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Aus der Provinz zur Poesie

ÜBER PARIS INS PARADIES
(Diverse Komponisten)

Besuch am
7. April 2024
(Premiere am 6. April 2024)

 

Kabarett Flin, Düsseldorf

Es ist immer wieder schön, ins Kabarett Flin, der Kultur­gast­stätte am Staufen­platz in Düsseldorf, zu kommen. Das Theaterchen, wie es Teresa und Kristof Stößel als Betreiber selbst nennen, hat die Pandemie, kurz nachdem die beiden es übernahmen, inzwi­schen – auch mit Hilfe der Stadt Düsseldorf – überstanden. Das Programm, das mit viel Comedy und Komödie, aber immer wieder auch mit ausge­fal­lenen Auffüh­rungen aufwartet, lockt die Besucher an. Und wer einmal hier war, kommt ohnehin gerne wieder. Dazu trägt ganz wesentlich der herzliche Empfang und die angenehme Atmosphäre des ehema­ligen Ausflugs­lokals bei, in dessen Zentrum es heute eine Bühne gibt. Gern kommt das Publikum deutlich vor Beginn der eigent­lichen Aufführung, um sich mit kulina­ri­schen Kleinig­keiten und Getränken verwöhnen zu lassen. Der neueste Einfall, Eiskonfekt in der Pause anzubieten, wird gut angenommen. Da hat Teresa Stößel die Gäste längst auf das Herzlichste begrüßt und alles unter­nommen, damit sich hier wirklich jeder wohlfühlen kann.

Heute Abend ist zum wieder­holten Male das Duo Savoir vivre zu Gast. Das sind die Sängerin Noémi Schröder und ihr Klavier­be­gleiter Klaus Klaas, die im vergan­genen Jahr mit einem Édith-Piaf-Programm und einer Weihnachts­feier im Kabarett Flin begeistern konnten. Nun also stellen die beiden ihr Chanson-Programm Über Paris ins Paradies im Kabarett Flin vor. Zwar sieht Schröder sich sehr gern als Chanson­nière, aber das greift eigentlich viel zu kurz, wie auch heute Abend wieder zu hören sein wird. Das beginnt schon bei der Ausstattung der Bühne, für die sich Schröder gerne typische Acces­soires ausdenkt, sei es bei den Kostümen, sei es bei der Requisite. Immer mit dabei sind das E‑Piano, an dem Klaas Platz nimmt, die Melodika und das Kazoo, die Schröder in ihre Gesangs­dar­bietung einflicht. An der Rampe hat sie Federn in den franzö­si­schen Natio­nal­farben dekoriert.

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In diesem Umfeld werden nun nicht einfach franzö­sische Lieder abgesungen. Denn eine weitere Spezia­lität von Schröder ist, und da kann sie ihr Studium von Opern­gesang und Musical nicht verleugnen, dass sie ihre Programme in Geschichten kleidet. In Über Paris ins Paradies geht es um Klara, die aus der deutschen Provinz in das „wirkliche Leben“ der franzö­si­schen Haupt­stadt flieht. Als Claire feiert sie mit einem Medley aus Sous le ciel de Paris – unter dem Himmel von Paris – Ganz Paris träumt von der Liebe und Aux Champs-Élysées ihre Ankunft in der Metropole. Und schon beweist Schröder mit einer herrlichen Inter­pre­tation von Mischa Spoli­anskys Der Vamp und Friedrich Holländers Hyste­rische Ziege, dass sie nicht nur im franzö­si­schen Liedgut zuhause ist, wenn sie die häusliche Situation Claires in Paris beschreibt. Anschließend geht es auf die Straßen. Dabei trägt die Sängerin zunächst die Inhalte der franzö­si­schen Lieder als Geschichte vor, so dass auch die, die des Franzö­si­schen nicht mächtig sind, sich gut aufge­hoben fühlen, wenn L’accordéoniste und Le chanteur de rues, also der Akkor­de­on­spieler und der Straßen­sänger, erklingen.

Einen mächtigen Spaß bereitet Schröder mit ihrer Darbietung von Georg Kreislers Geben Sie Acht. Das gelingt so überzeugend, dass nicht nur die überraschten Lacher auf ihrer Seite sind, sondern auch der eine oder andere im Publikum „ertappt“ zusam­men­zuckt. Mit La parisienne von Marie-Paule Belle geht es in die Pause. Schon jetzt ist das Publikum so begeistert, dass fleißig Programm­hefte der kommenden Monate einge­sammelt werden. Die Küche ist genauso auf dem qui vive wie die Theke, so dass alle ihre vorbe­stellten Speisen und die Getränke pünktlich auf den Tischen stehen haben. Ja, so kann einem ein Ausflug aus dem Alltag gefallen. Vor allem, wenn es nach der Pause mit einem der schönsten Chansons überhaupt weitergeht. Denn die Bürokraft Claire, die von der Arbeits­routine enttäuscht ist, treibt es aus der Stadt.

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La mer von Charles Trenet gehört vermutlich zu den 100 sehnsüch­tigsten Liedern der Welt. Das sind die, bei denen man schon nach den ersten drei Tasten­an­schlägen diese Enge im Kehlkopf verspürt. Nicht so Schröder. Ihr gelingt es, das Lied „so schwebend leicht wie die Reflexe des Sonnen­lichts auf dem Mittelmeer“ darzu­bieten, ganz, wie es die Anmutung des Chansons aus dem Jahr 1943 verlangt. Und wenn Claire einmal von der Sehnsucht des Meeres gekostet hat, ist naheliegend, dass sie sich in Johnny verliebt. Johnny tu n’est pas un ange – Johnny, du bist kein Engel – ist eher eine Abrechnung als ein Liebeslied. Nach dieser Enttäu­schung geht es für Claire zurück in die Stadt, wo sie allmählich mit Mon amant de Saint Jean, Hymne à l’amour und Port Coton zu einem neuen, dem gewünschten Leben findet. Endlich kommt noch einmal Georg Kreisler zu Wort, der mit Ich hab dich zu vergessen vergessen einen weiteren Erfolg einfährt. Und dann entführt Schröder das Publikum in die Welt der Poesie, ja, verzaubert es. Das ist mit Youkali von Kurt Weill nicht schwer, wenn man es so inter­pre­tiert wie die bezau­bernde Dame im geblümten Kleid auf der Bühne, die mit dem Ende von Claires Geschichte auf dem Boden der Tatsachen landet. Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe einge­stellt haben wir ebenfalls Friedrich Holländer zu verdanken. Ob es wirklich das ist, was Claire sich von ihrem Leben vorge­stellt hat, behält Schröder für sich, auch wenn sie dem Klassiker den gleichen Glanz wie einst Marlene Dietrich im Blauen Engel verleiht.

Statt Martin Jansen hat Teresa Stößel heute das Technikpult übernommen. Fabelhaft, wie sie Technik und Licht­regie im Griff hat. Und so entlässt sie das Publikum nach dem offizi­ellen Ende noch lange nicht, sondern behält die Stimmung der Aufführung bei. Denn Schröder und Klaas haben noch La vie en rose, Je ne regrette rien und vor allem Les feuilles mortes, bei dem sich Klaas ein sehr geglücktes jazziges Inter­mezzo erlaubt, im Gepäck. Die drei Chansons hätte man sicher noch in die Geschichte von Claire einbauen können, aber so entlassen die beiden Musiker nach zwei Stunden ein beschwingtes Publikum in die Abendstunden.

Ein wunder­barer Abend, der mit Spaß und Poesie in eine Zeit entführt, der wir uns gerade wieder anzunähern scheinen. Aber darüber will sich niemand Gedanken machen angesichts der wunder­baren Darbietung von Noémi Schröder und Klaus Klaas.

Michael S. Zerban

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