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Foto © Peter Wieler

Schreiende Trompeten, knurrende Saxofone

125 JAHRE DUKE ELLINGTON
(Duke Ellington)

Besuch am
16. Juli 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Klavier-Festival Ruhr, Merca­tor­halle Duisburg

Rund 2000 Kompo­si­tionen, von denen etwa 100 zu Jazzstan­dards wurden, und 100 Tourneen. Diese großen Tätig­keiten gebühren Duke Ellington, der den Jazz nachhaltig geprägt hat. Vor 125 Jahren geboren und vor 50 Jahren gestorben, beein­flusst er bis heute Musiker in ihrem kreativen Schaffen. Gerade auf dem Gebiet der Jazzor­chester hat er neue Wege beschritten, den Swing hoffähig gemacht. Er arran­gierte wohl überlegt für die einzelnen Bigband-Stimmen. Auf seinem Schaffen fußt der Jungle Style. Charak­te­ris­tisch ist in dem Zusam­menhang etwa der schreiende Trompe­ten­sound, in Fachkreisen bekannt als „Growling“. Keine reinen Töne stehen im Vorder­grund, sondern mittels Dämpfer erzeugte kräch­zende Töne und gezogene Linien, genannt „Wah-Wah-Sound“. Knurrende Saxofone kommen hinzu. Er experi­men­tierte mit Tonali­täten. Er gilt als Tonmaler, der Stimmungen vertonte. Etwa beschrieb Ellington treffend, wie es zu seiner „Harlem Suite“ kam: „Lehn dich in einem Mietshaus an einen Luftschacht, und du bekommst das Innerste von Harlem zu spüren. Man hört Strei­te­reien, schnappt intime Gespräche auf; man schnuppert Küchenduft. Man hört den Hund des Hausmeisters bellen, riecht Kaffee; man vernimmt, wie Leute beten, lachen, schnarchen. Der Schacht ist ein einziger großer Lautsprecher.“ Als junger Musiker fing er zwar als Ragtime-Pianist an. Doch war er zeit seines Lebens kein Klavier­vir­tuose, dafür aber ein famoser Ensemble-Pianist. Das Tasten­in­strument fungierte als ein Binde­glied zwischen seinen musika­li­schen Vorstel­lungen und seinen Bandmit­gliedern. „Mit wenigen Takten konnte er den emotio­nalen Gestus eines Stückes festsetzen“, sagt der Biograf Ulrich Kurth.

Der Jazzle­gende ist das Abschluss­konzert des diesjäh­rigen Klavier-Festivals Ruhr gewidmet. Kein gerin­gerer als Jason Moran ist deswegen über den Großen Teich in die Duisburger Merca­tor­halle gekommen. Der US-ameri­ka­nische Pianist kennt sich nicht nur in der Klavier­ge­schichte des Jazz aus, sondern erarbeitete bereits einige Projekte, die sich mit Jazzle­genden beschäf­tigen. In diesem Jahr konzen­triert er sich aus gegebenem Anlass auf das Leben und Oeuvre Ellingtons. Eingangs stellt er ihn etwa anhand von Black And Tan und mit der zweiten Zugabe Carolina Shout als jungen Pianisten vor. Elemente des Ragtime und Boogie-Woogie spielt er nicht nur tradiert gekonnt virtuos, sondern variiert kunst­fertig die Basslinien, die immer wieder im neuen Gewand erscheinen. Darüber impro­vi­siert er mit einem wiesel­flinken Skalenspiel und teils halsbre­che­ri­schen Akkord­kas­kaden und ‑rückungen. Außerdem verändert er harmo­nische Schwer­punkte bis hin zu grollenden Cluster im Bass. Damit führt er meisterhaft die alten Jazzstile in die Moderne.

Foto © Peter Wieler

Außerdem ist aus Frankfurt die Bigband des Hessi­schen Rundfunks angereist. Sie bietet einen kleinen Querschnitt aus Ellingtons umfang­reichen Schaffen, darunter Rockin‘ In Rhythm und das gemeinsam mit Billy Strayhorn geschriebene Stück Northern Lights. Sämtliche Nummern sind von Moran, der nur am Beginn der Stücke vor dem Jazzor­chester steht und ansonsten wie seinerzeit Ellington vom Klavier aus Anwei­sungen gibt, bis ins Kleinste durch­dacht neu arran­giert und teils wie unter Verwendung des modalen Jazz auf den Zeitgeist gemünzt. Selbst­ver­ständlich wird Ellingtons Bigband-Sound nicht vernach­lässigt. Zum Beispiel sind die geschmei­digen Saxofon­sätze und sonoren Posau­nentöne mit dabei. Gekonnt, mit viel Groove präsen­tieren die Vollblut­jazzer die Ellington-Stile mit tiefem emotio­nalem Zugang dazu und brillieren solis­tisch mit ihren Solo-Einlagen, im Duo und Trio mit hoher Virtuo­sität und einem äußerst harmo­ni­schem Zusammenspiel.

Hinzu gesellt sich mit den Oldies It Don‘t Mean A Thing If It Ain‘t Got That Swing, My Heart Sings und I Like The Sunrise die belgische Sängerin und in Köln lebende Eva Buchmann. Ihr sattel­fester, klarer Mezzo­sopran bewegt sich an diesem Abend so gut wie ausschließlich im mittleren Gesangs­re­gister, wodurch sie schnör­kellos die Texte detail­liert vermittelt und ausge­gli­chene Melodie­bögen gestaltet. Auch die erste Zugabe Come Sunday intoniert sie ohne die Bigband, aber mit Moran als sensiblem Klavier­be­gleiter – sehr ausdrucksstark.

Das rund 115-minütige, erstklassige Konzert am Stück vergeht wie im Flug und wird dementspre­chend mit nicht enden wollendem, frene­ti­schem Beifall gefeiert, der erst nach den beiden Zugaben abebbt.

Hartmut Sassen­hausen

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