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Jeremia Mameghani, Katerina Giannakopoulou, Iva Jovanović-Hoppe, Franco Carmine, Nina Kofouchristou und Génesis Hernández - Foto © O-Ton

Ausflug ins Spanische

TAPAS-KONZERT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
18. April 2024
(Einmalige Aufführung)

 

C. Bechstein Centrum, Düsseldorf

Reza Indra­kesuma und Jeremias Mameghani haben eines gemeinsam: Sie lieben Musik und gutes Essen. Der Leiter des C. Bechstein Centrums in Düsseldorf und der Rechts­anwalt sind seit Jahren befreundet, und beide sind passio­nierte Klavier­spieler. Als sie nach einem Konzert beisam­men­saßen, das war noch, als das Centrum im Stilwerk an der Grünstraße war, fanden sie, zu einem guten Konzert gehöre eigentlich auch gutes Essen. Inzwi­schen ist das Klavier­ge­schäft in die Aders­straße am Ende der Königs­allee umgezogen, und die beiden haben mittler­weile zwei Torten­kon­zerte organi­siert. Da wird nach einem moderierten Konzert Kaffee und Kuchen gereicht, und die Gäste haben noch ausrei­chend Gelegenheit, mit den Künstlern zu sprechen. Die Idee kam so gut an, dass sie nach Weiter­ent­wicklung rief. Und nun ist es also so weit. Statt eines Wochen­end­termins findet das erste Tapas-Konzert in Düsseldorf an einem Donners­tag­abend statt, Kaffee und Kuchen weichen von Indra­kesuma selbst gefer­tigten Tapas und auch das Konzert bekommt neue Inhalte. Eine Tapa ist ein „Appetit­häppchen, das in Tapas-Bars üblicher­weise zu Wein, jedoch auch zu Bier“ gereicht und üblicher­weise im Stehen verzehrt wird. Bis die Appetit­häppchen zum Verzehr stehen, müssen sich die zahlreich erschie­nenen Besucher jedoch noch ein wenig gedulden.

Jeremias Mameghani und Nina Kofou­ch­ristou – Foto © O‑Ton

Wer Tapas ruft, muss auch Spanien liefern. Findet zumindest Mameghani und hat für diesen Abend ein spanisch­spra­chiges Programm zusam­men­ge­stellt. Er selbst eröffnet das Konzert mit dem Werk eines der bekann­testen spani­schen Kompo­nisten, Isaac Albéniz, nämlich dem eher einfach gestrickten Präludium aus dem Klavier­zyklus España. Es lohnt sich, sich mit dem Werk von Albéniz näher zu beschäf­tigen, der 1860 geboren wurde und im Alter von nur 48 Jahren verstarb. Sein größter Verdienst ist sicher, die Rhythmik spani­scher und andalu­si­scher Volks­musik in seinen Klavier­werken zu verar­beiten. Nach dieser gelun­genen Einführung wird aufge­heizt. Nina Kofou­ch­ristou hat in Thessa­loniki studiert, ehe sie ihr Studium in Köln mit dem Konzert­examen abschloss. Von 2016 bis zum vergan­genen Jahr war sie Mitglied des Wupper­taler Opern­en­sembles. Jetzt singt die Sopra­nistin aus Georges Bizets Carmen die Habanera und Segui­dilla. Ein wunder­barer Auftritt, der textver­ständlich und ohne folklo­ris­tische Übertreibung die Feinheiten der Stücke interpretiert.

Nach Südamerika, genauer nach Argen­tinien, geht es mit dem Kompo­nisten Alberto Ginastera. Aus dem Jahr 1937 stammen drei argen­ti­nische Tänze, von denen Iva Jovanović-Hoppe zwei präsen­tiert. Jovanović-Hoppe studierte Klavier in Köln und Essen. Vielfach preis­ge­krönt, widmet sie sich heute vor allem der Musik­päd­agogik. 2021 gründete sie die Inter­na­tionale Musik­schule in Kaarst. Mameghani verweilt noch ein wenig in Argen­tinien, weil er den Kompo­nisten Carlos Guastavino vorstellen möchte. Tatsächlich weckt er mit dem vorge­tra­genen Bailecito Lust, sich näher mit dem Kompo­nisten und seinem Werk auseinanderzusetzen.

Katerina Gianna­ko­poulou und Franco Carmine – Foto © O‑Ton

Das Nesthäkchen des Abends ist die Geigerin Génesis Hernández, die in Venezuela geboren ist. Dort studierte sie Violine und Barock­violine, ließ sich zudem als Musik­päd­agogin ausbilden. Nach jahre­langer Erfahrung im Orchester und als Lehrerin lebt sie seit 2022 in Deutschland und arbeitet heute an der städti­schen Musik­schule Monheim. Von dem spani­schen Kompo­nisten Pablo Sarasate präsen­tiert sie in Begleitung von Mameghani die Playera aus den Spani­schen Tänzen, opus 23 Nummer 1. Ebenfalls Spanische Tänze hat der deutsche Komponist Moritz Moszkowski geschrieben. Aus seinem Opus 12 spielen Jovanović-Hoppe und Mameghani die ersten drei vierhändig und zeigen damit die Vielfalt auf, die sich hinter dem Begriff des Spani­schen Tanzes verbirgt. Bei Moszkowski hätte es vermutlich nicht allzu vieler Änderungen gebraucht, um aus dem Noten­ma­terial einen Karne­vals­schlager aus der Entste­hungszeit seiner Kompo­sition entstehen zu lassen.

Und damit wendet sich der Abend wieder dem Gesang zu. Kofou­ch­ristou singt Asturiana und Nana aus den 1912 in Paris entstan­denen Siete canciones populares españolas von Manuel de Falla, der bis heute zu den bekann­testen spani­schen Kompo­nisten zählt. Ihre Inter­pre­tation der Mädchen von Cadiz – Les filles de Cadix – einem der bekann­testen Lieder von Léo Delibes fällt thema­tisch ein wenig aus dem Rahmen, fügt sich aber wunderbar an die zuvor gesun­genen Lieder an. Mit ihrer Darbietung schafft Kofou­ch­ristou eine kleine Entspan­nungs­phase vor dem Feuerwerk des Abends.

Katerina Gianna­ko­poulou ist leiden­schaft­liche Flamenco-Tänzerin, die nicht nur den furiosen Auftritt liebt, sondern immer auch nach modernen Ausdrucks­formen sucht, die sich möglichst weit von der Hotel-Folklore entfernt, die diesem Tanz immer noch – zu Unrecht – anhaftet. Wenn sie nicht gerade wieder die nächste Aufführung plant, nimmt sie sich in ihrer eigenen Flamenco-Schule in der Kölner Tanzfaktur die Zeit, ihr Wissen weiter­zu­geben. So wird sie am 27. April in der Kölner Luther­kirche gemeinsam mit dem Pianisten Aeham Ahmad und dem Flamenco-Gitar­risten Franco Carmine das Stück Der „Pianist aus den Trümmern“ trifft auf Flamenco aufführen. Carmine ist nicht nur ein überaus versierter Begleiter für den Flamenco, sondern arbeitet auch seit vielen Jahren mit Gianna­ko­poulou zusammen. Und so überrascht es kaum, dass er sie heute Abend begleitet.

Eine Überra­schung bietet aller­dings die zurecht viel gerühmte Akustik im Bechstein-Zentrum, die nun die Gitar­ren­klänge schier verschluckt. So gerät hier manche Feinheit im Wortsinn unter die Füße, wenn die gebürtige Griechin ihrem spani­schen Tempe­rament freien Lauf lässt. Von der fehlenden Klang­ba­lance zwischen Musik und Tanz lassen sich die Besucher aller­dings wenig beeindrucken.

Die Freude ist groß, der Beifall ausgiebig – und der Hunger auch. Alsbald drängen sich Besucher und Künstler vor dem Büffet und beweisen einmal mehr, wie gut sich Konzert und Kulina­ri­sches vertragen. Der Abend wird lang über den vielen Gesprächen. Indra­kesuma verspricht spontan noch eine ähnliche Veran­staltung in diesem Jahr, und Mameghani hat auch gleich schon das Motto parat: Pizza, Pasta und Amore wird dann der Titel sein. Wenn es ein ähnlich ungewöhn­liches Konzert wie das heute Abend wird, und davon ist getrost auszu­gehen, sollte man mit der Karten­be­stellung nicht zu lange warten.

Michael S. Zerban

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