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Foto © O-Ton

Zum Schluss ein eindrucksvolles Duo

UNITY
(Diverse Komponisten)

Besuch am
4. September 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Düsseldorf Lyric Opera im Bürgersaal Salzmannbau, Düsseldorf

Hey, Michael, listen to them!” Julia Coulmas, künst­le­rische Leiterin der Düssel­dorfer Lyric Opera, ist mit dem Pianisten Michael Carleton in der Düssel­dorfer Altstadt unterwegs, als ihnen zwei junge Musiker an Klavier und Geige auffallen. Coulmas ist auf der Suche nach einem Geiger, hört also genauer hin – und ist begeistert. Sie sucht das Gespräch, und es endet damit, dass sie die beiden zu einem ihrer Spotlight-Konzerte einlädt.

Die Brüder Yordanov kommen aus dem bulga­ri­schen Russe, wo sie in einer Musiker­fa­milie aufwachsen. Beide beginnen mit vier Jahren, ihre Instru­mente zu erlernen. Sabi die Geige, Lyubomir das Klavier. Um Sabi ein quali­fi­ziertes Studium zu ermög­lichen, zieht die Familie erst nach Saarbrücken, später nach Duisburg. Derzeit studiert der Geiger an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf, nachdem er bereits erfolg­reich an zahlreichen Wettbe­werben und Festivals teilge­nommen und erste eigene Kompo­si­tionen vorgelegt hat. Auch Lyubomir ist vielfach preis­ge­krönt und bereitet sich mit seinen 17 Jahren auf das Hochschul­studium vor. In diesem Jahr haben die beiden ein eigenes Konzert­pro­gramm Unity einstu­diert, das sie erstmals im Juli im Stepha­nushaus, dem Gemein­de­zentrum der evange­li­schen Kirchen­ge­meinde Düsseldorf-Süd, präsentierten.

Foto © O‑Ton

Mit ihrem Auftritt fallen die beiden nun endgültig aus dem Format der Spotlight-Konzerte, die die Düsseldorf Lyric Opera seit vielen Jahren im Bürgersaal des Salzmannbaus im Düssel­dorfer Stadtteil Bilk durch­führt. Da verwundert es kaum, dass das Publikum sich zurückhält und nicht in üblicher Größen­ordnung erscheint. Aber einmal mehr gilt auch für diesen Abend, dass es nicht schadet, sich auf Neues einzu­lassen. Und die beiden Brüder wissen auch sogleich, das Publikum für sich einzu­nehmen. Beide begrüßen die Besucher, ehe Sabi erläutert, dass er es bevorzuge, es nicht beim Spiel zu belassen, sondern auch Hörer mit einer Moderation mitzu­nehmen, die in der klassi­schen Musik nicht zuhause sind. Und so wird dem Publikum die Violin­sonate in G‑Dur von Wolfgang Amadeus Mozart erst mal in einer kurzen Einführung schmackhaft gemacht. Die entstand, als Mozart mit seiner Mutter 1778 von Salzburg nach Paris reiste und sich dabei mehrere Monate in Mannheim aufhielt, das zu der Zeit als „Brutstätte der neuesten Musik“ galt. Dort kompo­nierte er fünf Violin­so­naten, die er anschließend in Paris vorstellte. Die Beson­derheit der Sonaten liegt darin, dass es sich nicht mehr um Klavier­stücke mit Geigen­be­gleitung handelte, sondern beide Instru­mente auf Augenhöhe gespielt werden.

Und wie man sie spielen kann! Lyubomir und Sabi gelingt es, schon mit den ersten Klängen der beiden Sätze ihre Begeis­terung für Mozart zu vermitteln. Trans­parent geht es zu, präzise und jeder kann den Spaß hören, den der Musikus an der Kompo­sition hatte. Nicht gülden schim­mernde Balus­trade, roter Plüsch oder festliche Abend­roben sollen hier beein­drucken, sondern die Musik soll für sich sprechen. Und selten hat man das so plastisch erlebt wie bei den beiden. Das gilt auch für das nachfol­gende Stück.

Virtuos erklingt die Violin­sonate in A‑Dur von César Franck. Der in Lüttich geborene Komponist, der seinen Ruhm eher seinem Orgelwerk verdankt, widmete die dreisätzige Sonate dem Landsmann und Geiger Eugène Ysaÿe anlässlich dessen Hochzeit mit Louise Bourdeau 1866. „Con amore“ soll Ysaÿe die Sonate auf seinen Tourneen immer wieder gespielt haben, weil sie schließlich ein Hochzeits­ge­schenk gewesen sei. Luftigleicht lassen Sabi und Lyubomir die Klänge fließen, die Zeit verfliegen und die Hörer jede Scheu verlieren. Nach dieser wunder­baren Inter­pre­tation trauen sich die beiden an ein weiteres Meisterwerk.

1894 stellte Jules Massenet seine Oper Thaïs im Pariser Palais Garnier vor. Über den Wert der Oper mag man streiten, das Zwischen­spiel zwischen den beiden Bildern des zweiten Akts aller­dings sollte Weltruhm erlangen. Die Méditation gilt als erfolg­reichster Titel des Geigen­re­per­toires. Umso höher sind die Anfor­de­rungen, wenn man sich an ein solches Werk wagt. Und wirklich. Hier bleibt auch bei den beiden Brüdern noch Luft nach oben. Gewiss ist es tadellos gespielt, aber es fehlt noch das gewisse Etwas, das es über andere Inter­pre­ta­tionen erhebt. Klagen auf hohem Niveau, das es bei Vivaldi nicht gibt.

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Mit dem Winter aus den Vier Jahres­zeiten von Antonio Vivaldi gelingt es Sabi die eigenen Akzente zu setzen, die den Meister vom guten Spieler unter­scheiden. Damit geht der offizielle Programmteil furios zu Ende. Das Publikum zeigt sich tief beein­druckt und verlangt nach der Zugabe. Der Schwan aus dem Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns bildet einen wunder­baren Abschluss, wenn er doch von der Vergäng­lichkeit der Schönheit handelt.

Dem Yordanov-Duo steht mit dem Glück des Tüchtigen eine glänzende Zukunft bevor, und das Publikum kann sich glücklich schätzen, diese erste Stern­stunde miterlebt zu haben.

Julia Coulmas hält aller­dings noch einen Wermuts­tropfen bereit, den sie auch eher beiläufig einfließen lässt. Die Spotlight-Konzerte gehen mit diesem heraus­ra­genden Auftritt zu Ende. Ein letztes Konzert wird es am 6. November geben, das aller­dings eher an eine Abschieds­feier erinnern wird. All die Sänger und ihre musika­li­schen Begleiter, die die Konzert­reihe über Jahre begleitet und die Besucher immer wieder begeistert haben, werden dann erwartet, um sich vom treuen Publikum zu verab­schieden. Und das Gefühl, dass hier dann eine Insti­tution beendet wird, ist sicher nicht ganz falsch.

Nach perso­nellen Änderungen wird die Düsseldorf Lyric Opera im kommenden Jahr mit neuen Formaten aufwarten. Am 26. November wird die Düsseldorf Lyric Opera sich in ihrer bishe­rigen Form mit einer letzten Opern­auf­führung in der Jazz-Schmiede verab­schieden. In der Traviata werden Yvonne Prentki, Guillermo Valdés und Martin Lucaß als Solisten zu erleben sein, das Kammer­or­chester werden Meghan Behiel am Klavier, Cellist Linus Weber, Geiger Sabi Yordanov und Bratschist Johannes Gehring stellen. Ein doppelter Abschied, dem hoffentlich ein fulmi­nanter Anfang innewohnt.

Michael S. Zerban

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