O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken

TAPAS-KONZERT
(Diverse Komponisten)
Besuch am
18. April 2024
(Einmalige Aufführung)
Reza Indrakesuma und Jeremias Mameghani haben eines gemeinsam: Sie lieben Musik und gutes Essen. Der Leiter des C. Bechstein Centrums in Düsseldorf und der Rechtsanwalt sind seit Jahren befreundet, und beide sind passionierte Klavierspieler. Als sie nach einem Konzert beisammensaßen, das war noch, als das Centrum im Stilwerk an der Grünstraße war, fanden sie, zu einem guten Konzert gehöre eigentlich auch gutes Essen. Inzwischen ist das Klaviergeschäft in die Adersstraße am Ende der Königsallee umgezogen, und die beiden haben mittlerweile zwei Tortenkonzerte organisiert. Da wird nach einem moderierten Konzert Kaffee und Kuchen gereicht, und die Gäste haben noch ausreichend Gelegenheit, mit den Künstlern zu sprechen. Die Idee kam so gut an, dass sie nach Weiterentwicklung rief. Und nun ist es also so weit. Statt eines Wochenendtermins findet das erste Tapas-Konzert in Düsseldorf an einem Donnerstagabend statt, Kaffee und Kuchen weichen von Indrakesuma selbst gefertigten Tapas und auch das Konzert bekommt neue Inhalte. Eine Tapa ist ein „Appetithäppchen, das in Tapas-Bars üblicherweise zu Wein, jedoch auch zu Bier“ gereicht und üblicherweise im Stehen verzehrt wird. Bis die Appetithäppchen zum Verzehr stehen, müssen sich die zahlreich erschienenen Besucher jedoch noch ein wenig gedulden.

Wer Tapas ruft, muss auch Spanien liefern. Findet zumindest Mameghani und hat für diesen Abend ein spanischsprachiges Programm zusammengestellt. Er selbst eröffnet das Konzert mit dem Werk eines der bekanntesten spanischen Komponisten, Isaac Albéniz, nämlich dem eher einfach gestrickten Präludium aus dem Klavierzyklus España. Es lohnt sich, sich mit dem Werk von Albéniz näher zu beschäftigen, der 1860 geboren wurde und im Alter von nur 48 Jahren verstarb. Sein größter Verdienst ist sicher, die Rhythmik spanischer und andalusischer Volksmusik in seinen Klavierwerken zu verarbeiten. Nach dieser gelungenen Einführung wird aufgeheizt. Nina Kofouchristou hat in Thessaloniki studiert, ehe sie ihr Studium in Köln mit dem Konzertexamen abschloss. Von 2016 bis zum vergangenen Jahr war sie Mitglied des Wuppertaler Opernensembles. Jetzt singt die Sopranistin aus Georges Bizets Carmen die Habanera und Seguidilla. Ein wunderbarer Auftritt, der textverständlich und ohne folkloristische Übertreibung die Feinheiten der Stücke interpretiert.
Nach Südamerika, genauer nach Argentinien, geht es mit dem Komponisten Alberto Ginastera. Aus dem Jahr 1937 stammen drei argentinische Tänze, von denen Iva Jovanović-Hoppe zwei präsentiert. Jovanović-Hoppe studierte Klavier in Köln und Essen. Vielfach preisgekrönt, widmet sie sich heute vor allem der Musikpädagogik. 2021 gründete sie die Internationale Musikschule in Kaarst. Mameghani verweilt noch ein wenig in Argentinien, weil er den Komponisten Carlos Guastavino vorstellen möchte. Tatsächlich weckt er mit dem vorgetragenen Bailecito Lust, sich näher mit dem Komponisten und seinem Werk auseinanderzusetzen.

Das Nesthäkchen des Abends ist die Geigerin Génesis Hernández, die in Venezuela geboren ist. Dort studierte sie Violine und Barockvioline, ließ sich zudem als Musikpädagogin ausbilden. Nach jahrelanger Erfahrung im Orchester und als Lehrerin lebt sie seit 2022 in Deutschland und arbeitet heute an der städtischen Musikschule Monheim. Von dem spanischen Komponisten Pablo Sarasate präsentiert sie in Begleitung von Mameghani die Playera aus den Spanischen Tänzen, opus 23 Nummer 1. Ebenfalls Spanische Tänze hat der deutsche Komponist Moritz Moszkowski geschrieben. Aus seinem Opus 12 spielen Jovanović-Hoppe und Mameghani die ersten drei vierhändig und zeigen damit die Vielfalt auf, die sich hinter dem Begriff des Spanischen Tanzes verbirgt. Bei Moszkowski hätte es vermutlich nicht allzu vieler Änderungen gebraucht, um aus dem Notenmaterial einen Karnevalsschlager aus der Entstehungszeit seiner Komposition entstehen zu lassen.
Und damit wendet sich der Abend wieder dem Gesang zu. Kofouchristou singt Asturiana und Nana aus den 1912 in Paris entstandenen Siete canciones populares españolas von Manuel de Falla, der bis heute zu den bekanntesten spanischen Komponisten zählt. Ihre Interpretation der Mädchen von Cadiz – Les filles de Cadix – einem der bekanntesten Lieder von Léo Delibes fällt thematisch ein wenig aus dem Rahmen, fügt sich aber wunderbar an die zuvor gesungenen Lieder an. Mit ihrer Darbietung schafft Kofouchristou eine kleine Entspannungsphase vor dem Feuerwerk des Abends.
Katerina Giannakopoulou ist leidenschaftliche Flamenco-Tänzerin, die nicht nur den furiosen Auftritt liebt, sondern immer auch nach modernen Ausdrucksformen sucht, die sich möglichst weit von der Hotel-Folklore entfernt, die diesem Tanz immer noch – zu Unrecht – anhaftet. Wenn sie nicht gerade wieder die nächste Aufführung plant, nimmt sie sich in ihrer eigenen Flamenco-Schule in der Kölner Tanzfaktur die Zeit, ihr Wissen weiterzugeben. So wird sie am 27. April in der Kölner Lutherkirche gemeinsam mit dem Pianisten Aeham Ahmad und dem Flamenco-Gitarristen Franco Carmine das Stück Der „Pianist aus den Trümmern“ trifft auf Flamenco aufführen. Carmine ist nicht nur ein überaus versierter Begleiter für den Flamenco, sondern arbeitet auch seit vielen Jahren mit Giannakopoulou zusammen. Und so überrascht es kaum, dass er sie heute Abend begleitet.
Eine Überraschung bietet allerdings die zurecht viel gerühmte Akustik im Bechstein-Zentrum, die nun die Gitarrenklänge schier verschluckt. So gerät hier manche Feinheit im Wortsinn unter die Füße, wenn die gebürtige Griechin ihrem spanischen Temperament freien Lauf lässt. Von der fehlenden Klangbalance zwischen Musik und Tanz lassen sich die Besucher allerdings wenig beeindrucken.
Die Freude ist groß, der Beifall ausgiebig – und der Hunger auch. Alsbald drängen sich Besucher und Künstler vor dem Büffet und beweisen einmal mehr, wie gut sich Konzert und Kulinarisches vertragen. Der Abend wird lang über den vielen Gesprächen. Indrakesuma verspricht spontan noch eine ähnliche Veranstaltung in diesem Jahr, und Mameghani hat auch gleich schon das Motto parat: Pizza, Pasta und Amore wird dann der Titel sein. Wenn es ein ähnlich ungewöhnliches Konzert wie das heute Abend wird, und davon ist getrost auszugehen, sollte man mit der Kartenbestellung nicht zu lange warten.
Michael S. Zerban