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2. DÜSSELDORFER TORTENKONZERT
(Diverse Komponisten)
Besuch am
25. Februar 2024
(Einmalige Aufführung)
Man kann die wohltuende Wirkung eines kleinen Konzerts am Sonntagnachmittag gar nicht oft genug betonen. Schon die Anreise hat etwas Entspannendes, wenn man durch die nahezu menschenleeren Straßen der Stadt läuft, ein paar Spaziergänger kommen dir entgegen, von den Hauptstraßen dringt das Rauschen der wenigen vorüberfahrenden Autos in das Quartier, Regen und kalter Wind durchdringt die Jacke, aber man ist ja gleich im Warmen. Die Vorfreude steigt allmählich. Auf den Tag ein Jahr ist es her, dass es die Gäste zu dieser Art von Konzert zum ersten Mal an das untere Ende der Königsallee in Düsseldorf trieb. Vom „Prachtboulevard“ bekommt man hier nicht viel mit. Viele Läden sind verwaist, etliche Häuser stehen auf Abriss. Der Stadtteil scheint in der Metamorphose. Ist es also unternehmerische Weitsicht, dass das C. Bechstein Centrum seine Düsseldorfer Filiale vor knapp zwei Jahren hierher verlegt hat? Zumindest hat der Leiter, Reza Indrakesuma, Wort gehalten. Die Eingangstüre lässt sich inzwischen leicht öffnen.
Vor einem Jahr war das noch anders. Damals fand das erste Düsseldorfer Tortenkonzert statt. Die Idee so simpel wie überzeugend. Man lädt ein paar Musiker ein, veranstaltet ein Konzert und serviert anschließend exquisiten Kuchen, den die Künstler gemeinsam mit dem Publikum genießen. Die Resonanz war so positiv, dass Indrakesuma sich entschloss, Jeremias Mameghani zu bitten, für eine Wiederholung zu sorgen. Der zögerte keine Sekunde, gab beim Edel-Konditor den Kuchen in Auftrag und lud befreundete Künstler ein, den Nachmittag mit ihm zu gestalten. Erfreut sieht er an diesem Nachmittag, wie sich die Plätze vor dem Flügel fast vollständig füllen. Es sind wesentlich mehr Besucher als im letzten Jahr gekommen.

Mameghani eröffnet den Nachmittag mit Alt Wien von Leopold Godowsky, ehe Robert Hotstegs die Moderation übernimmt. In gewohnt humorvoller Weise nimmt er das Publikum mit nach Wien – er empfiehlt den Nachtzug, der täglich kurz nach 21 Uhr Düsseldorf verlässt – um es in das Kaffeehaus mit seiner typischen Musik einzuladen. Und da geht es schon mal schön mit dem Evergreen Ich schenk mein Herz aus Carl Millöckers Operette Die Dubarry weiter. Dazu tritt Dinah Berowska an und lässt sich von Ievgeniia Iermachkova begleiten. Die Sopranistin ist in Thüringen geboren und studierte an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, Iermachkova ist auf der Krim geboren, studierte Klavier an der Ukrainischen Nationalen Musikakademie und schloss ihr Studium an der Folkwang-Universität Essen ab. Seit vielen Jahren ist sie Dozentin für Klavier, Kammermusik und Korrepetition an der Internationalen Musikakademie Anton Rubinstein in Düsseldorf.
Nach dem schwungvollen Einstand begleitet die Pianistin Martin Lucaß zu Franz Lehárs Ich bin so verliebt. Der Bariton absolvierte den Studiengang Musiktheater an der Folkwang-Universität Essen und hat das Theatralische bis heute im Blut. Corinna Hentschel ist in Neuss geboren und studierte Geige in Rostock und London. Heute lebt sie in Stuttgart und ist eigens der Einladung Mameghanis gefolgt. Gemeinsam mit Mameghani interpretiert sie Liebesleid und Schön Rosmarin von Fritz Kreisler. Anschließend versuchen sich die beiden Pianisten vierhändig mit Wiener Blut von Johann Strauss.

Lucaß kehrt noch einmal zu Millöcker zurück. Aus der Operette Gasparone trägt er Dunkelrote Rosen vor. Das Programm bleibt vielfältig. Hentschel und Mameghani wechseln in die Ukraine. Von Valentin Silvestrov spielen sie 2 Lieder ohne Worte und ergänzen mit dem 2. Walzer von Dmitri Schostakowitsch. Hör ich Cymbalklänge singt Berowska zur Begleitung von Iermachkova und Hentschel aus der Operette Zigeunerliebe von Franz Lehár, ehe Lucaß und Berowska mit einer Tanzeinlage zu Zwei Herzen im Dreivierteltakt von Robert Stolz das Programm beschließen.
Aber selbstverständlich geht sich ein so vergnüglicher Nachmittag nicht ohne Zugabe aus, nachdem das Publikum schon verzückt applaudiert. Hentschel und Mameghani bringen mit Gardels Tango Por una Cabeza – von einem Kopf – noch einmal Schwung in den Nachmittag, den Berowska und Lucaß in Begleitung von Iermachkova mit Mausi, wie süß warst Du heute Nacht noch steigern können. Schließlich soll es Kaffee und Kuchen mit guter Laune geben. Und das gelingt eindeutig.
Um aus einer Veranstaltung eine Tradition zu begründen, bedarf es bekanntlich dreier Aufführungen. Und so darf Mameghani jetzt schon ankündigen, dass das 3. Tortenkonzert in einem Jahr am letzten Sonntag im Februar stattfinden wird. Wer bis dahin nicht auf den kulinarischen Zusatzgenuss eines Konzertes verzichten will, gilt jetzt schon für den 18. April zum ersten Tapas-Konzert bei Bechstein eingeladen, dann allerdings in den Abendstunden. Spaß am Flamenco sollte man dann neben dem Appetit auch mitbringen.
Michael S. Zerban