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Foto © O-Ton

Freie Gedanken in fremder Sprache

UKRAINIAN FOLK JAZZ
(Diverse Komponisten)

Besuch am
25. September 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Düsseldorf-Festival, Bundesbank, Düsseldorf

In der Ukraine herrscht weiterhin Krieg – auch wenn in Deutschland davon kaum Notiz genommen wird. Wenn nicht gerade irgend­welche Menschen von den Angegrif­fenen Friedens­ver­hand­lungen fordern. Perversion total. Die deutsche Regierung möchte mit dem Krieg am liebsten nichts zu tun haben, die öffentlich-recht­lichen Rundfunk­an­stalten berichten lieber über Geschlech­ter­fragen als über das Sterben von Zivilisten in Kiew. Die deutsche Bevöl­kerung hat kaum einen Bezug zur Ukraine, dementspre­chend gering ist die Empathie. Eine fatale Situation. In Deutschland lebende ukrai­nische Künstler versuchen, Brücken zu bauen, den Deutschen die ukrai­nische Kultur näher­zu­bringen. Erfreulich, dass sich Kultur­ver­an­stalter um solche Künstler reißen. Auch das Düsseldorf-Festival will nicht ohne auskommen und hat die Berliner Jazz-Band Leléka eingeladen.

Foto © O‑Ton

Viktoria Leléka ist in der Ukraine geboren. Sie hat an der natio­nalen Theater‑, Film- und Fernseh­hoch­schule Kiew ihren Abschluss in darstel­lender Kunst absol­viert. Anschließend studierte sie Jazz-Gesang in Berlin und Dresden. 2016 gründete sie gemeinsam mit drei Musikern die Band Leléka. Leléka heißt im Ukrai­ni­schen Storch, und der Storch steht in der Ukraine für Liebe und Glück. Kann man eine Band schöner benennen? Ein offenbar glück­brin­gender Name, denn in den vergan­genen acht Jahren konnten die Musiker bereits zahlreiche Preise verbuchen. Mit dem schwe­di­schen Pianisten Povel Widestrand, dem Kontra­bas­sisten Thomas Kolarczyk aus Mönchen­gladbach und dem Berliner Jakob Hegner am Schlagzeug kommt Leléka nach Düsseldorf mit dem Ziel, dem Publikum die ukrai­nische Kultur näherzubringen.

Seit vierzehn Jahren ist die Haupt­ver­waltung der Bundesbank für Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf an der Berliner Allee, gleich gegenüber der Johan­nes­kirche, Spiel­stätte im Düsseldorf-Festival. Allzu viel bekommen Besucher von dem riesigen Gebäu­de­komplex aller­dings nicht mit. Denn die Auffüh­rungen finden im Foyer statt, einem „Kammer­mu­siksaal für das Festival“, wie Chris­tiane Oxenfort sagt. Seit Januar dieses Jahres ist Christian Otto Präsident der Haupt­ver­waltung. Er lässt es sich nicht nehmen, zur Begrüßung einen immerhin kurzen Überblick über die Aufgaben der Bundesbank zu geben. Das wirkt im Rahmen eines Jazz-Konzertes etwas befremdlich, aber er ist der Hausherr. Nach der sich anschlie­ßenden obligaten Begrüßung von Oxenfort kann es losgehen.

Leléka will damit begeistern, ukrai­nische Volks­lieder im Jazz-Gewand vorzu­tragen. Und nachdem die Tonpanne infolge eines Kabel­bruchs behoben ist, erklingt die ätherische Stimme der Sängerin in voller Pracht. Und so eingängig die Musik auf Anhieb ist: Man fühlt sich ein wenig unbeholfen angesichts der Tatsache, dass man kein Wort versteht. Es ist ja diese andere Welt, die man verstehen will. Nach einem Textheft sucht man vergebens. Zwischen­durch gibt es allge­meine Hinweise der Sängerin wie „Jetzt kommen zwei Liebes­lieder“. Bei aller Sympathie: Das ist zu wenig. Ziel verfehlt.

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Das Programmheft des Festivals, das hier Magazin genannt wird, ist das schlech­teste, das man in den langen Jahren erinnert. Hanebü­chene Recht­schreib­fehler, Artikel, in denen man die erlebte Aufführung beim besten Willen nicht wieder­erkennt – schön, dass es überall umsonst ausliegt. Der Abend ist da mit 90 Minuten ohne Pause angekündigt. In einer Zeit, in der man von den Bürgern verlangt, sich in der Stadt mit dem öffent­lichen Perso­nen­nah­verkehr oder allen­falls mit dem Fahrrad zu bewegen, werden Zeitan­gaben wichtig, will man halbwegs unpro­ble­ma­tisch nach Hause kommen. Nach einer ewig gefühlten Pause wird dieser Abend mehr als zwei Stunden dauern. Da wird es mit der ÖPNV-Infra­struktur allmählich kritisch. Trotzdem haben die Besucher ihren Spaß bei solider Jazz-Musik.

Und eigentlich hat Leléka eine ziemlich gute Idee der Völker­ver­stän­digung. Zur Abwechslung gibt es ein deutsches Volkslied. Es wird aber nicht verraten, um welches Lied es sich handelt, und Leléka hat viel Spaß daran, den Titel nicht zu verraten, während sie Hegner bittet, nicht zu sehr zu impro­vi­sieren, damit das Publikum eine Chance habe, das Lied zu erkennen – weil sie es auf Ukrai­nisch singt. Selbst der Kenner deutscher Volks­lieder hat hier an maximal zwei Stellen maximal das Gefühl, an Bekanntes erinnert zu werden. Erst mit der letzten Phrase, die Leléka auf Deutsch singt, kommt die Erkenntnis. Die Gedanken sind frei. Da hätten Publikum und Sängerin, warum nicht zweisprachig, zusammen singen können. Was für eine Gelegenheit wird da verschenkt. Anderer­seits: Was haben freie Gedanken in der Bundesbank zu suchen?

Das Publikum erfreut sich an der wunder­baren Stimme und dem eingän­gigen Jazz. Es applau­diert nachhaltig. Und wird vermutlich von einem sehr schönen Abend sprechen, ohne der Ukraine auch nur einen Milli­meter näher gekommen zu sein.

Michael S. Zerban

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