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Foto © Gert Weigelt

Schläpfer auf leisen Sohlen

B.38
(Remus Şucheană, William Forsythe, Martin Schläpfer)

Besuch am
9. Februar 2019
(Premiere)

 

Ballett der Deutschen Oper am Rhein – Theater Duisburg

Ein Abend mit drei Stücken von drei Choreo­grafen, die nicht nur eine unter­schied­liche Handschrift aufweisen, sondern auch verschiedene Quali­täts­maß­stäbe erfüllen. Als Konstante ist immerhin das hohe tänze­rische Niveau der Compagnie des Rhein­opern-Balletts festzustellen.

Ulenspie­gel­tänze, die neueste Kreation Martin Schläpfers, die jetzt im Duisburger Theater aus der Taufe gehoben wurde, nimmt sich erstaunlich bescheiden aus. Sowohl im Vergleich zu den anderen Stücken des jüngsten Ballett-Programms der Deutschen Oper am Rhein, b.38, als auch im Vergleich zu anderen, nicht selten spekta­ku­lären Arbeiten des schei­denden Ballett-Chefs der Rheinoper. So entspannt, so märchenhaft sanft und augen­zwin­kernd ironisch hat sich Schläpfer in seiner zehnjäh­rigen Ära am Rhein wenn überhaupt, nur ganz selten präsen­tiert. Wenn er sich auf die legendäre Figur des Ulenspiegel beruft, geht es ihm nicht darum, der Menschheit mit drasti­schen Mitteln eine Nase zu drehen. Wir erleben hier Menschen, die wie Nymphen und Faune aus einer fernen Welt in einem geheim­nis­vollen Märchenwald suchend umher­wandeln. Keso Dekker schafft mit seinen Kostümen und seiner nebel­um­hüllten Waldland­schaft ein Szenario, das  Shake­speares Sommer­nachts­traum zur Ehre gereichen würde. Und zwar einem pittoresk-heime­ligen Traum, in dem selbst eine per Video einge­blendete überdi­men­sional große Eule nichts Bedroh­liches ausstrahlt. Eher schon wiederholt aus dem Dunkel auffla­ckernde Augen. Am Ende verab­schiedet sich die Eule mit einer roten Karne­valsnase, während ein Portrait Stalins den Platz der Sonne vorüber­gehend einnimmt.

POINTS OF HONOR

Musik



Tanz



Choreo­grafie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Mit diesem politi­schen Seitenhieb spielt Schläpfer auf die 7. Symphonie Sergej Proko­fieffs an, die er komplett mit Haut und Haaren vertanzt. Ein Werk, kurz vor dem gleich­zei­tigen Tod des Diktators und des Kompo­nisten um 1951 entstanden, das in seiner raffi­nierten Schlichtheit aller­dings von dem stali­nis­ti­schen Terror  ebenso wenig spüren lässt wie Schläpfers Choreo­grafie, die viele bekannte Bewegungs­muster seiner Tanzsprache enthält, sie aber bisher niemals so kulina­risch unbeschwert einsetzte wie in diesem Stück. Die politische Kompo­nente wirkt in diesem Kontext ein wenig aufge­setzt, was an der sympa­thi­schen Ausstrahlung des Stücks freilich nichts ändert. Ein Werk, mit dem Schläpfer auch das Publikum seiner zukünf­tigen Wirkungs­stätte, der Wiener Staatsoper, nicht vergraulen dürfte.

Foto © Gert Weigelt

Proble­ma­ti­scher präsen­tiert sich Ballett­di­rektor Remus Şucheană mit der längsten Arbeit des Abends, Sinfonie Nr. 1. Dahinter verbirgt sich Sergej Rachma­ninows komplette 1. Symphonie, ein Koloss von 50 Minuten, der bei  Şucheană Assozia­tionen an Kriegs­sze­narien und den Impuls zu seinem neuen Stück auslöste. Das ist sein gutes Recht, auch wenn sich Rachma­ninows Musik sehr friedlich gebärdet und für Kriegs-Szenarien wesentlich geeig­netere Musik­vor­lagen zur Verfügung stünden. Den Wider­spruch kann Şucheană leider nicht auflösen, auch wenn die dunkle Bühne und die tristen Uniformen optisch bei weitem weniger roman­ti­sches Flair verbreiten als die Musik. Aller­dings auch nichts Bedroh­liches. Und die Choreo­grafie verdient als Fleiß­arbeit Respekt, bleibt aber über die gesamte Distanz viel zu harmlos. Da mag Şucheană noch so tief in sein durchaus reich­hal­tiges Bewegungs­re­servoir greifen. Für ein so ausge­dehntes Werk reicht das nicht, zumal die Arbeit nicht die kleinste Überra­schung aufweist und allen­falls als Demons­tration für das hohe Niveau des Rhein­opern-Balletts überzeugen kann.

Was Şucheanăs Arbeit vermissen lässt, das können die Tänzer freilich mit effekt­voller Lebens­freude in William Forsythes schon 19 Jahre altem, aber immer noch taufri­schem Stück One Flat Thing, Repro­duced einbringen. Ein 20-minütiges Feuerwerk an Bewegungs­va­ri­anten in einem explo­siven Rausch körper­licher Dynamik: Ein paar Tische reichen als Dekoration aus, auf, neben und unter denen die 15 Tänze­rinnen und Tänzer zu den zerris­senen elektro­ni­schen Klängen von Thom Willems eine rastlose Stafette unter­schied­lichster Bewegungs­muster und ‑dispo­si­tionen präsen­tieren. Hoch virtuos, kräfte­zehrend und spannend bis zum letzten Atemzug. Dass der Beifall für diesen Genie­streich den der eher matten Arbeit Şucheanăs deutlich übersteigt, verwundert nicht. Zum Abschluss kann sich auch Martin Schläpfer der Sympathie seines treuen Publikums sicher sein. Vergessen werden sollten nicht die Duisburger Philhar­mo­niker unter Leitung des Ballett-erfah­renen Dirigenten Wen-Pin Chien, die die beiden Symphonien auf angemes­senem Niveau interpretieren.

Das Publikum reagiert sehr diffe­ren­ziert auf die Beiträge: zurück­haltend freundlich auf  Remus Şucheană, überschwänglich und kurz auf William Forsythe sowie stark und lang anhaltend auf Martin Schläpfer.

Pedro Obiera

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