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SPOTLIGHT KONZERT
(Diverse Komponisten)
Besuch am
26. Februar 2020
(Einmalige Aufführung)
Eine der regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen der Düsseldorf Lyric Opera ist das Spotlight Konzert. Bislang ein Arienabend, der den Sängern in dem Netzwerk, das Julia Coulmas ins Leben gerufen hat, Gelegenheit gibt, ihr Können zu demonstrieren. Inzwischen hat sich das Spotlight Konzert weiterentwickelt. Der Rahmen indes ist gleichgeblieben. Inmitten der Woche schlägt die Düsseldorf Lyric Opera ihr Lager im Bürgerhaus des Salzmannbaus im Düsseldorfer Stadtteil Bilk auf. Das Licht wird dezent eingerichtet, Stühle aufgebaut, und ein – oder zwei Klaviere – werden an den Bühnenrand geschoben. Vor Beginn der Aufführung haben die Gäste Gelegenheit, sich im kleinen Foyer, das eher an eine Kantine erinnert, mit Getränken aufzuwärmen. „Selbstverständlich“ ist der Abend ausverkauft. Und zu den schönen Gepflogenheiten gehört es auch, dass Coulmas den Abend mit einer kurzen Ansprache – sie nennt es warming up – eröffnet. Die Gäste schätzen das.

An diesem Abend gibt es eine Neuerung. Und die ist aller Ehren wert. Es gibt zur Eröffnung keine „Best-of“-Arien, sondern Lieder, die der Bariton James Williams selbst ankündigt. Eigentlich ist er Engländer, hat Gesang in London studiert und erzählt jetzt auf Deutsch von den Liedern Jean Sibelius‘, die er über den Abend verteilt singen wird. Da geht es im Liederzyklus op. 88 überwiegend um Florales. Anemonen in verschiedenen Farben, Rosen, Dornen und das Schicksal der Blume stehen im Vordergrund. Um die Qualität dieser Lieder geht es nicht, und was Williams darbietet, gefällt, aber dass die Düsseldorf Lyric Opera sich diesem Thema öffnet, begeistert. Coulmas beweist damit, dass das Netzwerk tatsächlich keine Grenzen kennt. Besser kann es nicht gehen. Dass nach drei kurzen Liedern der Klassiker Dein ist mein ganzes Herz folgt, ein Standard für südkoreanische Sänger – so sei es. Ray Lee hat in Südkorea und Amerika studiert. Aber bei dem, was er heute Abend darbietet, gibt es eindeutig Verbesserungspotenzial. Es mag das Debüt sein, was den Tenor angestrengt erscheinen lässt, an seiner Wortverständlichkeit muss er noch eine Menge arbeiten. Am Ende des Abends, nachdem er noch Ah leve-toi soleil aus Roméo et Juliette von Charles Gounod mit viel unnötigem Vibrato gesungen hat, ist klar: Dieser Tenor steht noch ganz am Anfang. Das sieht bei Thomas Huy schon mal ganz anders aus. Er hat sein Gesangsstudium noch nicht ganz beendet, aber bereits eine Routine erarbeitet, die ihm das nötige Selbstbewusstsein vermittelt, gelassen aufzutreten. Das ist gut. Und wenn er dabei eine kritische Selbstreflektion beibehält, wird hier noch vieles zu erwarten sein. Besonders deutlich wird das, wenn Huy Hat man nicht auch Gold beineben aus Fidelio von Ludwig van Beethoven präsentiert.

Im zweiten Teil des Abends gibt es ebenfalls eine dankenswerte Änderung. Hier wird eine Szene aus Ruggero Leoncavallos I pagliacci statt weiterer Arien-Hits gezeigt. Tomasz Hakuba, der den Abend weitgehend moderiert, erklärt, um was es dabei geht. In erster Linie wird damit dem Neuzugang Ekaterina Somicheva Gelegenheit gegeben, sich darzustellen. Somicheva ist lyrischer Sopran, hat in Sankt Petersburg studiert und sich längst als Opern‑, Kammer- und Konzertsängerin etabliert. Seit drei Jahren lebt sie in Düsseldorf und hat sich jetzt der Düsseldorf Lyric Opera angeschlossen. Das Potenzial ist eindeutig erkennbar, angekommen ist sie aber ebenso eindeutig noch nicht. Die Nedda vom Blatt zu singen, ist zu wenig. Angenehm fällt aber in Andeutungen ihre Spielfreude auf. Wenn es ihr gelingt, sich mit der Familie der Lyric Opera zu identifizieren, wird sie hier noch manche Empfehlung singen können.
Jeder, der in den Salzmannbau kommt, weiß, dass er hier nicht die Met erwarten kann. Sondern Menschen, die als hidden champions herumlaufen und in einem Netzwerk den nötigen Rückhalt finden, um auf die nächste Stufe zu kommen. Besucher kommen hierher, um großartige Sänger zu finden, weil sie keinen Bock auf die Institutionen haben, keine Ahnung von Oper haben, sondern das, was da mitten in Düsseldorf geboten wird, einfach große Klasse finden.
Ein besonderes Lob gilt dabei Meghan Behiel, die nicht nur die Arien wunderbar mit den einfachsten Mitteln des Klaviers begleitet, sondern ihre Exzellenz auch und gerade als Liedbegleiterin unter Beweis stellt. Einfach fantastisch, was sie an diesem Klavier leistet. Unterstützt wird sie dabei kongenial von Michael Carleton. Mindestens einen Flügel würde man den beiden wünschen, aber dann fände der wunderbare Abend vermutlich nicht mehr in einem Stadtteil von Düsseldorf stattfinden.
Nach heftigem Beifall des Publikums gibt es noch so was wie eine Jam Session. Die Sänger geben das Trinklied der Traviata, sehr spontan, nicht immer ganz gelenkig, aber von Herzen. An diesem Abend gehen alle gut gelaunt nach Hause. Und freuen sich auf die nächste Ausgabe des Spotlight Konzerts.
Michael S. Zerban