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Den Wolken trotzen

KLASSIK MEETS FILMMUSIK – VON BAROCK ZU NEOKLASSIK
(Diverse Komponisten)

Besuch am
7. August 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Stadt­strand am Tonhal­lenufer, Düsseldorf

Wir wollen, dass Kultur für die Menschen kostenlos ist“, sagt der Mann, der sich nicht vorstellt, aber anscheinend für die Organi­sation vor Ort zuständig ist. Deshalb gibt es den Stadt­strand am Tonhal­lenufer. Als Gegen­leistung erwarte er aller­dings, dass die Gäste sich Getränke kaufen und für den Auftritt der Künstler eine „Spende“ entrichten. Eine merkwürdige Art der Augen­wi­scherei, aber sie scheint zu funktio­nieren. Die Liege­stühle, die vor den Containern mit der Bühne am Tonhal­lenufer in Düsseldorf aufge­stellt sind, sind gut besucht. Für einen Donners­tag­abend mit bedecktem Himmel bei 22 Grad sogar sehr gut besucht. Thomas Huy, Kurator der Reihe Classic on the Beach und Moderator des heutigen Abends, lädt zu Klassik meets Filmmusik – von Barock zu Neoklassik, einem Gesangs- und Klavier­konzert, ein. Und dass er die Moderation auf ein Minimum beschränken will, sagt er auch gleich.

Foto © Michael Zerban

Am E‑Piano nimmt Vlad Solodov­nykov Platz. Der in der Ukraine geborene Künstler arbeitet als Komponist, Sänger, Chorleiter und Kameramann. Er hat die Sängerin Olga Ali Grieshna mitge­bracht, die ebenfalls in der Ukraine geboren ist, jetzt von Hamburg nach Düsseldorf gezogen ist. Solodov­nykov, dem am ganzen Abend kein Lächeln gelingen will, eröffnet mit Fly von Ludovico Einaudi, begleitet dann Huy bei seinem Vortrag von Ombra mai fu, eine der berühm­testen Melodien von Georg Friedrich Händel. Eine eigene Bearbeitung präsen­tiert der Pianist von Alexander Skriabins Präludium für die linke Hand. Im September 1967 veröf­fent­lichte Louis Armstrong eine Single mit dem Song What a Wonderful World von George David Weiss und Bob Thiele. Bis heute hat die Schnulze nichts von ihrer Anzie­hungs­kraft verloren, wie Huy im Folgenden beweist. In flotter Folge geht es weiter. Una mattina stammt ebenfalls von Einaudi. Bekannter noch als das Klavier­stück dürfte das von Huy gesungene Caro mi ben sein, das – mit erheb­lichen Zweifeln – dem Kompo­nisten Giuseppe Giordani zugeschrieben wird. Ein Liebeslied, in dem ein junger Mann seiner Traumfrau sagt, dass er sich Hals über Kopf in sie verliebt hat und sein Herz nun nur nach ihr schmachtet. Nach der Etüde Nr. 6 von Philip Glass inter­pre­tiert der Bass-Bariton Hush No More von Henry Purcell, ehe mit einer Bearbeitung für Klavier solo von Wasted Love von Solodov­nykov der erste Teil des Konzerts zu Ende geht.

Wenn im Radio Musik­titel anmode­riert werden, hat das zweierlei Funktion. Der Hörer bekommt eine Einordnung und der Titel eine höhere Wertigkeit. Dasselbe gilt auch für das Live-Konzert. Gefühlt wird immer häufiger selbst auf einfache Abend­zettel verzichtet. Dem Besucher wird damit der Eindruck der Respekt­lo­sigkeit ihm gegenüber vermittelt. Ob dem Konzert­be­trieb das hilft, ist fraglich. Das gilt auch für den zweiten Teil des heutigen Konzerts. Unkom­men­tierte Abspiel­listen kann man sich bei Streaming-Platt­formen anhören, gern auch am Rheinufer mit Kopfhörern im Sonnen­un­tergang. Mit dem Sonnen­un­tergang aller­dings ist es heute Abend so eine Sache. Allmählich dräuen die Wolken, und es braucht schon viel guten Willen, nicht vorzeitig nach Hause zu gehen, um einen Regenguss zu vermeiden. Immerhin kommt man so in den Genuss einer Eigen­kom­po­sition Solodov­nykovs mit dem Titel VII. Huy greift mit dem Cold Song noch einmal auf Purcell zurück. Aus dem Film Die fabel­hafte Welt der Amélie trägt Solodov­nykov Amélies Thema vor. Dann hat Grieshna, die als special guest angekündigt wird, ihren ersten Auftritt mit O mio babbino caro. Aus der Best-of-Piano-Kategorie folgt Claire de Lune von Claude Debussy. Ebenfalls ein Schlager von Händel ist die Arie Lascia ch’io pianga aus der Oper Rinaldo, die Huy mit viel Inbrunst inter­pre­tiert. Nach Inter­stellar auf dem Klavier sorgt der Sänger mit Halle­lujah von Leonard Cohen für Begeis­terung beim Publikum. Und Solodov­nykov schließt den zweiten Teil mit Robert Schumanns Träumerei.

Foto © Michael Zerban

Ein Bach-Medley eröffnet den letzten Teil des Abends. Und Huy greift mit Leave Me Loathsome Light noch einmal auf Händel zurück. Gabriele Denaros Etna Soul bereitet den zweiten Auftritt von Grieshna vor. Warum es Rise Like a Phoenix von Conchita Wurst sein muss, erschließt sich nicht jedem, aber dem Publikum gefällt die Inter­pre­tation. Solodov­nykov hat zwischen­zeitlich zum dritten Mal die Kleidung und die Sonnen­brillen gewechselt. Auch das vorletzte Solo mit Light of the Seven und dem Main Theme aus Game of Thrones gefällt den Besuchern sein Spiel. Und mit Somewhere over the Rainbow kann Huy erwar­tungs­gemäß noch einmal die Wellen höher schlagen lassen, auch wenn sich die Reihen inzwi­schen gelichtet haben und es allmählich frisch wird, nachdem man so den ganzen Abend im Liege­stuhl verbracht hat. Zum Schluss greift Solodov­nykov noch einmal mit Andare/​devinire von Einaudi in die Tasten. Statt einer Zugabe gibt es eine Wieder­holung von Halle­lujah, diesmal bitte schön unter Betei­ligung des Publikums. Das will nicht so recht gelingen, hier kriecht abgesehen von der abend­lichen Kühle nichts mehr unter die Haut. Nach mehr als zwei Stunden Programm reicht es denn auch wirklich. Am Ende will sich keine rechte Euphorie einstellen.

Da ist die Hoffnung auf den 4. September groß. Dann ist in der Reihe ein Benefiz­konzert für die Düssel­dorfer Tafel vorge­sehen. Mit mehr Personal, das den Eindruck vermittelt, sich über einen Auftritt zu freuen, hoffentlich mehr Moderation, und ein wenig mehr Enthu­si­asmus abseits von Spenden­auf­rufen und der Auffor­derung, sich Getränke zu kaufen.

Michael S. Zerban

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