O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
UNITY
(Diverse Komponisten)
Besuch am
4. September 2024
(Einmalige Aufführung)
Düsseldorf Lyric Opera im Bürgersaal Salzmannbau, Düsseldorf
Hey, Michael, listen to them!” Julia Coulmas, künstlerische Leiterin der Düsseldorfer Lyric Opera, ist mit dem Pianisten Michael Carleton in der Düsseldorfer Altstadt unterwegs, als ihnen zwei junge Musiker an Klavier und Geige auffallen. Coulmas ist auf der Suche nach einem Geiger, hört also genauer hin – und ist begeistert. Sie sucht das Gespräch, und es endet damit, dass sie die beiden zu einem ihrer Spotlight-Konzerte einlädt.
Die Brüder Yordanov kommen aus dem bulgarischen Russe, wo sie in einer Musikerfamilie aufwachsen. Beide beginnen mit vier Jahren, ihre Instrumente zu erlernen. Sabi die Geige, Lyubomir das Klavier. Um Sabi ein qualifiziertes Studium zu ermöglichen, zieht die Familie erst nach Saarbrücken, später nach Duisburg. Derzeit studiert der Geiger an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf, nachdem er bereits erfolgreich an zahlreichen Wettbewerben und Festivals teilgenommen und erste eigene Kompositionen vorgelegt hat. Auch Lyubomir ist vielfach preisgekrönt und bereitet sich mit seinen 17 Jahren auf das Hochschulstudium vor. In diesem Jahr haben die beiden ein eigenes Konzertprogramm Unity einstudiert, das sie erstmals im Juli im Stephanushaus, dem Gemeindezentrum der evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Süd, präsentierten.

Mit ihrem Auftritt fallen die beiden nun endgültig aus dem Format der Spotlight-Konzerte, die die Düsseldorf Lyric Opera seit vielen Jahren im Bürgersaal des Salzmannbaus im Düsseldorfer Stadtteil Bilk durchführt. Da verwundert es kaum, dass das Publikum sich zurückhält und nicht in üblicher Größenordnung erscheint. Aber einmal mehr gilt auch für diesen Abend, dass es nicht schadet, sich auf Neues einzulassen. Und die beiden Brüder wissen auch sogleich, das Publikum für sich einzunehmen. Beide begrüßen die Besucher, ehe Sabi erläutert, dass er es bevorzuge, es nicht beim Spiel zu belassen, sondern auch Hörer mit einer Moderation mitzunehmen, die in der klassischen Musik nicht zuhause sind. Und so wird dem Publikum die Violinsonate in G‑Dur von Wolfgang Amadeus Mozart erst mal in einer kurzen Einführung schmackhaft gemacht. Die entstand, als Mozart mit seiner Mutter 1778 von Salzburg nach Paris reiste und sich dabei mehrere Monate in Mannheim aufhielt, das zu der Zeit als „Brutstätte der neuesten Musik“ galt. Dort komponierte er fünf Violinsonaten, die er anschließend in Paris vorstellte. Die Besonderheit der Sonaten liegt darin, dass es sich nicht mehr um Klavierstücke mit Geigenbegleitung handelte, sondern beide Instrumente auf Augenhöhe gespielt werden.
Und wie man sie spielen kann! Lyubomir und Sabi gelingt es, schon mit den ersten Klängen der beiden Sätze ihre Begeisterung für Mozart zu vermitteln. Transparent geht es zu, präzise und jeder kann den Spaß hören, den der Musikus an der Komposition hatte. Nicht gülden schimmernde Balustrade, roter Plüsch oder festliche Abendroben sollen hier beeindrucken, sondern die Musik soll für sich sprechen. Und selten hat man das so plastisch erlebt wie bei den beiden. Das gilt auch für das nachfolgende Stück.
Virtuos erklingt die Violinsonate in A‑Dur von César Franck. Der in Lüttich geborene Komponist, der seinen Ruhm eher seinem Orgelwerk verdankt, widmete die dreisätzige Sonate dem Landsmann und Geiger Eugène Ysaÿe anlässlich dessen Hochzeit mit Louise Bourdeau 1866. „Con amore“ soll Ysaÿe die Sonate auf seinen Tourneen immer wieder gespielt haben, weil sie schließlich ein Hochzeitsgeschenk gewesen sei. Luftigleicht lassen Sabi und Lyubomir die Klänge fließen, die Zeit verfliegen und die Hörer jede Scheu verlieren. Nach dieser wunderbaren Interpretation trauen sich die beiden an ein weiteres Meisterwerk.
1894 stellte Jules Massenet seine Oper Thaïs im Pariser Palais Garnier vor. Über den Wert der Oper mag man streiten, das Zwischenspiel zwischen den beiden Bildern des zweiten Akts allerdings sollte Weltruhm erlangen. Die Méditation gilt als erfolgreichster Titel des Geigenrepertoires. Umso höher sind die Anforderungen, wenn man sich an ein solches Werk wagt. Und wirklich. Hier bleibt auch bei den beiden Brüdern noch Luft nach oben. Gewiss ist es tadellos gespielt, aber es fehlt noch das gewisse Etwas, das es über andere Interpretationen erhebt. Klagen auf hohem Niveau, das es bei Vivaldi nicht gibt.

Mit dem Winter aus den Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi gelingt es Sabi die eigenen Akzente zu setzen, die den Meister vom guten Spieler unterscheiden. Damit geht der offizielle Programmteil furios zu Ende. Das Publikum zeigt sich tief beeindruckt und verlangt nach der Zugabe. Der Schwan aus dem Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns bildet einen wunderbaren Abschluss, wenn er doch von der Vergänglichkeit der Schönheit handelt.
Dem Yordanov-Duo steht mit dem Glück des Tüchtigen eine glänzende Zukunft bevor, und das Publikum kann sich glücklich schätzen, diese erste Sternstunde miterlebt zu haben.
Julia Coulmas hält allerdings noch einen Wermutstropfen bereit, den sie auch eher beiläufig einfließen lässt. Die Spotlight-Konzerte gehen mit diesem herausragenden Auftritt zu Ende. Ein letztes Konzert wird es am 6. November geben, das allerdings eher an eine Abschiedsfeier erinnern wird. All die Sänger und ihre musikalischen Begleiter, die die Konzertreihe über Jahre begleitet und die Besucher immer wieder begeistert haben, werden dann erwartet, um sich vom treuen Publikum zu verabschieden. Und das Gefühl, dass hier dann eine Institution beendet wird, ist sicher nicht ganz falsch.
Nach personellen Änderungen wird die Düsseldorf Lyric Opera im kommenden Jahr mit neuen Formaten aufwarten. Am 26. November wird die Düsseldorf Lyric Opera sich in ihrer bisherigen Form mit einer letzten Opernaufführung in der Jazz-Schmiede verabschieden. In der Traviata werden Yvonne Prentki, Guillermo Valdés und Martin Lucaß als Solisten zu erleben sein, das Kammerorchester werden Meghan Behiel am Klavier, Cellist Linus Weber, Geiger Sabi Yordanov und Bratschist Johannes Gehring stellen. Ein doppelter Abschied, dem hoffentlich ein fulminanter Anfang innewohnt.
Michael S. Zerban