O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
UKRAINISCHE VIRTUOSEN
(Diverse Komponisten)
Besuch am
14. November 2024
(Einmalige Aufführung)
Bereits zum zweiten Mal hat Pianistin Violina Petrychenko ihr Festival Sounds of Ukraine organisiert. „Mein Traum ist es, verschiedene Epochen, Stile und Stimmungen zu präsentieren und Musiker zu vereinen, die durch den gemeinsamen Wunsch verbunden sind, die reiche Welt der ukrainischen Musik für Europa zu öffnen“, schreibt die gebürtige Ukrainerin auf ihrer Netzseite. Mit dem Festival will sie zugleich möglichst viel Geld einsammeln, um den Ukrainern im Kriegsgebiet zu Hilfe zu kommen. Deshalb sind auch die fünf Konzerte des diesjährigen Festivals Benefiz-Veranstaltungen. Über drei Städte erstreckt sich das Festival, die erste Aufführung fand bereits am 12. Oktober in Köln statt. Jetzt hat Petrychenko zum einzigen Konzert in Düsseldorf mit dem Titel Ukrainische Virtuosen eingeladen. Einmal mehr stellt Filialleiter Reza Indrakesuma das Bechstein-Centrum in der Adersstraße am unteren Ende der Königsallee mit seiner großartigen Konzert-Lounge zur Verfügung.

Die künstlerische Leiterin ist zwar zugegen, um die Gäste zu begrüßen, wird aber nicht selbst am Klavier Platz nehmen. Stattdessen hat sie zwei wunderbare Künstler gewinnen können. Die Pianistin Ievgenia Iermachkova ist auf der Krim geboren, studierte an der Ukrainischen Nationalen Musikakademie und absolvierte zwei Master an der Folkwang-Universität in Essen. Seit vielen Jahren arbeitet sie als Dozentin für Klavier, Kammermusik und Korrepetition an der Anton-Rubinstein-Musikakademie in Düsseldorf. Andrii Paliarush ist 2002 in der Ukraine geboren. Mit acht Jahren erhielt er seinen ersten Klarinettenunterricht. Seit drei Jahren studiert er an der Folkwang-Universität, nachdem er an der Glière Academy of Music in Kiew bereits seinen Junior-Spezialisten-Abschluss ablegte. Er konzertierte regelmäßig in der Ukraine als Orchestersolist und hat zunehmend Konzertauftritte in Deutschland vor allem in Kammermusikensembles. Die beiden sind sichtlich mehr mit Vorfreude auf das bevorstehende Programm als von Lampenfieber erfüllt. Iermachkova übernimmt die kurzen Anmoderationen.
Boris Lyatoshynsky verfasste 1947 seine Melody für Klavier und Cello, ein Stück, das romantische Züge trägt und einem ukrainischen Volkslied nachempfunden ist. Den sehnsüchtigen Teil haben längst auch andere Instrumente wie die Querflöte oder Trompete übernommen, jetzt bringt Paliarush sie gelungen auf der Klarinette zu Gehör. Als Gedicht wollte Levko Kolodub seine Vertonung verstanden wissen. 1985 als Komposition für Klavier und Geige entstanden, klingt das Poem auf der Klarinette moderner und weniger süßlich. Schon im ersten Festival erfreute Petrychenko das Publikum, indem sie durchaus auch auf die so genannte neue Musik zurückgriff. Die Romanze von Lyudmila Shukalin, 1946 geboren, ist ein schönes Beispiel dafür, wie man das Publikum auch damit begeistern kann.

Mrii heißt ein Album von Violina Petrychenko – Träume auf Ukrainisch. Auch ein Werk von Rostyslav Demchyshyn ist so benannt, und traumhaft sicher tragen die beiden Musiker es im Bechstein-Centrum vor. Über die Universalität von Musik ist eigentlich längst alles gesagt. Iermachkova und Paliarush treten den Beweis erneut an, wenn sie das Grand Duo von Carl Maria von Weber ins Programm mischen. Eine virtuose Herausforderung, die die beiden elegant meistern. Insbesondere der Klarinettist darf mit dem dreisätzigen Werk seine Meisterschaft mit unglaublichen Läufen unter Beweis stellen. Nach einer weiteren Romanze, diesmal aus der Feder von Yuriy Shchurovsky, kommt „endlich“ auch Myroslav Skoryk zu Wort, ein Komponist, der es neben Valentin Silvestrov tatsächlich geschafft hat, in das Bewusstsein der Deutschen vorzudringen. Obwohl er sich durchaus zeitgenössischen Strömungen, er lebte von 1938 bis 2020, zuwandte, ist aus seiner Musik doch auch immer die ukrainische Volksmusik herauszuhören. Er schrieb Musiken für etwa 40 Filme, Jazz und Pop-Musik. Eines seiner bekanntesten Werke ist die Karpathian Rhapsody, die heute Abend eine begeisternde Interpretation erfährt.
Ausgiebiger Applaus veranlasst Iermachkova und Paliarush zu einer grandiosen Zugabe. Noch einmal kommt Skoryk zu Gehör. Eigentlich als Lied für Sopran geschrieben, da klingt Mal mir eine Nacht nach Jazz mit falscher Stimme, machen die beiden Musiker daraus eine mitreißende instrumentale Swing-Nummer. Der Jubel ist groß.
Damit ist der Auftakt zum Schwerpunkt des Festivals an den folgenden drei Tagen gesetzt. Besser hätte es nicht laufen können. Im Klavierhaus Klavins in Bonn werden Violina Petrychenko und Kateryna Kostiuk am 15. November in einen Dialog mit der Stille mit Werken von Silvestrov treten. Am 16. November wird dem Publikum der Spiegel des Barock in der Basilika St. Aposteln in Köln vorgehalten und einen Tag später gibt es Kammermusik im Wandel. Darunter sind Klavierquintette mit dem Phoenix String Quartet zu verstehen. Die Besuche aller drei Konzerte sind unbedingt empfehlenswert. Aber wer in der Nähe ist und sich die großartige Musik anhören will, sollte vorher noch schnell seine Geldbörse füllen, damit er reichlich abgeben kann. Schließlich wird hier Geld für die bedürftige Zivilbevölkerung in der Ukraine gesammelt, das unmittelbar vor Ort zum Einsatz kommt.
Michael S. Zerban