­fehler sind, die darauf hindeuten, wie sehr die Verant­wort­lichen im Elfen­beinturm gefangen sind. Beim Düssel­dorfer Schumannfest sitzen die Programm­ge­stalter in der Tonhalle und verfolgen zwei Ziele. Das Programm soll vielfäl­tiger werden, und das Festival soll sich in die Stadt öffnen. Um das erste Ziel zu erreichen, kann man auch mal Weltmusik mit ins Programm nehmen. Sehr gute Idee. Und eine Öffnung in die Stadt könnte gelingen, indem neue Spiel­stätten einbe­zogen werden. Auch dagegen ist grund­sätzlich nichts einzuwenden.

Also lädt man eine Gruppe ein, die weltweit in den größten Konzert­sälen zu Gast ist. Verfrachtet sie in eine der alter­na­tiven Kultur­spiel­stätten der Stadt und ist fertig. Nein. Das ist zu wenig. Ein Blick ins Gesamt­pro­gramm zeigt die Wertigkeit. Ein halbsei­tiger, allgemein gehal­tener Text soll da ein Publikum ansprechen, das den Konzert­haus­besuch gewohnt ist. Da hätte man auch hinschreiben können: Findet außerhalb der Tonhalle statt, inter­es­siert uns nicht. Der Erfolg ist der gleiche. Wer sich dennoch in das Kultur­zentrum ZAKK, das steht für Zentrum für Aktion, Kultur, Kommu­ni­kation, verirrt, bekommt statt eines ordent­lichen Abend­pro­gramms, wie man es aus der Tonhalle kennt, ein Postkärtchen ausge­händigt, auf dem derselbe Text noch einmal abgedruckt ist. Das könnte an Frechheit grenzen, wäre es nicht das für das ZAKK übliche Niveau.

An Stelle eines Optimismus ausstrah­lenden, erfolgs­ge­wohnten Inten­danten der Tonhalle empfängt einen hier eine Abend­spiel­lei­terin, deren Missmut völlig klar ist. Schließlich ist es nicht „ihre“ Veran­staltung, sondern eine von denen aus der Tonhalle. Der große Besucher­an­drang bleibt erwartbar aus, was die Laune auch nicht gerade steigert. Schließlich wissen Tonhal­len­be­sucher nicht einmal, dass es vor dem ZAKK kostenlose Parkplätze gibt.

Foto © Susanne Diesner

Der Empfang gestaltet sich freundlich und entspannt. Der Saal ist bei freier Platzwahl frühzeitig geöffnet, Akustik und Sicht auf allen Plätzen gleich gut. Die Ausstattung ist einfach, trotzdem bemühen sich die Männer am Technikpult um eine nach ihren Möglich­keiten abwechs­lungs­reiche Licht­ge­staltung. Und das ist das Mindeste, was man für Women of the World erwarten darf. Die A‑Cap­pella-Gruppe besteht aus vier Sänge­rinnen und seit heute Abend einem neuen Perkus­sio­nisten. Der stammt aus Kanada, heißt Shawn Crowder und hat eben sein Studium beendet. Noch wirkt er ein wenig schüchtern, erledigt aber seine Aufgaben überzeugend. Nachdem die Damen den Abend mit einem „instru­men­talen“ Jazz-Stück und einem Volkslied aus Bulgarien eröffnet haben, stellen sie sich der Reihe nach vor. Annette Philip stammt aus Indien, trägt wie alle anderen landes­üb­liche Tracht und versucht gleich mal, die Zuschauer zu animieren. Ayumi Ueda kommt gebürtig aus Japan und hat ein Lied über die Kirsch­blüte mitge­bracht. Mit einem Erntelied führt sich Giorgia Renosto aus Italien ein. Farben­frohe Kleidung und eine lilafarbene Kopfbe­de­ckung hat Dého Ray aus dem Senegal angezogen, um daran zu erinnern, dass ihre Ahnen einst von dort kamen. Sie selbst ist in Haiti aufge­wachsen. Da ist dann auch gleich mal Haiti Chérie fällig, eine Art heimlicher Natio­nal­hymne, die zu den Welterfolgen Harry Belafontes gehörte.

Dass man das nicht so ohne Weiteres erkennt, liegt daran, dass Women of the World es nicht bei der bloßen A‑Cap­pella-Wiedergabe belassen, sondern samt und sonders eigene, sehr moderne Arran­ge­ments schaffen, die vor allem ihrem eigenen Naturell entsprechen. Und das ist fröhlich, spontan und gemein­schafts­süchtig. Immer wieder werden die Zuschauer aufge­fordert, sich zu betei­ligen. Und die Gruppe geht noch einen Schritt weiter.

Ein Volkslied, das sie bisher bereits in 36 Sprachen gesungen hat, feiert heute seine Premiere in einer deutsch­spra­chigen Inter­pre­tation – und das mehr als ordentlich. Nach einem Ausflug ins Hebräische gibt es dann noch Bread and Roses, ein Gewerk­schaftslied, mit dem Frauen nach angemes­sener Bezahlung, aber auch Würde verlangten. Der vehemente Vortrag führt unver­sehens in die Pause.

Nach einem Geburts­tags­ständchen für eine Besucherin gibt es noch zwei schöne Inter­pre­ta­tionen eines italie­ni­schen und eines argen­ti­ni­schen Liedes, ehe die Sänge­rinnen zu einer Frage­runde einladen. Man versteht, warum die Damen seit 2008 so erfolg­reich durch die Welt reisen und ständig neue Geschichten – und vermutlich auch Freunde – sammeln. Von Weltklasse sind die beiden Gospels, die sie zum Abschluss darbieten. Down in the River to Pray zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass das Lied quer durch alle Abstam­mungen und Religionen bekannt ist. Und das Arran­gement von Joshua Fit the Battle of Jericho, ein auch in Deutschland bekannter Gospel, ist richtig stark. Dass es danach noch eine Zugabe und einen gemein­samen Tanz mit dem Publikum gibt, beschließt einen Abend der Extra­klasse. Das Publikum ist aus dem Häuschen, und viele bleiben noch, um sich mit den Künst­le­rinnen am Verkaufs­tisch ihrer Alben zum persön­lichen Gespräch zu treffen.

Women of the World zum Schumannfest einzu­laden: ein Volltreffer. Wie man mit diesen bunten Farbtupfern umgeht, wird hoffentlich in der Tonhalle zukünftig für Diskus­sionen sorgen. Als den Damen statt Blumen dann auch noch völlig unpassend Schoko­la­den­mo­delle der Tonhalle überreicht werden, kann Ray nicht umhin zu rufen: „Da wollen wir auftreten!“ Das wollen die Gäste des Abends auch.

Michael S. Zerban

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