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Foto © O-Ton

Bergfest

WADOKYO FEATURING HANS-ANDRÉ STAMM
(Diverse Komponisten)

Besuch am
19. Oktober 2024
(Einmalige Aufführung)

 

IDO-Festival in der Johan­nes­kirche, Düsseldorf

Satte 50 Konzerte sieht das Inter­na­tionale Düssel­dorfer Orgel-Festival in diesem Jahr vor. Damit ist es das größte Orgel-Festival Deutsch­lands, wenn nicht Europas. Die ersten drei Wochen des Festivals sind herum, und die Zufrie­denheit ist groß. Mehr als 4.000 Besucher konnten bislang verzeichnet werden, den heutigen Abend noch nicht einge­rechnet. Das 25. Konzert findet in der Düssel­dorfer Johan­nes­kirche als Bergfest statt. Und dazu werden Gäste einge­laden, die von der Festi­val­leitung mit Vorschuss­lor­beeren bedacht werden, dass es einem schon unheimlich wird.

Aller­dings weiß der Festi­val­gründer und heutige Präsident, Herbert Ludwig, schon ganz genau, wovon er spricht. Er hat Wadokyo vor der Gründung des Festivals kennen­ge­lernt und war begeistert von den Trommlern. Er wollte sie gern im Festival haben. Also sind sie seit 19 Jahren dabei, also von der ersten Stunde an. Ludwig ist ehrlich. Er war vor 19 Jahren nicht der Visionär, der vorhersah, dass Trommler-Ensembles aller Couleur heute die Massen anziehen. Ihm gefiel einfach, was er hörte. Und er zeigte sich risiko­freudig. Denn es gab zu der Zeit keine Literatur für Orgel und Trommeln. Am Anfang, erinnert er sich heute, lief es auch überhaupt nicht rund. Die ersten zwei, drei Organisten fanden überhaupt keinen Zugang zu der Kombi­nation ihres Instru­ments mit den Trommeln.

Foto © O‑Ton

Das änderte sich erst, als Organist und Komponist Hans-André Stamm zum Festival kam. Man sagt, die Orgel ersetze ein ganzes Orchester, erzählt er, also könne man auch so damit umgehen. Berüh­rungs­ängste kennt Stamm nicht. Plötzlich spielten Orgel und Trommel an einem Abend nicht mehr nur parallel, sondern zusammen. Das Publikum zeigt sich derweil verwöhnt. Wehe, der Anteil der Orgel stimme nicht, weiß Ludwig. Dann kommen die Beschwerden. Das ist aller­dings inzwi­schen eher die Ausnahme. Dieses Jahr, sagt der Präsident, habe er den ersten Anruf im März erhalten, wann man denn Karten für das Orgel-Trommel-Ereignis erwerben könne. Da half auch der Hinweis nicht, dass der Karten­vor­verkauf noch gar nicht begonnen habe.

Tatsächlich hat man die Johan­nes­kirche lange nicht mehr so gut besucht gesehen wie heute Abend. Und das, obwohl der Text im Programmheft eher dünn ist, man ein Programm gar vergeblich sucht. Es reicht offenbar anzukün­digen: Wadokyo kommt. Das Ensemble wurde 2000 von Frank Dubberke und Romeo Bay in Düsseldorf gegründet. Aus einer Leiden­schaft für Taiko, die japanische Trommel­kunst, entwi­ckelte Dubberke nach inten­siver Ausein­an­der­setzung auch in Japan eine Formation, die heute weltweit operiert. Und die Expertise in Sachen japani­scher Trommeln ist längst so weit voran­ge­schritten, dass Jeannette Petersen, die nach wie vor in der Formation mitspielt, eine Akademie für das Taiko und den Wadokyo-Stil gegründet hat. Dabei geht es bei Taiko eigentlich gar nicht so sehr um das Trommeln als vielmehr um die Lebens­phi­lo­sophie, die sich damit verbindet. Was das Publikum weniger inter­es­siert. Seit fünf Jahren lädt Wadokyo selbst Gäste zum Festival ein. Aus Antwerpen kommt eine Abordnung von Feniks Taiko, nach eigenen Angaben eines der besten europäi­schen Taiko-Ensembles.

Bevor die Trommler ihr volles Potenzial entfalten dürfen, gibt es zunächst einmal die IDO-Fanfare, eine Kompo­sition, die eigens für große Ereig­nisse im Festival geschaffen wurde. Für Stamm ein beson­deres Vergnügen, weil er sie schon in den unter­schied­lichsten Kombi­na­tionen gespielt hat, zuletzt beim Eröff­nungs­konzert. Ludwig hat sich mit der musika­li­schen Einlage einen Traum erfüllt, und so lässt er es sich nicht nehmen, dem Publikum zu erzählen, was es mit diesem Ereignis auf sich hat. Dann aber ist Zeit, sich ausschließlich den Trommlern und der Orgel zu widmen. Während die Trommler den gesamten Altarraum nutzen, steht der Spiel­tisch für die Orgel etwas abseits unter der Kanzel, immerhin noch so, dass ihn alle Besucher im Blick haben.

Foto © O‑Ton

Nachdem die drei Trommler von Feniks ihr Stück Poseidon präsen­tiert haben, lässt Stamm seine sehr asiatisch anmutende Kompo­sition Melody for Qingwen erklingen. Dann haben die Damen und Herren von Wadokyo ihren ersten großen Auftritt mit Osaka III und I. Die fassähn­lichen Trommeln werden ausge­wogen über den Altarraum verteilt. Wer gerade nicht spielt, duckt sich hinter seine Trommel und kann von vorne nicht mehr gesehen werden. Wer spielt, steht mit gespreizten Beinen da und versucht, größt­mög­liche Präzision in der Choreo­grafie der Schlägel zu erreichen, die bisweilen bis zur Größe von Baseball­schlägern anwachsen. Hier und da gerät der Show-Effekt mehr in den Vorder­grund als der Rhythmus. Das ist gewollt und unter­bricht keineswegs die donnernden Schläge. Ein besorgter Blick zum Kirchendach muss da erlaubt sein. Schließlich weiß man, dass die Lautstärke durchaus auch seismo­gra­fische Auswir­kungen hat. Schön, dass da sichtbar nichts bröckelt.

18 Titel stehen auf dem Programm, darunter auch Fluch der Karibik von Feniks und Stamm. Und vor der Pause Michael Jacksons Earth Song, ebenfalls in der Kombination.

Mit Inter­stellar gibt es auch ein Zusam­men­spiel des Organisten mit Wadokyo. Wenn aller­dings die Wucht der Trommeln durch­schlägt, hat es die Orgel schwer, mit der Lautstärke gleich­zu­ziehen. Da sorgt die Kompo­sition Under the Starry Sky von Stamm für Abwechslung. Überhaupt macht es die Mischung an diesem Abend. Feniks und Stamm spielen gemeinsam Tsunami Kando, ehe Wadokyo mit Pulse of Life ein weiteres Mal die Macht der Trommel demons­trieren. Bei Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge spielt eine Tromm­lerin von Feniks Stamm in die Karten. Wohl das einzige Mal heute, dass man sich mehr Inter­vention seitens der Trommel gewünscht hätte, weil sie hier allen­falls ein wenig rhyth­misch begleitet.

Am Finale mit Sore O Ido und der Zugabe mit Kujaku betei­ligen sich dann Wadokyo, Feniks und Hans-André Stamm und sorgen so noch einmal für einen bleibenden Eindruck. Die Erwar­tungen der Festi­val­leitung werden übertroffen. Glücklich schaut Ludwig in die Runde der Menschen, die sich längst von ihren Plätzen erhoben haben und nicht aufhören wollen, Trommler und Organisten zu feiern. Einmal mehr hat das Inter­na­tionale Düssel­dorfer Orgel-Festival dafür gesorgt, dass das angestaubte Image der Orgel aufpo­liert wird – und wenn es dazu japanische Trommeln braucht, ist das in Ordnung.

Michael S. Zerban

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