O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Gelungene Feiertagsmischung

WEIHNACHTEN BEI SCHRÖDERS
(Diverse Komponisten)

Besuch am
22. Dezember 2023
(Zweite Aufführung)

 

Kabarett Flin, Düsseldorf

Nö, nach Weihnachts­feier ist einem bei dem Wetter so überhaupt nicht zumute. Es regnet in Strömen, die Straßenbahn, die die Luden­berger Straße empor­prescht, erinnert mit ihrer Bugwelle eher an ein Hover­craft. Der kurze Weg vom Parkplatz bis zum Kabarett Flin reicht, um vollkommen durch­nässt zu sein. Das ist in der behag­lichen Atmosphäre des kleinen Theaters schnell vergessen, das bereits bis auf den nahezu letzten Platz besetzt ist. Noch werden die letzten Gäste mit Essen und Getränken versorgt.

Die Bühne ist bereits vorbe­reitet. Rechts ein kleiner Tisch mit karierter Decke und einem Stuhl, links ein E‑Piano, das so aussieht, als habe sich hier ein Musiker sein Traum­in­strument geleistet, das in allen Fällen einsetzbar ist und gleich auch noch ein kleines Orchester imitieren kann. Dahinter ist ein Monitor aufge­hängt. Als die Lichter ausgehen und die letzten Gespräche im Publikum allmählich verstummen, wird es auf der Bühne August. Vater Klaus am Piano und Mutter Noémi führen erste Gespräche über das bevor­ste­hende Weihnachtsfest, zu dem die Familie, die in der ganzen Welt verstreut ist, zusam­men­kommen soll. Wer das Kabarett Flin kennt, ahnt, dass sich daraus keine Ehekrise entwi­ckeln wird. Und wer Noémi Schröder und Klaus Claas schon einmal erlebt hat, weiß, dass Schröder für den Gesang und das Bühnen­pro­gramm, Claas für die musika­lische Gestaltung zuständig ist. Ach ja, und dass das Publikum heute Abend ausdrücklich zum Mitsingen aufge­fordert ist, konnte es im Vorfeld lesen.

Klaus Claas – Foto © O‑Ton

Da gelingt der Einstieg mit In der Weihnachts­bä­ckerei schmissig. Und schon geht es hinein in eine wunderbare Tradition aus den Nieder­landen. Zie ginds komt de stoomboot heißt ein bekanntes Sinter­klaas-Lied, auf Deutsch „Sehen Sie, da kommt ein Dampfboot“, das Schröder vorträgt. Es beschreibt die Ankunft von Nikolaus, der in den Nieder­landen noch einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland hat. Die Sängerin lässt sich aller­dings nicht auf die „politisch korrekten“ Diskus­sionen ein, mit denen eine Minderheit in den Nieder­landen versucht, den Spaß an den alten Tradi­tionen zu verderben. Vielmehr zeigt sie den Unter­schied zum ameri­ka­ni­schen Santa Claus auf, einer Erfindung von Coca Cola, der nur deshalb so dick ist, weil er dauernd das Erfri­schungs­ge­tränk zu sich nehmen muss. Da möchte man als Anhänger des schwarzen Sprudels heftig Einspruch einlegen. Aber dazu kommt es nicht, weil es schon mit dem Lied Lasst und froh und munter sein weitergeht, bei dem das Publikum wieder munter mit einstimmt.

Mit It’s the Most Wonderful Time of the Year und dem Petit Papa Noël begeistert Schröder die Hörer, die längst als Bestandteil der Familie akzep­tiert sind. Die Sängerin hat Verstärkung mitge­bracht. Ihre neunjährige Tochter Louisa stimmt mit ein, als sie Les Anges dans nos Campagnes – die Engel auf unseren Feldern – inter­pre­tiert. Man weiß zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr, was einem besser gefällt: das Gemein­schafts­gefühl, das sich beim gemein­samen Singen einstellt, oder die wunder­baren Solo-Einlagen von Schröder. Santa Lucia ist ein Lied, das in der italie­ni­schen Version sehr viel bekannter ist. Schröder gibt es hier in der schwe­di­schen Version wieder, ehe sie zum swingenden Let It Snow wechselt, bei dem es dann tatsächlich auch auf der Bühne schneit. Dass die Schnee­ma­schine einigen Lärm entwi­ckelt, trägt eher zur guten Laune vor der Bühne bei, als dass man es als ärgerlich empfände. Vor der Pause dürfen dann die Besucher noch mal mit ran, wenn es heißt Feliz Navidad. Die Abgeord­neten eines Damen­chors sitzen gleich neben Claas und übernehmen spontan die zweite Stimme. Herrlich!

Die kleinen Programm­stücke zwischen den Liedern sorgen durchaus für heitere Aspekte, wenn beispiels­weise Claas nach der Pause auf eine „neue Idee“ zur Weihnachts­feier eingeht, die derzeit stark in den so genannten Sozialen Medien beworben wird. Der „Keinnachtsbaum“ ist ein Produkt, das die ganze Armse­ligkeit der political correctness vor Augen führt. Anstatt eines schön geschmückten Tannen­baums gibt es ein Holzge­stell, das man Jahr für Jahr selbst zusam­men­bauen und mit Socken schmücken kann. Damit erfüllt es alle Vorgaben, die sich Klima­schützer so vorstellen. Inwieweit das beworbene Produkt ernst­ge­meint ist, bleibt offen, auf der Bühne kommt es nicht so gut an, obwohl Ben, ein Junge aus dem Publikum, beim Aufbau hilft. In der Folge wird es immer wieder mit einem Garde­ro­ben­ständer verwechselt. Klar, dass damit der Übergang zu O Tannenbaum gelingt, für das sogar eine eigene Strophe zu dem Besen­stie­l­ersatz gefunden wird.

Noémi Schröder – Foto © O‑Ton

Anschließend treffen die ersten Gäste ein. Darunter die ältere Tochter von Klaus und Noémi. Die hat ihren Freund gerade mit einer anderen, gutaus­se­henden Frau gesehen, ist am Boden zerstört. Und trägt nun eine hinrei­ßende Version von Last Christmas vor. Anschließend treffen weitere Verwandte aus Schweden, Spanien und den Nieder­landen ein, gespielt wechsel­weise von Schröder und Claas. Da gibt es einiges zu schmunzeln. Passend dazu gibt es Koppången, ein schwe­di­sches Lied, das unter die Haut geht, wenn man die deutsche Übersetzung kennt, die es hier nicht gibt. Nach Chestnut Roasting spielen Schröder und ihre Tochter den Frühling von Vivaldi auf der Block­flöte. Und steigern den gelun­genen Vortrag noch einmal mit Entre le bœuf et l’âne gris, einem franzö­si­schen Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert, das sich in Frank­reich großer Beliebtheit erfreut. Hier wechselt sich Louisa im Block­flö­ten­spiel mit dem Gesang ihrer Mutter ab. Das geht unter die Haut.

Wenn Louisa dann Kling Glöckchen Klinge­lin­geling singt, schafft sie den Übergang zu zwei weiteren Mitsin­gliedern, die das Publikum auswählen darf. Mit O du fröhliche und Alle Jahre wieder gibt es keine Überra­schungen, dafür aber einen nahezu einstim­migen Chor. Der genauso begeistert Leise rieselt der Schnee mitsingt. Zum „Abschluss“ ist die Stille Nacht vorge­sehen, bei der Schröder im Solo-Vortrag der ersten Strophe noch einmal alle Register zieht, ehe das Publikum einstimmt.

Es folgen noch einige Zugaben, ehe der Abend nach satten zweieinhalb Stunden inklusive Pause zum Ende kommt. Eine emotionale Achter­bahn­fahrt gerät damit eine Spur zu lang, gerade so, als habe Papa am Abend unter dem funkelnden Christbaum kein Ende gefunden. Trotzdem. Ein bisschen schöner als das gemeinsame Singen in der Familie unter dem heimi­schen Tannenbaum ist’s schon. Ein beson­deres Kompliment gilt sicher Louisa, die sich nicht nur musika­lisch, sondern auch in ihren darstel­le­ri­schen Auftritten hervor­ragend geschlagen hat. Dass es Schröder und Claas gelungen ist, mit ihrem Wechselbad aus Humor und weihnacht­licher Besinnung einen großen Abend zu gestalten, steht außer Frage.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: