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SKYLINE-KONZERT NR. 3
(Peter Tschaikowsky, Robert Schumann, Manuel de Falla, Dmitri Schostakowitsch)
Besuch am
26. Juni 2025
(Einmalige Aufführung)
Jetzt sage noch einer, das Schumannfest schaue nicht in die Zukunft. Im Rahmen der Skyline-Konzerte, die die Zuschauer in die oberen Etagen der Hochhäuser der Stadt bitten, lädt die Tonhalle in ein Hotel ein, das noch gar nicht existiert. Wer das One Plaza im Kartenwerk eines Suchdienstes im Internet eingibt, wird dort eine Baugrube am Kennedydamm in Düsseldorf entdecken. Ganz so schlimm ist es nicht. Inzwischen steht dort ein sechsstöckiger Prachtbau, der noch auf die Fertigstellung wartet. Immerhin sind in brutalistischer Umgebung wesentliche Merkmale wie Strom und funktionierende Aufzüge bereits vorhanden. Ein Saal, der direkt an eine Dachterrasse grenzt, ist für das dritte Skyline-Konzert hergerichtet. Am Morgen wurde noch ein Teppich in die betonstrotzende Halle gelegt, der Konzertflügel wurde rechtzeitig geliefert und eine Bühne hergerichtet. Ein, zwei Scheinwerfer mehr hätten es sein dürfen. So schwimmen die Musiker in einem Lichtsee und verschwinden ansonsten im späteren Verlauf im Halbdunkel. Immerhin erstrahlen die wunderschönen Blumengebinde im indirekten Licht. Über den Dächern der Stadt ist allerdings himmelweit übertrieben. Vielmehr eröffnet sich hier eher der Blick auf die umliegenden Hochhäuser. Macht aber nichts. Die Spielstätte ist in ihrer Ausstattung und mit der Dachterrasse schon eindrucksvoll. Der Effekt funktioniert also.
Alban Gerhardt ist in erster Linie mal ein sympathisch wirkender Typ, der sein Cello in Perfektion beherrscht. Noten hat er im Kopf, Virtuosität in den Fingern und Ideen ohne Ende. Damit gehört er zu den Ausnahmemusikern, die im Leben mehr erreichen, als sich auf die bloße Wiedergabe altbekannten Repertoires zu beschränken. Deshalb tritt er heute Abend mit dem Alliage-Quintett auf. Vier Saxofonisten und eine Pianistin, die weltweit begeistern. Der gebürtige Kanadier Daniel Gauthier hat das Ensemble gegründet, dessen französischer Name sich mit Legierung oder Gemisch übersetzen lässt. 1997 erhielt er die erste Professur für klassisches Saxofon in Deutschland und unterrichtet seit 2003 in Köln. Ihm zur Seite sitzen Miguel Vallés am Altsaxofon, Simon Hanrath am Tenor- und Sebastian Pottmeier am Baritonsaxofon. Das Rückgrat bildet Jang Eun Bae am Flügel. Mitten unter ihnen nimmt Gerhardt Platz.

Schön, dass Diskussionen darüber ausbleiben, ob man russische Musik noch spielen dürfe. Und so eröffnet das ungewöhnliche Ensemble mit den Rokoko-Variationen in A‑Dur von Peter Tschaikowsky in einer Bearbeitung von Stefan Malzew. Entstanden ist das Werk zwischen Dezember 1876 und März 1877. Mit Rokoko hat es nur insofern zu tun, als der Komponist den Rokoko-Stil imitiert. Nach der Vorstellung des Themas wird es dann in unterschiedlichen Variationen abgehandelt. Flott und unterhaltsam gelangt das Stück zur Coda, in der das Material noch einmal episodisch wiedergegeben wird.
Dem Schumannfest, erzählt Gerhardt, sei es geschuldet, dass man sich entschied, Adagio und Allegro von Robert Schumann in einer eigenen Bearbeitung aufzuführen. 1849 ist das Stück entstanden, das – bitte schön, das ist Geschmackssache – im Gesamtprogramm ein wenig abfällt, was nicht an den Musikern, sondern eher an der Komposition liegt. Aber die Fallhöhe steigt mit dem in Cádiz geborenen Manuel de Falla und seinen Siete Cançiones Populares Españolas in der Bearbeitung von Sebastian Gottschick gleich wieder deutlich an. Die spanisch geprägte Volksmusik, die seine Musik nachhaltig geprägt hat, untermalt wunderbar den allmählichen Sonnenuntergang, ehe sich die Gästeschar in einer 40-minütigen Pause im Dachgarten verlustiert.

Nach Häppchen und Wein will das Publikum unterhalten sein. Da trifft es sich gut, dass als nächstes die Fünf Stücke von Schostakowitsch in der Bearbeitung von Levon Atovmian auf dem Programm stehen. Keine schwere Kost, sondern Musik aus Film und Ballett erklingt gefällig. Und wo Walzer und Polka am Ende stehen, dürfen sich die Musiker des Applauses gewiss sein. Mit der Rhapsody in Blue von George Gershwin aus dem Jahr 1924 setzen die Musiker ein wunderbares Schlusszeichen, das den Begriff Finale verdient. Zumal die Bearbeitung von Malzew außerordentlich gelungen ist, der die Rollen von Orchester und Solist vertauscht, indem er Saxofonen und Cello die Solistenrolle anvertraut und das Klavier die Orchesterrolle übernehmen muss. Eine gelungene Idee, klingt die heute gespielte Version doch so wesentlich eingängiger.
Da mag bei dem einen oder anderen die Skepsis zu Beginn des Abends überwogen haben. Schließlich gehört die Kombination von vier Saxofonen mit Klavier und Cello nicht zu den üblichen Podiumsbesetzungen eines klassischen Konzerts. Aber Alban Gerhardt und seinen Freunden ist es gelungen, vom ersten Augenblick an die Spannung mit „russischen“ Klängen aufzubauen, für das richtige Maß an Unterhaltung mit dem Programm zu sorgen und am Schluss mit einem Ausflug nach Amerika die Begeisterung ganz weit nach oben zu treiben. So wundert es kaum, dass das Ensemble frenetisch gefeiert wird. Und es kann noch einen draufsetzen, wiederum mit einem russischen Komponisten. Tschaikowskys Walzer Nr. 2 aus der Jazz Suite lässt den Abend unvergesslich werden.
Michael S. Zerban