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Lisbeth Gruwez ist in Belgien geboren und begann mit sechs Jahren mit klassischem Ballett. Sie studierte an der Königlichen Ballettschule in Antwerpen und anschließend in Brüssel zeitgenössischen Tanz. Zusammen mit dem Musiker und Komponisten Maarten Van Cauwenberghe gründete sie 2007 die Compagnie Voetvolk – zu Deutsch Fußvolk – und erarbeitet sich seitdem einen Erfolg nach dem anderen, indem sie ihre eigene, von Präzision gekennzeichnete Handschrift ständig weiterentwickelt. Ihre neueste Arbeit ist The Sea Within – das Meer innerhalb – mit der sie im Mai 2018 erstmals in Deutschland auftrat. Und zum ersten Mal tanzt sie eine Choreografie nicht mit. Stattdessen schickt sie in Düsseldorf neun Tänzerinnen auf die Bühne. Ursprünglich waren es elf, bei der deutschen Erstaufführung zehn Tänzerinnen und vermutlich vertrüge das Werk auch eine weitere Reduktion. Es ist wie bei einer guten Tomatensauce: Wer sie zur wirklichen Delikatesse bringen will, lässt sie einkochen, um die verschiedenen Ingredienzien schmackhaft miteinander zu verbinden.

Im Großen Saal im Tanzhaus NRW ist die Bühne denkbar einfach, aber raffiniert von Marie Szersnovicz gestaltet. Die Bodenfläche ist holzfarben, vermittelt aber im Verlauf immer mehr den Eindruck, Sand am Meeresgrund zu sein. Nach hinten ist die Bühne durch eine hochgezogene Leinwand abgeschlossen, die Seitenbühnen sind verhangen. Von dort aus betanzen die Tänzerinnen im Halbdunkel – das Licht hat Harry Cole eingerichtet – die Bühne. Ein Zitat begleitet die Aufführungsserie, mit dem Gruwez ihre Arbeit erklärt. „Man ist heutzutage sehr wohl darin geübt, Dinge auseinanderzunehmen. Jedoch vergisst man oft, sie wieder zusammenzusetzen.“ Das macht sie zur Prämisse ihrer Arbeit, indem sie die einzelnen Tänzerinnen im Chaos ihrer Bewegungen nicht allein lässt, sondern sie immer wieder zu einer Gruppe zusammenführt.
Gerade diese Gruppenbildung hat es in sich. Hier finden nicht nur musikalische Kumulation und Höhepunkte, sondern auch Bewegungsabläufe statt, die geradezu poetisch wirken. Da verwinden sich Individuen zu einer Solidargemeinschaft, die zu immer neuen Ergebnissen findet. Mal kämpferisch, mal strudelnd wie Tang, immer aber voller Impulse zeigt sich die Gruppe auch schon mal in einer Linie, von Cole in einen Lichtstrahl gesetzt. Daraus ergibt sich insgesamt eine „poetische Frauenbewegung“, die das Publikum eine Stunde lang in ihren Bann zieht. Dass in den Momenten, in denen die Frauen einzeln ihre Bahnen ziehen, starke Charaktere sichtbar werden, gibt der Choreografie zusätzliche Würze.
Was den Abend zu einer Besonderheit werden lässt, ist die Komposition von Maarten Van Cauwenberghe. Er versteht es, sich vom Piano in die Ekstase treiben zu lassen, ohne den grundsätzlich meditativen Charakter zu verlieren.
Das Publikum im nahezu vollbesetzten Saal genießt den Abend und applaudiert engagiert einer verträumten Aufführung, die mit ungewöhnlicher Bewegungssprache beeindruckt. Da wird gejohlt und geklatscht, vereinzelt stehen die Besucher auf, um die Damen in ihren T‑Shirts und Miederhosen zu beglückwünschen. Schön, dass Gruwez und Van Cauwenberghe in Düsseldorf angekommen sind.
Michael S. Zerban