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Vielschichtige Erinnerung

SWEET HEIMAT
(Claudia Küppers, Ruth Spitzlei)

Besuch am
26. Juli 2025
(Urauf­führung)

 

Küppers & Konsorten im Theater­museum Hofgar­tenhaus Düsseldorf

Wenn Claudia Küppers und ihr Team, also Küppers & Konsorten, Menschen ab 60 Jahren zur Teilnahme an einem neuen Projekt einladen, ist das Interesse groß. Über 130 Inter­es­senten meldeten sich bei den ersten beiden Projekten, aus denen sich die Goldene Garde mit 30 beim ersten und 20 Teilnehmern beim zweiten Projekt rekru­tierte, das Tanzensemble, das das Projekt dann umsetzte. Ihre Heimat ist das Theater­museum Hofgar­tenhaus Düsseldorf. Nach demselben Prinzip ist nun auch Sweet Heimat entstanden, diesmal gibt es 16 Akteure auf der Bühne.

Wenn eine Ehefrau ihrem Gatten nach 30 Ehejahren beiläufig mitteilt, sie wolle am Wochenende unbedingt mal wieder nach Hause fahren, dann löst das im ersten Moment Irritation aus, ehe dem Mann einfällt, dass sie vermutlich das eigene Elternhaus meint. Nach 30 Jahren ist ihr Zuhause immer noch da, wo ihre Eltern wohnen, und nicht etwa die Wohnung, in der das Ehepaar gemeinsam die letzten drei Jahrzehnte verbracht hat. Das führt zu der Frage, was eigentlich Zuhause oder Heimat ist? Mit diesem Thema haben sich Choreo­grafin Küppers, ihre Tanzpäd­agogin Ruth Spitzlei und die 16 Akteure intensiv ausein­an­der­ge­setzt und ihre Erkennt­nisse in einem Tanztheater-Stück einfließen lassen.

Foto © Michael Zerban

Der Begriff der Heimat zeigt sich hochkomplex. Beginnend mit einem Urver­trauen, das in der Erinnerung bleibt, über Rituale und Gewohn­heiten, oft behaftet mit Überal­terung und Verkrustung, aber auch mit Anekdoten, das Wort Zukunft kommt dabei kaum vor. Ist Heimat überhaupt ein Ort, oder sind es die Menschen, die jemanden heimisch fühlen lassen? Brauche ich überhaupt eine Heimat, gibt es vielleicht Begriffe oder Zustände, die zeitge­mäßer sind? Und kann mir eine Tanztheater-Aufführung bei so vielen Gedanken und Fragen überhaupt eine Hilfe sein?

Der Lore-Lorentz-Saal ist der große Veran­stal­tungsraum im Theater­museum. Und wer glaubt, dass hier an einem Samstag­nach­mittag um 16 Uhr bei bestem Sommer­wetter kein Publikum erscheint, irrt gewaltig. Kein Platz bleibt frei vor der Bühne, die Anne Bentgens vergleichs­weise aufwändig einge­richtet hat. Die Wände sind vollständig mit schwarzem Stoff verhängt, an der Rückwand ist ein altmo­disch gemus­terter Stoff aufge­bracht. In der linken Ecke steht eine fahrbare Kleider­stange, die mit einem grünen Netz bespannt ist, das als Aufhängung für allerlei Requi­siten dient. Hocker an der linken und der Rückwand vervoll­stän­digen die Ausstattung. Hinter den Stuhl­reihen sind Schein­werfer aufge­stellt. Tobias Heide ist für die Technik und damit auch für das Licht zuständig, das er wohldo­siert und stimmungs­be­zogen einsetzt. Er sorgt auch für den passge­nauen Einsatz von kurzen Musik­ein­spie­lungen, die das Geschehen unterstützen.

Foto © Michael Zerban

Die Nervo­sität der schwarz­ge­klei­deten Laien­dar­steller ist bis zur letzten Minute vor der Aufführung bis zum Anschlag hochge­schraubt. Dabei besteht dazu eigentlich gar kein Grund. Die Texte sind selbst erarbeitet und sorgsam einstu­diert, die letzten Wochen mit inten­siven Proben vergangen. Und wirklich: Von der ersten Minute an läuft es hervor­ragend. Auch wenn man von Tanztheater nur sehr beschränkt sprechen mag: Tänze­rische Bewegungen finden nur marginal statt, aber die gelungene Raumauf­teilung und die Bewegungs­ab­läufe im Ensemble, bei Einzel­auf­tritten oder in Klein­gruppen gefallen sehr, erfordern ein Höchstmaß an Konzen­tration bei den Ausfüh­renden. Selbst für einen panto­mi­mi­schen Vortrag ist noch Gelegenheit. Wenn im Chor Begriffe vorge­tragen werden oder die Akteure sich in zwei Reihen gegen­über­stehen und Gegen­satz­paare zurufen, funktio­niert das ebenso gut wie die kleinen Einzel­vor­träge. Wunderbar die Geschichte vom Sonntags­spa­ziergang. Vieles ruft im Publikum Schmunzeln hervor, nicht, weil die Anekdote so witzig ist, sondern wohl eher, weil die eigene Erinnerung wieder erwacht.

In 40 Minuten gelingt es dem Ensemble, viel Wärme zu entfachen, aber auch das zu bewirken, was Theater kann: Erinne­rungen wachrufen, neue Impulse setzen, die Menschen mit ihren eigenen Gedanken zum Thema nach Hause schicken, um vielleicht neue Betrach­tungs­weisen zu entwi­ckeln. Das Publikum weiß das zu würdigen, applau­diert begeistert und entlässt die glück­lichen Darsteller nur ungern. Einmal mehr bedau­erlich, dass das Stück nach nur zwei Vorstel­lungen am selben Tag abgespielt ist.

Michael S. Zerban

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