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Foto © Daniel Rácz

Allein, aber kraftvoll

SOLOS
(Adrienn Hód)

Besuch am
29. August 2018
(Einmalige Aufführung)

 

Inter­na­tionale Tanzmesse NRW, Tanzhaus NRW, Studio 6

Die Inter­na­tionale Tanzmesse NRW hat ihre Pforten geöffnet. Für die zahlreichen Gäste steht als erster Punkt gleich ein Knüller auf dem Plan. Das neue Balletthaus der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg inter­es­siert sie alle. Und so ist es, hört man, am Nachmittag hoffnungslos überlaufen.

Neben den Messe­ständen im Ehrenhof, die tagsüber dem Fachpu­blikum zur Verfügung stehen, ist in diesem Jahr das Tanzhaus NRW zum Zentrum der Tanzmesse erkoren, dass außerdem um das angren­zende Capitol-Theater erweitert wird. Eine kluge Entscheidung. Am Abend summt es dort wie im Bienen­stock. Eine herrliche Atmosphäre. Demge­genüber steht ein eher niedriger Organi­sa­ti­onsgrad. Eine zentrale Anlauf­stelle, geschweige denn Ansprech­partner sind nicht auszu­machen. Der Zeitplan läuft vollkommen aus dem Ruder – und fast muss man schon glücklich darüber sein, denn Pausen zwischen den Auffüh­rungen sind plangemäß nicht vorge­sehen. Dass sich bei der Fülle des Angebots parallel laufende Veran­stal­tungen kaum vermeiden lassen, ist schon ärgerlich genug, aber wohl unvermeidlich.

Am späteren Abend tritt im Studio 6 des Tanzhauses die ungarische Compagnie Hodworks auf. Ungarn gehört nicht zu den Ländern, die man gleich auf dem Zettel hat, wenn man über zeitge­nös­si­schen Tanz spricht. Umso inter­es­santer, was Choreo­grafin Adrienn Hód mit ihrer Compagnie präsen­tieren will. Solos nennt sie ihr Werk. Das Studio 6 ist mächtig aufge­putzt. Die Tribüne ist verschwunden, statt­dessen sind Stühle um eine Tanzfläche aufge­reiht. Die an den Traversen aufge­hängten Schein­werfer vermitteln Putzlicht-Stimmung. Und daran wird Miklós Mervel, der für das Licht­design verant­wortlich zeichnet, im Laufe der Vorstellung auch nicht viel ändern. Die Grundidee ist so schlicht wie überzeugend. Die Soli verschie­dener Tänzer sollen anein­an­der­ge­reiht ein neues Ganzes ergeben – und besten­falls in der Summe mehr erreichen als die einzelnen Teile zusammengenommen.

POINTS OF HONOR

Musik



Tanz



Choreo­grafie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Csaba Molnár eröffnet den Reigen mehr oder minder kurzer Auftritte im Leibchen mit schwarzer, kurzer Trikothose. Er macht die Spannung des tänze­ri­schen Körpers zum Thema. In der Überan­strengung schon fast beängs­tigend. Im anschlie­ßenden Auftritt als Kopie von Borat zeigt er im Badeanzug ebenso viel Haut. Wer aber mit dem Slapstick-Türken nicht so viel anfangen kann, der bleibt auch hier mit seiner Begeis­terung etwas zurück. Molnár liebt Zitate. In einem späteren Solo hat er einen Auftritt als schwuler Affici­onado, der eine Tänzerin anhimmelt, ehe er, in alle möglichen Felle verpackt, Musical-Themen singt. Bei Tänzern ist das mit dem Gesang so eine Sache, aber das Publikum nimmt die Versuche mit Humor.

Mit einem Fell-Imitat – so ist zu hoffen – beginnt auch Marcio Kerber Canabarro seine kleine Serie. In Unter­wäsche kämpft er gegen dieses Fell, tauscht es tänze­risch gegen die Bekleidung. Später vertieft er sich mit einer Besucherin in einer medita­tiven Begegnung. Ein Spannungs­bruch, der noch stärker wirkt als bei dem Redeschwall von Molnár. Die drama­tur­gi­schen Einbrüche heben die Soli von Emese Cuhorka umso stärker hervor. Umrahmen, betonen sie gleichsam.

Foto © Daniel Rácz

Cuhorka arbeitet als Tänzerin, Choreo­grafin und Schau­spie­lerin – und am liebsten in allen drei Berufen gleich­zeitig. Im ersten Auftritt rezitiert sie im Trikot offenbar aus einem Tagebuch oder Poesie­album, im darauf­fol­genden und stärksten Solo hat der schwarze, engan­lie­gende Anzug nur ein Schul­terteil, so dass die Brüste nach den ersten zwei Bewegungen entblößt werden. Martia­lisch wirkt die Gaze-Maske, die den Kopf umhüllt. Die Texte werden zweit­rangig, weil der Auftritt als solcher eine unglaub­liche Inten­sität ausstrahlt. Dass sie sich im dritten Solo als Eva im Paradies vollständig nackt präsen­tiert, entbehrt angesichts eines attrak­tiven Körpers, der im vorderen und hinteren Lenden­be­reich jeweils mit einem Tattoo verziert ist, nicht einer gewissen Erotik, vielleicht auch, weil ein Körper in tänze­ri­scher Grund­spannung immer faszi­nierend wirkt, lässt aber die Nacktheit natürlich erscheinen.

Ábris Gryllus ist für eine Musik zuständig, die vom entspannten Bar-Song bis zu rhyth­mi­scher Compu­ter­musik reicht. Die Konserve bietet aber wenig Eigen­stän­diges, sondern dient der Unter­malung. Was ja durchaus legitim ist und sich auch mal wohltuend vom üblichen ätheri­schen Rauschen abhebt.

Was sich hier, ein wenig abseits vom Haupt­ge­schehen, abspielt, macht sehr neugierig auf die Entwick­lungen der Tanzszene in Europa. Auch und vielleicht sogar vor allem in den Ländern, die weniger präsent im üblichen Tages­ge­schehen sind. Ist nicht ganz so aufregend wie Gruppen aus dem asiati­schen Raum einzu­laden, könnte aber zum europäi­schen Verständnis weitaus mehr beitragen. Das inter­na­tionale Publikum dieses Abends jeden­falls applau­diert herzlich und angetan.

Michael S. Zerban

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